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Adventsserie

TIm eisigen Winter sind diese 1000 Tonnen Gold wert

Im eisigen Winter sind diese 1000 Tonnen Gold wert

Bis Heiligabend öffnet das TAGEBLATT 24 Türen, die sonst verschlossen sind – und erzählt die spannenden Geschichten dahinter. Hinter dieser Tür liegt kein Schnee - auch wenn es im ersten Moment so wirkt.

Von Sophia Ahrens Sonntag, 19.12.2021, 10:30 Uhr

Wenn Autofahrer morgens besorgt aufs Thermometer blicken, bekämpft die Kreisstraßenmeisterei die Glätte auf den Straßen längst mit Streusalz. Durch neue Technik sparen sie dabei immer mehr Streugut – und müssen inzwischen keine leeren Hallen mehr fürchten.

Leiter Uwe Pahl öffnet die hölzernen Schiebetüren und knipst das Licht an. Vor ihm ragt ein riesiger weißer Berg bis unter die Decke der Halle. Kinder würden ihn wohl sofort mit einem Schlitten bestürmen. Doch der weiße Hügel ist genau das Gegenteil vom Schnee: In der Kreisstraßenmeisterei in Drochtersen lagern seit Sommer knapp 1000 Tonnen Streusalz, das zuvor unter Tage in Grasleben im niedersächsischen Landkreis Helmstedt abgebaut wurde.

„Ausgucker“ behalten Straßenlage im Auge

„Wir haben zwei Ausgucker in Drochtersen und Bliedersdorf, so nennen wir die Kollegen, die sich nachts markante Punkte im Landkreis anschauen“, erklärt Leiter Uwe Pahl das Vorgehen im Winter. Schlagen diese „Ausgucker“ Alarm, klingeln sie die zuständigen Kollegen der Kreisstraßenmeisterei um drei Uhr nachts wach. Es wird zum Einsatz gerufen. Mit ihrem Wetterdienst kann zudem vorausschauend geplant werden.

In Drochtersen und Bliedersdorf, wo in einer Halle noch einmal 700 Tonnen Streusalz auf ihren Einsatz warten, werden bei Straßenglätte bis zu acht Großfahrzeuge und vier kleinere Geräte für Radwege mit Streusalz beladen. Am Startpunkt Drochtersen ist das schnell erledigt: Aus der Halle transportiert ein Förderband Salz in Hochsilos, unter die die Fahrzeuge bequem fahren können.

Magnesiumlauge erhöht Wirkungsgrad 

Zusätzlich werden die Fahrzeuge mit Magnesiumlauge betankt. Die modernen Fahrzeuge vernebeln die Lauge auf dem Salz kurz vor dem Ausschmeißen. „Bei trockener Straße würde das Salz sonst runterfliegen“, sagt Pahl. So würde nicht nur Salz gespart, sondern auch sein Wirkungsgrad erhöht: Statt bis minus sieben Grad wirkt das Streugut gepaart mit der Lauge bis minus 18 Grad. Die Fahrzeuge streuen durch technische Neuerungen außerdem rechtsbündig, so landet kein Salz mehr im Seitenstreifen – auch der Umwelt zuliebe.

Zuständig für 400 Kilometer Kreisstraßen

Insgesamt 400 Kilometer Kreisstraßen müssen die Mitarbeiter der Straßenmeisterei abdecken. Möglichst bis sieben Uhr soll überall freie Fahrt sein. „Wir können aber nicht zur gleichen Zeit überall sein“, so Leiter Uwe Pahl. Geräteausfälle seien nicht vorhersehbar, außerdem würden bestimmte Witterungen das Arbeiten verlangsamen. Während ein großes Fahrzeug bei Raureif voll beladen etwa 50 Kilometer abdeckt, ist es bei Schnee und Eisregen höchstens die Hälfte. Dann wird mindestens die doppelte Menge Streugut pro Quadratmeter benötigt.

Ein leeres Lager, wie es sich vor ein paar Jahren ereignete, fürchtet Uwe Pahl allerdings auch bei einem harten Winter nicht mehr: „Wir haben inzwischen Lieferverträge, die besagen, dass wir innerhalb von 24 Stunden beliefert werden müssen.“

Adventsserie

Das TAGEBLATT blickt in der Adventszeit hinter verschlossene Türen. Bis einschließlich Heiligabend stellt die Redaktion im Dezember 24 Orte und ihre Geschichte vor.

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Das Wintersalz der Straßenmeisterei lagert im Kreis Stade unter anderem in Drochtersen. In Stade soll nun eine neue Halle für Streugut entstehen. Foto: Ahrens

Das Wintersalz der Straßenmeisterei lagert im Kreis Stade unter anderem in Drochtersen. In Stade soll nun eine neue Halle für Streugut entstehen. Foto: Ahrens

Leiter Uwe Pahl vor dem Salzberg : Zusammen mit dem Streugut in den Silos lagern in Drochtersen knapp 1000 Tonnen Salz. Foto: Ahrens

Leiter Uwe Pahl vor dem Salzberg : Zusammen mit dem Streugut in den Silos lagern in Drochtersen knapp 1000 Tonnen Salz. Foto: Ahrens

In dem großen Tank lagern etwa 80 000 Liter Magnesiumlauge. Die wird auf dem Salz vernebelt, um Streugut zu sparen und es wirkungsvoller zu machen.

In dem großen Tank lagern etwa 80 000 Liter Magnesiumlauge. Die wird auf dem Salz vernebelt, um Streugut zu sparen und es wirkungsvoller zu machen.

Früher wurden dem Salz Bitterstoffe zugefügt, heute wäre es sogar essbar. Es ist allerdings nicht gereinigt.

Früher wurden dem Salz Bitterstoffe zugefügt, heute wäre es sogar essbar. Es ist allerdings nicht gereinigt.

Bei den modernen Fahrzeugen wird auf dem Förderband die Lauge auf dem Salz vernebelt, bevor es auf die Straße ausgeschmissen wird.

Bei den modernen Fahrzeugen wird auf dem Förderband die Lauge auf dem Salz vernebelt, bevor es auf die Straße ausgeschmissen wird.

Eines von vier Fahrzeugen für die Räumung von Radwegen.

Eines von vier Fahrzeugen für die Räumung von Radwegen.

Aus der Halle wird das Salz in die Silos befördert, so dass die Fahrzeuge zum Beladen direkt darunter parken können.

Aus der Halle wird das Salz in die Silos befördert, so dass die Fahrzeuge zum Beladen direkt darunter parken können.

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