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Große Sorgen

Krieg trifft Kreuzfahrer: AIDA & Co. sagen hier alle Reisen ab

Die Lage rund um die Straße von Hormus bleibt angespannt: Aida sagt die komplette Orient-Saison 2026/27 ab.

Die Lage rund um die Straße von Hormus bleibt angespannt: Aida sagt die komplette Orient-Saison 2026/27 ab. Foto: AIDA Cruises

Der geplante Urlaub fällt endgültig aus: Die Kreuzfahrt-Reedereien reagieren nicht nur jetzt, sie blicken auch schon auf den Herbst. Beliebte Ziele fallen weg.

Von Christian Eckhardt Montag, 16.03.2026, 19:05 Uhr

Hamburg/Rostock. Angesichts anhaltender Sicherheitsbedenken und regionaler operativer Herausforderungen haben auch die vier Kreuzfahrtveranstalter, deren Schiffe in der Region festsitzen, nun den Rest ihrer Wintersaison 2025/26 im Persischen Golf abgesagt. Mittlerweile konnten bei allen sechs festsitzenden Kreuzfahrtschiffen die Gäste ausgeschifft und nach Hause geflogen werden. Auch viele Crewmitglieder aus dem Hotelbereich konnten die Schiffe verlassen. Einzig das nautische und technische Personal muss an Bord bleiben.

MSC Cruises hatte ursprünglich noch bis Anfang April Kreuzfahrten in der Region geplant, doch das Unternehmen hat nun den Rest seiner Saison 2025/26 im Nahen Osten abgesagt. Wie MSC mitteilte, wurde die Entscheidung getroffen, um die Sicherheit und das Wohlergehen der Gäste und der Besatzung zu priorisieren und den Anweisungen der regionalen Militärbehörden zu folgen. Mit der „MSC Euribia“ waren verschiedene Reisen im Persischen Golf mit Routen in die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Bahrain geplant.

Die griechische Reederei Celestyal Cruises, die ihre beiden Schiffe im Winter in der Region einsetzte, sagte schon Anfang März den Rest ihrer Saison im Persischen Golf ab. Da die „Celestyal Journey“ und die „Celestyal Discovery“ nun in der Region festsitzen, wurden auch die ersten geplanten Kreuzfahrten der Saison im östlichen Mittelmeer abgesagt. Wie das Unternehmen erklärte, befinde man sich derzeit „noch in der Phase der Finalisierung der operativen Vereinbarungen“, wie Überführungsfahrten der Schiffe nach Europa erfolgen können.

AIDA sagt Orient-Saison 2026/27 ab

AIDA streicht sogar bereits jetzt die komplette Orient-Saison 2026/27. Orient-Routen starten häufig in Dubai oder Abu Dhabi und führen dann zu Stopps etwa in Doha, Muscat oder Manama. Genau diese Häfen liegen in Staaten, für die das Auswärtige Amt Sicherheitswarnungen ausgesprochen hat. Wenn Seegebiete oder Lufträume betroffen sind, kann das nicht nur die Route selbst treffen, sondern auch die An- und Abreise über Drehkreuze wie Dubai, Abu Dhabi oder Doha.

Gäste wurden ausgeflogen, Teile der Crew müssen an Bord bleiben

Neben Celestyal Cruises verfügt auch TUI Cruises über zwei Kreuzfahrtschiffe in der Region, die „Mein Schiff 4“ und die „Mein Schiff 5“. Auch deren Gäste konnten ausgeflogen werden. Die Schiffe selbst werden „warm“ aufgelegt mit der entsprechenden Anzahl an Crewmitgliedern, um jederzeit die Häfen in Abu Dhabi bzw. Doha verlassen zu können. Die für den Zeitraum bis zum 23. März geplanten Kreuzfahrten an Bord der „Mein Schiff 4“ finden nicht statt. Ebenso wurden alle Kreuzfahrten der „Mein Schiff 5“ bis zum 12. März abgesagt. In einer Mitteilung gab das Unternehmen bekannt, dass man aufgrund von Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes beschlossen habe, die Kreuzfahrten in der Region abzusagen.

