Hohe Nachfrage bei Kutter-Abwrackprogramm: Zahlreiche Fischer geben auf
Für das Abwrackprogramm von Nordseekuttern sind in einer ersten Runde 48 Anträge eingegangen. (Symbolbild) Foto: Sina Schuldt/dpa
Die Küstenfischerei an der Nordsee steckt in einem Umbruch. Die Kutterflotte soll an die schrumpfenden Fanggebiete angepasst werden, dafür gibt es Hilfen vom Bund. Die Nachfrage ist enorm.
Emden. Viele Küstenfischer an der Nordsee wollen ihre Kutter aufgeben – entsprechend groß ist die Nachfrage nach dem von der Bundesregierung aufgelegten, millionenschweren Abwrackprogramm. In einer ersten Förderrunde des Programms zur Stilllegung der Kutter sind bis Ende März 48 Anträge eingegangen. „Die Nachfrage übersteigt damit die im ersten Förderabschnitt zur Verfügung stehenden Mittel“, teilte die zuständige Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn auf dpa-Anfrage mit. Wegen der Antragsflut können nicht alle Anträge in der ersten Förderrunde berücksichtigt werden – auch wenn sie die Anforderungen erfüllen sollten.
Mit dem Abwrackprogramm soll die Zahl der Kutter an der deutschen Nordseeküste um rund 30 Prozent reduziert werden. Dazu stellt die Bundesregierung 20 Millionen Euro Fördermittel bereit. Dreiviertel des Geldes sollen in die Krabbenfischerei fließen, ein Viertel soll die Plattfischfischerei für das Abwracken von Fischereifahrzeugen erhalten.
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Warum die Kutterflotte schrumpfen soll
Dahinter steht das Ziel der Politik, die Fischereiflotte an die schrumpfende Größe der Fanggebiete anzupassen. Die norddeutschen Küstenfischer kritisieren seit langem, dass ihre Fanggebiete knapper werden, weil Offshore-Windparks entstehen und Meeresschutzgebiete ausgeweitet werden.
„Wir bringen die Leistungsfähigkeit der Fischereiflotte und die tatsächlichen Fangmöglichkeiten wieder ins Gleichgewicht“, hatte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) zum Start des Abwrackprogramms angekündigt. Mit der kleineren Flottengröße soll auch die wirtschaftliche Perspektive der verbliebenen Fischer gesichert werden.

Angesichts schrumpfender Fanggebiete stehen die Fischer an der Nordseeküste vor einer ungewissen Zukunft. (Archivbild) Foto: Sina Schuldt/dpa
Vielen Küstenfischern ermöglicht das Fördergeld überhaupt den Ausstieg. Denn verkaufen oder an eine nächste Fischergeneration weitergeben – wie es früher einmal war – lassen sich die Kutter wegen der schwierigen Wirtschaftsperspektive kaum. Zudem sind viele Kutter überaltert.
Wie viele Fischer voraussichtlich Hilfe erhalten
In dem Abwrackprogramm sind drei Förderrunden vorgesehen. Die erste Runde mit Abwrackhilfen von zwölf Millionen Euro ist nun geschlossen. Nachdem die Anträge geprüft und bewilligt sind, sollen die Kutter abgewrackt werden. Die Bundesanstalt rechnet damit, dass das im Laufe des Jahres passiert: „Zum Ende dieses Jahres sollte sich die Anzahl der Krabbenkutter und Plattfischfänger entsprechend der Maßnahme bereits verringert haben.“ Schon bald könnten also weniger Kutter in den Küstenorten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu sehen sein.
In der ersten Förderrunde sollen nach Angaben der Behörde voraussichtlich sieben bis acht Krabbenkutter jeweils in Niedersachsen und Schleswig-Holstein in dem Abwrackprogramm berücksichtigt und still gelegt werden können. Bei den Plattfischfischern sollen voraussichtlich zwei Anträge genehmigt werden. Die Höhe der Fördersumme ist von Kutter zu Kutter verschieden und bemisst sich unter anderem an der Größe und dem Alter des Kutters.
„Das Interesse an der Maßnahme ist groß und es ist damit zu rechnen, dass die Fördergelder im Sinne der Maßnahme verteilt über die drei Förderrunden voll ausgezahlt werden können“, teilte die Bundesanstalt weiter mit. Fischer, deren Anträge in der ersten Runde wegen der Überzeichnung nicht berücksichtigt wurden, sollen an der zweiten Runde teilnehmen können. Die Fördersummen für die zweite und dritte Runde sind bislang nicht festgesetzt worden.