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Filialen geschlossen: Postbank-Streik trifft auch den Kreis Stade

Das Logo der Postbank ist an einer Filiale zu sehen.

Das Logo der Postbank ist an einer Filiale zu sehen. Foto: Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Am Mittwoch und Donnerstag werden Postbankfilialen in Niedersachsen und Bremen bestreikt. Die Gewerkschaft Verdi will so den Druck in der laufenden Tarifrunde erhöhen. Auch im Kreis Stade bleiben Filialen geschlossen.

Von dpa Mittwoch, 06.03.2024, 15:25 Uhr

Hannover. Im Tarifkonflikt bei der Postbank ruft die Gewerkschaft Verdi erneut zum Warnstreik auf. Vom bundesweiten Ausstand am Mittwoch und Donnerstag seien in Niedersachsen und Bremen 48 Filialen betroffen, teilte die Gewerkschaft am Dienstag mit.

„Wir gehen davon aus, dass der größte Teil der Filialen an beiden Tagen geschlossen bleibt und es auch an den Servicehotlines zu größeren Problemen bei der Erreichbarkeit kommen wird“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck.

Auch im Landkreis Stade werden Postbank-Filialen bestreikt. Das teilt die Postbank auf ihrer Homepage mit. Demnach bleiben die Filiale am Pferdemarkt 12 in Stade und die Bank in der Bahnhofstraße 58 in Buxtehude am 6. März geschlossen (Stand 11 Uhr).

„Leider haben wir keinen Einfluss darauf, welche Serviceeinheiten der Postbank bestreikt werden. Im Falle der Schließung einer Filiale können Sie dort keine Services nutzen“, teilt die Postbank auf ihrer Homepage mit. Auch bei der Nutzung von Geldautomaten, Service-Terminals, Kontoauszugsdruckern, Briefmarkenautomaten oder Paketboxen könne es zu Einschränkungen kommen.

Ausweichen können Postbankkunden aus dem Landkreis Stade zum Beispiel auf die Filialen in Jork (Osterjork 31), Steinkirchen (Bürgerei 84) und Buxtehude (Torfweg 4). In Stade ist die Postbank in der Thuner Straße 85 und im Lerchenweg 15 geöffnet, auch in Himmelpforten, Drochtersen, Cadenberge und Hemmor ist geöffnet.

Das Online-Banking ist von den Streikmaßnahmen nicht betroffen.

Streik bei der Postbank - Was passiert mit meinen Paketen?

Wer an den Streittagen Pakete, Päckchen oder Briefe aus einer bestreikten Postbankfiliale abholen wollte, kann dies tun, wenn der Streik beendet ist. Die Lagerfrist werde automatisch um die Anzahl der Streiktage der jeweiligen Filiale verlängert.

Für Kunden, die eine Sendung mit ebensnotwendigen Medikamenten erwarten, hat die Postbank eine Hotline eingerichtet unter 0228 5500 5587 (Ortstarif).

Welche Filialen bestreikt werden, zeigt der Filialfinder der Postbank an.

Gewerkschaft fordert Lohnerhöhung für Postbankangestellte

Duscheck kritisierte, das bisher vorgelegte Angebot der Arbeitgeberseite sei sehr weit von einem „verhandelbaren Kompromisskorridor entfernt“. Verdi fordert für etwa 12 000 Beschäftigte der Postbank 15,5 Prozent mehr Geld, mindestens jedoch eine Anhebung der Gehälter um 600 Euro. Die Bank bietet nach Verdi-Angaben fünf Prozent Lohnplus ab Juni an und weitere zwei Prozent ab Mitte 2025. Erste Warnstreiks in dem Konflikt hatte es Mitte Februar gegeben.

Im ver.di-Bezirk Bremen-Nordniedersachsen, zudem auch der Kreis Stade gehört, werden insgesamt 11 Postbank-Filialen betroffen sein. Das teilte ein Verdi-Sprecher dem TAGEBLATT auf Nachfrage mit.

Kräftemessen in der Rezession - Werden Streiks immer härter?

Immer neue Streiks bei der Bahn, Warnstreiks im Luftverkehr - und jetzt auch noch beides gleichzeitig: Gerade Menschen unterwegs spüren, wie Tarifkonflikte gerade eskalieren. Auch im Nahverkehr gibt es Warnstreiks, und die Straße ist manchmal von protestierenden Bauern blockiert, die ebenfalls um ihre Einkommen ringen. An vielen Stellen geht es gerade darum, wie der Wohlstand verteilt wird, und die Stimmung ist mitunter gereizt. Sind da auch Streiks in Deutschland mittlerweile härter als früher?