Die saudische Reederei Aroya Cruises hat die für die Saison 2025/26 geplanten Kreuzfahrten im Persischen Golf mit der „Aroya“ abgesagt. Nach ihrer Ankunft in den Vereinigten Arabischen Emiraten Ende Februar sollte die „Aroya“ eigentlich bis Anfang Mai in der Region kreuzen. Wie das Unternehmen mitteilte, sei die Entscheidung mit „laufenden regionalen betrieblichen Erwägungen“ und in Abstimmung mit den zuständigen Schifffahrts- und nationalen Behörden getroffen worden.

Der einzige Weg für die Schiffe ins offene Meer führt durch die Straße von Hormus, wo sie ins Visier der iranischen Angriffe geraten könnten, mit katastrophalen Folgen. Ob und wann die Schiffe die aktuellen Liegeplätze über die Straße von Hormus sicher verlassen können, ist derzeit mehr als fraglich. Dies hängt vom weiteren Kriegsverlauf ab und lässt sich nicht seriös prognostizieren.

Bereits sechs zivile Schiffe wurden attackiert

Seit Beginn der militärischen Spannungen zwischen Iran, Israel und den Vereinigten Staaten wurden nach Angaben von Clarksons Research mindestens sechs zivile Schiffe in der Region attackiert. Betroffenen sind vor allem Tanker. Darüber hinaus kam es zu Angriffen auf Hafenanlagen sowie Energieinfrastruktur. Beim Beschuss eines Hafens in Bahrain wurde ein Werftarbeiter getötet, zwei weitere Personen wurden verletzt.

Dazu kommt noch eine neue Gefahr: Seeminen. Bereits seit Tagen gebe es Hinweise darauf, dass der Iran sich vorbereite, Seeminen in der Straße von Hormus zu platzieren oder sogar bereits platziert habe, wie US-Medien berichten. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben bereits 16 Minenleger in der Nähe der Meerenge zerstört.

Die „MSC Euribia“ von MSC Cruises. Mit dem Schiff waren verschiedene Reisen im Persischen Golf geplant. Sie sind nun vorerst abgesagt.

Die „MSC Euribia“ von MSC Cruises. Mit dem Schiff waren verschiedene Reisen im Persischen Golf geplant. Sie sind nun vorerst abgesagt. Foto: Port of Kiel

Somit ist es nicht absehbar, wann Handels- und Kreuzfahrtschiffe aus der Region abgezogen werden können. Je länger die Kreuzfahrtschiffe im Persischen Golf bleiben müssen, desto später können sie ihre Zielhäfen für die Sommersaison erreichen, da die Rückreise durch die zudem unsichere Lage im Roten Meer dann vermutlich auch nicht durch den Suez-Kanal sondern um das Kap der Guten Hoffnung um Afrika führen wird. Allein für diese längere Strecke benötigen die Schiffe in Richtung Mittelmeer rund drei Wochen Fahrtzeit.

Sollten die Schiffe für ihr Sommerprogramm somit nicht zur Verfügung stehen, würde dies eine große Stornierungswelle für die Kunden, aber auch einen wirtschaftlichen Schaden für die Kreuzfahrtveranstalter bedeuten. Allein bei TUI Cruises würden durch das Fehlen von zwei Schiffen wöchentlich rund 5.000 Gäste ihre Reise nicht antreten können.

Wer eine Reise gebucht hat, kann nur abwarten

Alternativen wird es so kurzfristig nicht geben, da auf dem Markt keine freien Schiffs-Kapazitäten zur Verfügung stehen. Derzeit geplant ist bei TUI Cruises noch der Einsatz der „Mein Schiff 4“ ab dem 11. April von Kapstadt aus nach Mallorca, ebenso die gleiche Route für die „Mein Schiff 5“, die im Onlinefahrplan des Unternehmens noch mit einer Abfahrt am 29. März von Kapstadt aufgeführt ist.

Schwer ersetzbar wäre auch für MSC Cruises die „MSC Euribia“, denn das bis zu 6.300 Gäste fassende Schiff soll eigentlich ab Mitte Mai von Kiel aus den ganzen Sommer über einwöchige Nordlandkreuzfahrten durchführen. Für die gebuchten Gäste heißt es derzeit also erstmal abwarten. (ce/skw)

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