Thorsten Frei: Auf Umwegen an die Fraktionsspitze
Aus dem Kanzleramt wird Thorsten Frei wohl bald ausziehen. (Archivbild) Foto: Michael Kappeler/dpa
Er kommt jetzt da an, wo ihn viele schon im vergangenen Jahr gerne gesehen hätten. Einer der engsten Vertrauten des Kanzlers bekommt einen neuen Job.
Berlin. Schon nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr war Thorsten Frei als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Gespräch. Jetzt wird er – wenn in der Fraktionssitzung nächste Woche alles glattläuft – nach einem holprigen Umweg über das Kanzleramt auf diesem Posten ankommen. Die Vorsitzenden von CDU und CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, wollen ihn nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur als Nachfolger von Jens Spahn vorschlagen.
Der 52-jährige Vater von drei Kindern kommt aus der südwestlichen Ecke Deutschlands, aus Säckingen im Schwarzwald an der Grenze zur Schweiz. Er studierte Rechtswissenschaften, arbeitete dann als Rechtsanwalt und Regierungsrat, bevor er 2004 Oberbürgermeister der Kreisstadt Donaueschingen wurde. Seit 2013 gehört er dem Bundestag an, wo er 2021 Parlamentarischer Geschäftsführer unter Fraktionschef und Oppositionsführer Friedrich Merz wurde.
Frei kennt die Fraktionsarbeit also gut und gilt gleichzeitig als Vertrauter von Merz. Der entschied sich nach der gewonnenen Bundestagswahl, ihn lieber zum Chef des Kanzleramts zu machen, als ihn an der Spitze der Fraktion zu installieren. Den Posten bekam der deutlich unbequemere Jens Spahn – für viele eine Überraschung.
Frei gilt als loyaler Vertrauter von Kanzler Friedrich Merz (CDU). (Archivbild) Foto: Michael Kappeler/dpa
Holprige Zeit im Kanzleramt
Freis Zeit im Kanzleramt stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Die erste Sitzung des Koalitionsausschusses, für dessen Vorbereitung ein Kanzleramtschef eigentlich zuständig ist, ließ er zugunsten einer Veranstaltung in seinem Wahlkreis Donaueschingen sausen. Später wurde ihm aus und Union und SPD, aber auch aus den Ländern, unter der Hand teils chaotische Amtsführung vorgeworfen.
Bei der Erarbeitung des Reformpakets nahmen die Fraktionsspitzen das Heft des Handelns in die Hand. Dass die Einigung geräuschlos zustande kam, ist vor allem ihnen anzurechnen.
Rückkehr in gewohnte Gefilde
Nun soll Frei in gewohnte Gefilde zurückkehren. Sein Vorteil: Er muss sich nicht einarbeiten, kann durchstarten, steckt in allen Themen und kennt alle wichtigen Akteure bestens. Für die Koalitionsarbeit, die nach 14 Monaten gerade in geregelte Bahnen gelenkt wurde, ist das von großem Vorteil.
Sein Ansehen unter den Unionsabgeordneten hat allerdings gelitten. Spahn hat die Fraktion zu einem selbstbewussten Machtzentrum neben dem Kanzleramt gemacht. Das werden sich die Abgeordneten nicht mehr nehmen lassen wollen. Frei wird also bei aller notwendigen Loyalität zum Kanzler beweisen müssen, dass er auch diesem Anspruch gerecht werden kann.

Frei wurde schon einmal für den Fraktionsvorsitz gehandelt, wurde dann aber Kanzleramtschef. (Archivbild) Foto: Michael Kappeler/dpa