Salzgitter AG schluckt Stahlfirma HKM - heftiger Jobabbau
Blick auf das HKM-Werk in Duisburg. Foto: Christoph Reichwein/dpa
Die gute Nachricht zuerst: Die Stahlfirma HKM wird nicht dichtgemacht. Doch es gibt auch eine richtig schlechte Nachricht: Es gehen wohl rund 2000 Jobs verloren, nur 1000 sollen übrigbleiben.
Duisburg/Salzgitter. Der Stahlkonzern Salzgitter übernimmt die Duisburger Stahlfirma HKM komplett und verbindet das mit einem drastischen Jobabbau. Das niedersächsische Unternehmen teilte mit, man habe entsprechende Verträge mit den anderen bisherigen Miteigentümern unterzeichnet, also der Stahlfirma Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) und dem französischen Rohrfabrikanten Vallourec. Bislang hielt TKSE 50 Prozent der Anteile, die Salzgitter AG 30 Prozent und Vallourec 20 Prozent. Das Kürzel HKM steht für Hüttenwerke Krupp Mannesmann.
Die Übernahme ist mit einem herben Jobabbau verbunden: Aktuell sind es rund 3000 Beschäftigte bei HKM, Ende 2028 sollen es nur etwa 1000 sein. „Dies ist ein schwerer, aber notwendiger Schritt“, sagt Salzgitter-Personalvorständin Birgit Dietze.
Die Veränderungen sollen „grundsätzlich sozialverträglich“ gestaltet werden. Ohne den schmerzhaften Stellenabbau hätte man die alleinige Übernahme nicht vollziehen können, argumentiert die Salzgitter AG. Die Alternative wäre eine komplette Schließung des Duisburger Hüttenwerks gewesen. Die HKM habe nur mit einer konsequenten Neuaufstellung die Chance auf eine erfolgreiche Zukunft.
Hoffnung auf hohe Nachfrage nach grünem Stahl
Salzgitter möchte in den Standort investieren, um dort künftig bei der klimaschonenden Produktion von Stahl mitmischen zu können - dies in der Hoffnung, dass die Nachfrage nach „grünem“ Stahl auch anzieht. In Duisburg soll ein sogenannter Elektrolichtbogenofen gebaut werden, bei dem Strom genutzt wird und nur wenig CO2 entsteht.
„Wir sind froh, dass wir nun für alle Beteiligten eine zufriedenstellende Lösung gefunden haben“, sagte der Salzgitter-Chef Gunnar Groebler. Man wolle den Standort auf die grüne Transformation ausrichten und in eine langfristige Zukunft führen.
Die Chefin der Thyssenkrupp-Stahlsparte TKSE, Marie Jaroni, sprach von einem „wichtigen Meilenstein für alle Beteiligte“. TKSE könne seine Produktion nun auf den Duisburger Norden konzentrieren sowie die Auslastung, Effizienz und Wirtschaftlichkeit nachhaltig steigern. HKM beliefert TKSE nur noch bis Ende 2028, ursprünglich war die Belieferung bis 2032 geplant.
Ein Sprecher der IG Metall bewertete den geplanten Jobabbau als „bitter“. Es sei aber gut, dass der Standort erhalten bleibe und damit immerhin 1000 gut abgesicherte industrielle Arbeitsplätze in NRW fortbestehen. Stefan Dietzfelbinger von der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer wertete die Übernahme als „ein gutes Signal für unseren Stahlstandort“. Die angekündigte Ausrichtung auf die grüne Transformation und Investitionen in einen Elektrolichtbogenofen sieht er positiv. „Damit wird das Unternehmen einen merklichen Beitrag zur CO2-Reduktion leisten.“