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Niedersachsen

Rechtsstaat-Leugner rufen zu Mord von Prominenten auf – Anklage

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat Anklage gegen einen Mann und eine Frau erhoben, die mutmaßlich den Rechtsstaat leugnen. Foto: dpa-Bildfunk

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat Anklage gegen einen Mann und eine Frau erhoben, die mutmaßlich den Rechtsstaat leugnen. Foto: dpa-Bildfunk

Ein Mann und eine Frau aus Niedersachsen verschickten ihre Drohungen im umstrittenen Messengerdienst Telegram. 54-Jährige sieht sich als „Commander“ allierter Streitkräfte.

Montag, 02.05.2022, 12:28 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat Anklage gegen einen Mann und eine Frau erhoben, die mutmaßlich den Rechtsstaat leugnen. Der 54-jährige Mann soll über einen Telegram-Kanal zur Tötung verschiedener Personen des öffentlichen Lebens aufgerufen haben, wie die Justizbehörde am Montag mitteilte. Die ebenfalls 54-jährige Frau soll diese Aufrufe weiterverbreitet haben.

Dem Mann aus Bad Zwischenahn werden 33 Straftaten zur Last gelegt. Seine öffentlichen Äußerungen weisen aus Sicht der Justiz Nähe zum Gedankengut sogenannter Reichsbürger auf. Der 54-Jährige behauptet laut Staatsanwaltschaft, „Commander“ des Hauptquartiers der alliierten Streitkräfte in Nordwest- und Mitteleuropa (SHAEF) zu sein. Er sei der Überzeugung, dass nur die Gesetze des SHAEF in Deutschland gelten - diese Institution wurde aber nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aufgelöst.

Mordaufrufe via Telegram erreichen bis zu 11.000 Menschen

Der Beschuldigte soll „Todesurteile im Namen des SHAEF“ für Personen des öffentlichen Lebens über Telegram an bis zu 25.000 Menschen verschickt haben. Die Frau aus dem Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg schickte diese Nachrichten über ihren eigenen Telegram-Kanal an bis zu 11.000 Menschen weiter. Die von den Behauptungen betroffenen Menschen seien in der Folge zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt gewesen, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

Bei der Göttinger Staatsanwaltschaft ist die Zentralstelle zur Bekämpfung von Hasskriminalität in Niedersachsen untergebracht. Die zwei Beschuldigten werden sich vor dem Amtsgericht Westerstede verantworten müssen. Ein Hauptverhandlungstermin steht noch nicht fest. Der Mann wurde am 1. Dezember 2021 im Landkreis Böblingen festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft, die Frau ist auf freiem Fuß. (dpa)

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