Ja, meint etwa Hagen Lesch, der Tarifexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. „Die Tarifauseinandersetzungen sind schon im letzten Jahr härter als in den Jahren davor geführt worden“, sagte Lesch der Deutschen Presse-Agentur. Das arbeitgebernahe Institut misst das Ausmaß der Tarifkonflikte seit 2010 in ausgewählten Branchen mit einem Punktesystem. „Seit 2010 haben wir keinen so hohen Konfliktwert wie im letzten Jahr gehabt.“ Zwar gebe es noch keine Auswertung für das erste Quartal 2024. „Aber es deutet sich an, dass wir im laufenden Jahr ein ähnlich hohes Niveau behalten werden wie wir es im letzten Jahr hatten.“

Ein Grund ist die hohe Inflation der letzten Jahre. Die Preise stiegen zeitweise schneller als die Gehälter. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts gab es im vergangenen Jahr das erste kleine Reallohnplus seit 2019 - ein Zuwachs von 0,1 Prozent, wozu jedoch auch einmalig gezahlte Inflationsausgleichsprämien beitrugen. Die Gewerkschaften gingen in die Offensive, um wieder Kaufkraftgewinne zu erzielen, meint Lesch.

Forscher: Rezession mindert Bereitschaft für Zugeständnisse

Auf der anderen Seite steht eine schwache Konjunktur. Im vergangenen Jahr ist Deutschland insgesamt mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent bereits in eine Rezession gerutscht. Volkswirte rechnen damit, dass die Schwäche zunächst anhält.

Das mindere auf Arbeitgeberseite die Bereitschaft für Zugeständnisse, sagte IW-Experte Lesch. „Wir haben also offensiv agierende Gewerkschaften in einem Umfeld, wo die Unternehmen die Spendierhosen eher etwas enger schnallen.“ Da sei es naturgemäß schwieriger, zu Kompromissen zu kommen. Hinzu komme, dass bestimmte Gewerkschaften durch aktive Tarifbewegungen Mitglieder gewinnen wollten und damit teilweise auch schon erfolgreich gewesen seien. „Insofern muss man auch befürchten, dass auch andere Gewerkschaften, die bislang friedfertiger waren, das mal ausprobieren wollen.“

Häufung von Streiks im Transportsektor

Die Sozialwissenschaftlerin Irene Dingeldey vom Institut Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen hebt hervor, dass die Streiks noch lange nicht ihre härteste Form angenommen haben. „Das wären unbefristete Streiks und die haben wir noch gar nicht“, sagte die Sozialwissenschaftlerin der Deutschen Presse-Agentur. Aber es gebe natürlich eine gewisse Häufung von Streiks vor allem im Transportsektor. „Die fallen uns mehr auf, weil wir die Auswirkungen spüren. Und deshalb erscheinen sie uns vielleicht härter.“ Wenn hingegen etwa in der Metallindustrie gestreikt werde, betreffe dies den Normalbürger nicht unmittelbar.

„Streik ist ein legitimes Instrument der Tarifauseinandersetzung“, betonte Dingeldey. Es sei die einzige Widerstandsform, die Arbeitnehmer hätten, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. „Das gehört dazu - ob es uns gefällt oder nicht.“

Gewerkschaften legten derzeit eine gewisse Vehemenz an den Tag. Im Hintergrund stehe der aktuelle Arbeitskräftemangel. Für die Gewerkschaften bedeute das eine „Machtressource“. „Hat sich die Ware Arbeitskraft verknappt, dann wird ein höherer Preis aufgerufen.“ Bei hoher Arbeitslosigkeit hingegen verlören Gewerkschaften an Macht: „Dann fallen die Lohnforderungen geringer aus.“

Neue Tarifverträge für zwölf Millionen Beschäftigte

In welchen Branchen in diesem Jahr noch gestreikt wird, ist offen. Laut Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung laufen zwischen Dezember 2023 und Dezember 2024 für knapp zwölf Millionen Beschäftigte allein von den DGB-Gewerkschaften vereinbarte Vergütungstarifverträge aus. Im September etwa beginnen die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie, der größten Tarifbranche mit über 3,6 Millionen Beschäftigten. Ende 2024 laufen die Tarifverträge für den Öffentlichen Dienst bei Bund und Gemeinden (2,4 Millionen Beschäftigte) aus.

IW-Experte Lesch geht dennoch davon aus, dass die bevorstehenden Tarifauseinandersetzungen in diesem Jahr weniger Auswirkungen haben werden als die aktuellen Konflikte in den Bereichen Luftfahrt und Bahn. „Wenn die großen Konflikte bei den Fluggesellschaften, der Luftsicherheit und bei der Bahn durch sind, werden wir das nicht mehr so stark merken wie im Moment.“ Überraschungen könne es allerdings immer geben. (dpa/set)

J
Jochen Mextorf
06.03.202416:30 Uhr

Germany failed State.

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