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DFB-Pokal

Werder fast in Bestbesetzung zum Favoritenschreck

Werder-Coach Ole Werner und sein Team stehen in Bielefeld unter großem Druck.

Werder-Coach Ole Werner und sein Team stehen in Bielefeld unter großem Druck. Foto: Harry Langer/dpa

Werder Bremen ist völlig aus dem Tritt geraten. Rettet der DFB-Pokal die Saison? Der Trainer benennt die Probleme.

Von dpa Montag, 24.02.2025, 14:35 Uhr

Bremen. Wenn auf der Bielefelder Alm zum Pokalfight das Fluchtlicht angeknipst wird, wächst die Arminia regelmäßig über sich hinaus. Der ostwestfälische Drittligist, der vor drei Jahren noch in der Bundesliga spielte, hat in dem K.o.-Wettbewerb bislang schon dreimal das Halbfinale erreicht. Auf dem Weg dorthin ließen die Ostwestfalen so machen Favoriten stolpern - so wie in der laufenden Saison Union Berlin und den SC Freiburg.

Dementsprechend selbstbewusst geht der Favoriten-Schreck auch in die Partie gegen Werder Bremen am Dienstag (20.45/ZDF/Sky) - zumal der Bundesligist zuletzt schwächelte. „Wir gehen nicht in das Viertelfinale, um es zu genießen. Wir wollen gewinnen“, sagte Trainer Mitch Kniat. Auch für den 39 Jahre alten Chefcoach ist das Pokal-Viertelfinale etwas Besonderes: „Das ist klar mein absolutes Highlight.“

Ausverkauftes Stadion auf der Alm

Flutlichtspiel, volle Hütte auf der Alm mit fast 27.000 Zuschauern - da spielen sich die Arminen schon mal in einen Rausch. „Wir werden im Pokal niemals einen Bundesligisten fußballerisch auf Augenhöhe begegnen. Aber kämpferisch und bei der Arbeit gegen den Ball, da sind wir auf Top-Niveau“, sagte Kniat im Interview dem Portal DeichStube.

Aufwind hat sein Team durch die zwei jüngsten Siege in der Liga, zuletzt mit 3:0 bei 1860 München. Dadurch sind die Bielefelder auf Rang vier auch wieder im Aufstiegsrennen zur 2. Liga. Doch der kürzere Weg zum Erfolg und zu Mehreinnahmen führt über den Pokal. Bislang sind es knapp vier Millionen Euro, die der Club im etwa sieben Millionen Euro hohen Etat nicht eingeplant hat. Etwa 3,5 Millionen könnten bei Einzug ins Halbfinale noch einmal dazukommen.

Generalprobe in München bestanden

Geld, das der ostwestfälische Traditionsclub im Jahr seines 120. Bestehens gut gebrauchen kann. Noch immer gibt es Verbindlichkeiten aus der Bundesligazeit. Zudem sollen auch Mittel in die Mannschaft fließen. So wurden im Winter zwei dringend benötigte Angreifer verpflichtet: der lettische Nationalspieler Roberts Uldrikis und Joel Grodowski vom Zweitligisten Preußen Münster. Beide Stürmer erzielten beim 3:0 in München jeweils ihre ersten Saisontreffer - rechtzeitig vor dem großen Spiel gegen Werder Bremen.

Sportchef Michael Mutzel, der seit anderthalb Jahren bei den Ostwestfalen arbeitet, ist begeistert von der Atmosphäre und dem Kult um die Pokalspiele. „Man merkt immer schon zwei Tage vor den Pokalspielen, dass das Kribbeln beginnt. Der ganze Verein freut sich auf den Abend gegen Werder. Die Partie wird eine riesige Herausforderung, aber wir wollen gewinnen, das ist klar“, sagte der 45-Jährige der „Neuen Westfälischen.“

Endspiel für Werder

Bei den Bremern ist einiges aus den Fugen geraten. Statt über die Liga den Angriff auf Europa zu starten, stecken die Grün-Weißen in einer tiefen Krise. Nur ein Sieg aus den bislang acht Spielen in diesem Jahr, drittschlechtestes Team der Rückrunde, Absturz auf Platz zwölf - das große Ziel Europapokal ist für Werder wohl nur noch über den DFB-Pokal möglich.

Doch in der aktuellen Verfassung wird selbst das Viertelfinale beim Drittligisten zur hohen Hürde. Zumal nach dem peinlichen 0:5 beim SC Freiburg deutliche Risse in der Werder-Mannschaft zutage getreten sind.

Probleme im Teamgefüge

„Wir haben momentan nicht den Ehrgeiz, den letzten Push und den letzten Willen, um uns gegenseitig zu helfen“, kritisierte Romano Schmid den inneren Zusammenhalt des Teams. „Das ist eine bittere Erkenntnis, aber es ist die Realität, weil wir bei Widerständen auseinanderfallen und auf den anderen zeigen“, sagte Werder-Coach Ole Werner. „Wenn es gut läuft, so wie im Dezember, sind wir eine Mannschaft. Aber jetzt zeigt sich wirklich, ob wir eine sind oder nicht.“

Der Bremer Trainer hatte daher am Wochenende erhöhten Redebedarf und nahm seine Mannschaft in die Pflicht. Damit will es Werner aber erst einmal auch bewenden lassen. „Dass wir es anders machen müssen, das ist jedem bewusst“, sagte der Coach. Nun soll der Fokus auf Arminia Bielefeld liegen, das in dieser Saison bereits Hannover 96, Union Berlin und den SC Freiburg aus dem Pokal geworfen hat.

„Es geht nicht um Abwechslung vom Bundesliga-Alltag, sondern um eine große Chance für uns. Wir haben uns dieses Viertelfinale mit harter Arbeit verdient und wollen diese Chance mit aller Macht ergreifen“, sagte der Bremer Trainer, der sein Team gegen den Drittligisten trotz der sportlichen Talfahrt weiter als Favorit sieht. „Klar ist es Druck, aber es ist auch eine große Chance für uns.“

Bankdrücker Ducksch

Diese wollen die Bremer nahezu in Bestbesetzung beim Schopfe packen. Lediglich Abwehrchef und Kapitän Marco Friedl fällt für die Partie in Ostwestfalen weiter wegen einer Innenbandzerrung aus. Dafür ist Routinier Jens Stage nach seinem Kurzeinsatz in Freiburg wieder vollkommen fit und dürfte mit seiner Präsenz und Erfahrung in die Startelf rücken.

Dort dürfte auch Marvin Ducksch den in Freiburg zwar engagierten, aber glücklosen André Silva ersetzen. Im Breisgau saß Ducksch zunächst eine Stunde nur auf der Bank, auch weil er nach einem operativen Eingriff in der kurzen Winterpause noch seine Form sucht. „Es ist gut, dass wir wieder mehr Möglichkeiten haben, auch wenn noch nicht alle Spieler, die zurückkommen, komplett im Rhythmus sind“, sagte Werner.

Ein Armine bereits Pokalsieger

Bei den Arminen wäre ein vierter Einzug ins Halbfinale nicht nur ein finanzieller Segen. In zwei der bisherigen drei Pokal-Halbfinals versperrte Rekord-Pokalsieger FC Bayern München den Arminen den Einzug ins Finale. Dies kann den Bielefeldern diesmal nicht drohen - die Bayern sind bereits raus aus dem Wettbewerb. Und einen echten Pokalsieger haben die Arminen auch im Team. Abwehrspieler Joel Felix gewann mit Silkeborg IF 2024 den Cup in Dänemark.

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