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Billiganbieter-Pleite

Preiserhöhung bei der EWE: Gas und Strom werden deutlich teurer

Energie wird teurer – bei der in Niedersachsen stark verbreiteten EWE ab 1. April für alle Kunden der Grundversorgung, auf Sicht wohl für alle Bezieher von Gas und Strom. Murat/dpa

Energie wird teurer – bei der in Niedersachsen stark verbreiteten EWE ab 1. April für alle Kunden der Grundversorgung, auf Sicht wohl für alle Bezieher von Gas und Strom. Murat/dpa

Turbulente Zeiten auf den Energiemärkten: Die Preise explodieren, Billiganbieter werfen ihre Kunden raus – und klassische Versorger erhöhen ihre Preise, weil sie viele neue Kunden bekommen. Auch bei der EWE ist das jetzt der Fall.

Freitag, 04.02.2022, 08:07 Uhr

Von Christan Lindner

Gas und Strom werden beim Energieversorger EWE ab 1. April spürbar teurer: Gas kostet einen Durchschnittshaushalt ab dann im Vergleich zum Vorjahr 41,1 Prozent mehr, Strom wird 9,5 Prozent teurer.

Ab April davon betroffen sind alle Kunden des in Oldenburg beheimateten Unternehmens, die von ihm Gas und Strom in der Grund- oder Ersatzversorgung beziehen. Das sind 460 000 der rund 1,4 Millionen Kunden des Energieversorgers, von denen viele in Niedersachsen leben. Diesen Tarif erkennen die Bezieher an dem Wort „Komfort“.

Aber auch die Mehrheit der EWE-Kunden, die langfristige Verträge mit Preisgarantie für Gas oder Strom hat, muss sich auf Sicht auf höhere Energiekosten einstellen: Wenn ihre Verträge auslaufen, wird die EWE ihnen neue Konditionen anbieten – an der Marktlage orientiert und damit absehbar teurer als bisher.

70.000 Kunden wechseln zu EWE

Der jetzige Preisschub hat einen für die Branche ungewöhnlichen Grund: Die EWE hat in den vergangenen Wochen rund 70 000 neue Kunden bekommen – und die haben die Preiskalkulation des Unternehmens über den Haufen geworfen.

Hintergrund: Große Versorger wie die EWE sichern sich die nötigen Kapazitäten an Gas und Strom langfristig. So machte die EWE ihre Verträge mit den Stromlieferanten für das gesamte Jahr im Oktober 2021 fest. Im November und Dezember aber explodierten die Beschaffungspreise für Gas und Strom regelrecht – weil die Nachfrage nach Gas weltweit kräftig anstieg. Zeitweise vervierfachten sich die Preise für beide Energien. Der Höhepunkt des Anstieges lag kurz vor Jahresende im Dezember.

Folge: Viele Billiganbieter von Gas und Strom, die ihre Energie kurzfristig einkaufen, machten Verluste oder sogar pleite, trennten sich im Dezember und Januar von Hunderttausenden Kunden. Solche Bezieher müssen Grundversorger wie die EWE wieder aufnehmen. Sie sind dazu gesetzlich verpflichtet. Für ihre nicht vorhersehbaren 70 000 neuen Kunden muss die EWE nun Gas und Strom zu teuren Kurzfristpreisen einkaufen.

Gleiche Preise für Neu- und Bestandskunden

EWE-Marktvorstand Michael Heidkamp erläutert, dass sich die EWE aus rechtlichen Gründen bewusst gegen unterschiedliche Preise für Neu- und Bestandskunden entschieden hat. Die Mehrkosten werden also umgelegt, Gas und Strom wird deshalb für alle Kunden in der Grund- und Ersatzversorgung teurer.

Der zur Jahreswende schon einmal um 11,6 Prozent erhöhte Gaspreis steigt pro Kilowattstunde von 7,75 auf 10,06 Cent. Der zum 1. Januar um 3,3 Prozent gesenkte Strompreis steigt von 26,26 auf 30,48 Cent pro Kilowattstunde. Der jährliche Grundpreis bleibt bei Gas wie bei Strom unverändert. Ein Standardhaushalt muss damit 2022 nach den Berechnungen der EWE rund 644 Euro mehr für Gas und 95 Euro mehr für Strom ausgeben.

Oliver Bolay, Geschäftsführer des Vertriebs der EWE, kündigt an, dass der Versorger alle drei Monate prüfen wird, ob die Preise wieder gesenkt werden können. Bolay: „Wir werden etwaige Senkungspotenziale nutzen.“

Die EWE-Manager betonen, dass die EWE bei Gas wie bei Strom unter dem Durchschnitt der Preiserhöhungen der deutschen Versorger liegt. Im Jahresvergleich steigt der Gaspreis bundesweit um 73 Prozent (EWE: 41,1), bei Strom um 12,5 Prozent (9,5).

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