Huldigungen und Ovationen: Vuskovic entwächst der HSV-Welt
Applaus für die Fans: HSV-Verteidiger Luka Vuskovic nimmt Abschied. Foto: Marcus Brandt/dpa
Es war sein letztes Spiel für den Hamburger SV im heimischen Volksparkstadion. Auf Luka Vuskovic wartet die große Fußball-Welt. Und doch bleibt der potenzielle Weltstar dem HSV eng verbunden.
Hamburg. Von Wehmut wollte Trainer Merlin Polzin nach dem letzten Heimspiel des Hamburger SV in dieser Bundesliga-Saison nichts wissen. „Mir geht es super“, versicherte Polzin (35). Dabei waren gerade noch beim 3:2 gegen den SC Freiburg der überragende Abwehrchef Luka Vuskovic und mit ihm Kreativkraft Fabio Vieira wohl das letzte Mal auf der Bühne Volksparkstadion aufgetreten. Fans, Mitspieler und Trainern feierten die beiden prägendsten HSV-Spieler in dieser Saison noch lange nach Abpfiff.
Ihm gehe es super, „weil ich Trainer dieser Spieler sein durfte und weil sie eine herausragende Saison gespielt haben“, sagte Polzin. Das sei ganz normal im Fußball, „dass sich nach einer Saison die Mannschaft, das Team drumherum, dann auch immer wieder ein Stück weit verändert“. Deshalb bringe es auch in dem Moment nichts, „dann irgendwie schon an morgen zu denken oder daran, was gestern war“. Nach dem Sieg freue er sich „auf den Abend mit den Jungs“.
Zwei, die den HSV in seiner ersten Bundesliga-Saison nach sieben Jahren geprägt haben: Fabio Vieira (l) und Luka Vuskovic. Foto: Marcus Brandt/dpa
Vuskovic im Mittelpunkt an einem emotionalen Tag
Vor allem der 19 Jahre alte Vuskovic stand im Mittelpunkt aller Huldigungen und Ovationen an einem emotionalen Fußball-Nachmittag. Das Ausnahme-Talent war ebenso wie Fabio Vieira ein überragender Faktor im erfolgreichen Kampf des Bundesliga-Rückkehrers um den Klassenverbleib.
Dass der HSV schon frühzeitig das Ziel erreichte und die Saison als Nummer eins im Norden beendete, lag auch und vor allem an ihm. Dass ihm im letzten Heimspiel sein sechster Saisontreffer zum 2:1 per Freistoß gelang und er sich wieder einmal als der Stabilisator in der HSV-Abwehr erwies, war ein würdiger Abschluss für ihn und ein Geschenk an die Fans. Die Anhänger können sich nun damit trösten, dass sie einen potenziellen Weltstar zumindest eine Saison lang im Volkspark haben spielen sehen.

Abschied von den Fans im Volkspark: HSV-Verteidiger Luka Vuskovic. Foto: Marcus Brandt/dpa
Chancen auf einen Verbleib „sehr, sehr gering“
Denn es ist unwahrscheinlich, dass der von Tottenham Hotspur ausgeliehene Hochbegabte noch einmal in Hamburg aufläuft. Das Gleiche gilt für den vom FC Arsenal ausgeliehenen Fabio Vieira. „Zu 99,9 Prozent war das meine Abschiedsparty“, sagte Vuskovic nach dem Spiel vor den Augen seines bis Herbst wegen Dopings gesperrten Bruders Mario, seiner Mutter und seines Vaters. Man soll im Fußball nie etwas ausschließen. „Aber die Chance ist sehr, sehr gering“.
Seine Mitspieler sprechen mit Hochachtung von ihm. „Er ist ein unglaublicher Spieler und für sein Alter abgezockt. Man denkt, er hat schon fünf Champions-League-Finals gespielt“, sagte Fabio Baldé, der mit seinem ersten Bundesliga-Treffer das 3:1 markiert hatte. „Ein unglaublicher Kerl auch in der Kabine, immer motivierend, immer positiv.“
Bakery Jatta, Torschütze zum 1:0 und HSV-Urgestein, meinte: „Luka ist ein sehr feiner Kerl. Er ist mein Nachbar in der Kabine. Er ist ein überragender Fußballer. Wir haben jeden Moment, jede Sekunde mit ihm Spaß gehabt.“
Hamburg ist Vuskovic‘ „zweite Heimat“
Vuskovic muss erst einmal nach London zu den Tottenham Hotspur zurück - und könnte dann dem Premier-League-Club eine Multi-Millionen-Euro-Einnahme bescheren. Der kroatische Nationalspieler ist in einem Jahr der HSV-Welt entwachsen. Ihn gleichwertig zu ersetzen, wird für die Hamburger beinahe unmöglich sein.
Vuskovic steht vor einer Weltkarriere. Sein möglicher neuer Arbeitgeber wird aus der Kategorie Real Madrid, FC Barcelona, FC Liverpool, Manchester City, Paris Saint Germain oder Bayern München kommen. Eine Entscheidung wird wohl erst nach der WM im Sommer fallen.

HSV-Trainer Merlin Polzin (l) wusste, was er an Luka Vuskovic hatte. Foto: Marcus Brandt/dpa
Dennoch wird er zu Hamburg, dem HSV und den Fans stets eine besondere Beziehung haben. Die Stadt sei seine „zweite Heimat“, sagte Luka Vuskovic. Wenn sein Bruder Mario nach vier Jahren Sperre im November sein Comeback im HSV-Trikot geben wird, will er wieder im Volksparkstadion dabei sein. Dann aber auf der Tribüne.