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Skandal um Königsfamilie

Norwegens Prozess des Jahres: Mette-Marits Sohn vor Gericht

Marius Borg Høiby, der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit aus einer früheren Beziehung, ist in 38 Punkten angeklagt - unter anderem wegen Vergewaltigung. (Archivbild)

Marius Borg Høiby, der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit aus einer früheren Beziehung, ist in 38 Punkten angeklagt - unter anderem wegen Vergewaltigung. (Archivbild) Foto: Vegard Wivestad Grott/NTB SCANPIX/EPA/dpa

Er ist das schwarze Schaf der norwegischen Königsfamilie: Jetzt startet der Prozess gegen den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit. Alles, was man über Marius Borg Høiby und die Vorwürfe wissen muss.

Von dpa Samstag, 31.01.2026, 07:05 Uhr

Oslo. Für die norwegische Königsfamilie ist der Prozess gegen Marius Borg Høiby der größte Skandal in jüngerer Zeit. Gewalt, Drogen und schwere Sexualdelikte - die Vorwürfe gegen den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit sind heftig und bestimmen seit dem Sommer 2024 die Schlagzeilen. Ab Dienstag muss sich Høiby vor Gericht verantworten. 

Wer ist Marius Borg Høiby überhaupt?

Høiby (29) ist der älteste Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit (52). Er stammt aus einer früheren - laut norwegischen Medien flüchtigen - Beziehung der Kronprinzessin. Mette-Marit zog ihren Sohn allein auf, bis sie den norwegischen Thronfolger Haakon (52) traf. „Lille Marius“ wurde der Junge mit den hellblonden Haaren bei der Hochzeit der beiden liebevoll genannt. Danach wuchs Marius bei dem Paar auf - mit seinen Halbgeschwistern Prinzessin Ingrid Alexandra (22) und Prinz Sverre Magnus (20).

Høiby gehört zwar zur Königsfamilie, ist aber kein Mitglied des norwegischen Königshauses und somit auch kein Prinz. Er nimmt deshalb auch keine offiziellen Aufgaben wahr. 2017 begann er ein BWL-Studium in den USA, brach es aber gleich wieder ab. Später war er unter anderem Praktikant bei einem Modedesigner, arbeitete als Verkäufer in einem Unternehmen, das eine Party-App entwickelt hat, und als Motorradmechaniker.

Weshalb steht er vor Gericht?

Die Liste der Vorwürfe ist lang - und heftig. Der Sohn der Kronprinzessin ist in 38 Punkten angeklagt - unter anderem wegen Vergewaltigung, Misshandlung in engen Beziehungen, Körperverletzung, Sachbeschädigung sowie Verstößen gegen Besuchsverbote. Die ersten Vorwürfe waren 2024 laut geworden - seitdem ist ihre Zahl stetig gewachsen. Zuletzt kamen erst vor einigen Wochen sechs weitere Anklagepunkte hinzu: So soll Marius Borg Høiby etwa 3,5 Kilo Marihuana aufbewahrt und transportiert haben und mehrfach zu schnell Motorrad gefahren sein. 

Im Laufe der Ermittlungen wurde der Norweger mehrmals festgenommen und kam zwischenzeitlich sogar in Untersuchungshaft, nachdem neue Vorwürfe zu mehreren mutmaßlichen Sexualdelikten bekanntgeworden waren. Im Sommer 2025 wurde schließlich Anklage gegen ihn erhoben.

Wie steht Høiby zu den Vorwürfen?

Schon im Sommer 2024 gab Høiby zu, unter Alkohol- und Kokain-Einfluss gegenüber seiner damaligen Freundin gewalttätig geworden zu sein und Dinge in ihrer Wohnung zerstört zu haben. In einer Stellungnahme berichtete er damals von psychischen Problemen und davon, seit längerem mit Drogenmissbrauch zu kämpfen.

Andere Vorwürfe - vor allem die Sexualdelikte - hat Høiby vehement bestritten. Die Ermittler sind dennoch sicher, dass er sich gleich eine ganze Reihe an Straftaten zuschulden hat kommen lassen, darunter mehrere Sexualstraftaten nach dem norwegischen Vergewaltigungsparagrafen. 

Wie wird der Prozess ablaufen - und was droht Høiby?

Der Prozess soll bis Mitte März andauern. Nach dem Verlesen der Anklageschrift und den Plädoyers am ersten Tag soll Høiby am zweiten Prozesstag zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung nehmen. Außerdem kommen mehrere mutmaßliche Opfer und Zeuginnen zu Wort, darunter Ex-Freundinnen des Angeklagten. Es herrschen strenge Vorgaben für die Berichterstattung über die Frauen. Zahlreiche der Aussagen finden hinter verschlossenen Türen statt. Das Medieninteresse ist immens.

Im Falle einer Verurteilung droht Høiby eine Haftstrafe. Allein die vorgeworfenen Sexualdelikte könnten nach norwegischem Recht mehrere Jahre Gefängnis nach sich ziehen.

Wie hat das Königshaus auf die Vorwürfe gegen Høiby reagiert?

Erst Ende 2024 äußerte sich Kronprinzessin Mette-Marit öffentlich zu den Vorwürfen gegen ihren Sohn - eine Tatsache, die für viel Empörung sorgte. Dem norwegischen Fernsehen sagte sie, die Ermittlungen hätten die Familie belastet: „Es war wirklich, wirklich hart für uns.“ Norwegens König Harald V. und das Kronprinzenpaar sprachen allen Betroffenen ihr Mitgefühl aus.

Erst kürzlich sagte Kronprinz Haakon, Høiby sei zwar kein Mitglied des Königshauses, aber „ein wichtiger Teil unserer Familie“. Den Prozess will das Kronprinzenpaar zwar mitverfolgen. Dem Gericht bleiben die beiden aber fern. Mette-Marit, sagte Haakon, habe eine private Reise geplant, sein eigener Terminkalender sei voll. Auch kommentieren will der Kronprinz die Verhandlung gegen seinen Stiefsohn nicht.

Wie denken die Norweger über den Fall?

Der Skandal um das Enfant terrible der Königsfamilie ist seit eineinhalb Jahren Gesprächsthema im Land. Viele Norweger schütteln mit dem Kopf und fragen sich, wie jemand, der so privilegiert aufgewachsen ist, so tief fallen kann. Auch Mette-Marit stand zunächst unter Beschuss. Doch viele empfinden auch Mitleid mit der schwer kranken Kronprinzessin und dem Königshaus, dem die Mehrheit der Norweger sehr treu ist. In Umfragen steht die Monarchie inzwischen wieder stark da.

Da war die Welt noch in Ordnung: die Familie des norwegischen Kronprinzenpaars mit Marius Borg Høiby in der Mitte. (Handout)

Da war die Welt noch in Ordnung: die Familie des norwegischen Kronprinzenpaars mit Marius Borg Høiby in der Mitte. (Handout) Foto: picture alliance / dpa

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