So schnell greifen Sperber aus der Luft an
Ein Sperber hat seine Beute fest im Blick. Foto: Paulin
Sperber sind geschickt beim Beutefang. Für die Aufzucht verfüttern sie knapp 500 Vögel mittlerer Größe. Doch die strenge Arbeitsteilung der Paare ist risikoreich.
Wer im Garten Vögel füttert, der hat es sicher schon einmal erlebt: Plötzlich schießt ein Sperber pfeilschnell durch den Garten. Er hat eine Kohlmeise als Beute ausgewählt. Sie hat keine Chance, denn der Sperber bleibt auch im Dickicht einer Hecke hinter ihr. Er schlägt zu, fliegt mit seiner Beute auf einen Pfahl und rupft sie trotz des aufgeregten Gezeters anderer Vögel scheinbar ungerührt.
Die Taktik eines Sperbers: Er kommt stürmisch und gleitend - gern aus schräger Richtung und nicht von oben hereingeflogen. Das überrascht seine Beutevögel. Mit den mitunter sehr hohen Fluchtgeschwindigkeiten seiner Beute vermag der Sperber leicht mitzuhalten. Auch beim kurzen Verfolgen seiner Nahrung ist er im dichten Gehölz sehr wendig.
Der Tod der Beute erfolgt schnell
Er ist der Spezialist zum Fang von Kleinvögeln wie Spatzen, Finken oder Meisen. Der Tod seiner Beute erfolgt schnell, indem er seine Krallen tief in deren Leib schlägt. Hat er seine Beute gekrallt, dann kommt er schnell zur Sache. Er rupft sie sofort. Die großen Flügelfedern oft zuerst, dann der Kopf. Nach zehn bis höchstens zwanzig Minuten ist die Mahlzeit beendet. Wenig bleibt liegen, meistens einige Eingeweide, oft nur Beine und Schnabel und ein paar Federn.
In diesem Jahr nistete ein Sperberpaar erfolgreich mitten in der Stader Innenstadt. Kleinvögel gab es hier genug, Jagdausflüge in die Stader Umgebung waren die Regel.
Rituale und Gewohnheiten beim Füttern der Jungen lassen immer wieder die Frage nach dem Sinn aufkommen. Denn das im Vergleich zum Weibchen deutlich kleinere Männchen ist der unglaubliche fleißige Arbeiter beim Beutemachen. Es legt seine Beute entweder in Nestnähe oder am Nestrand ab. Es füttert die Jungen nicht. Dies erledigt nur das Weibchen.
Es bleibt bei den Nestlingen, zerteilt die Beute und füttert. Zu Beginn der Brut jagt es gar nicht und ist auf den Jagderfolg des Männchens unbedingt angewiesen. Das Risiko dieser Arbeitsteilung ist hoch: Denn verletzt sich einer der Partner, dann geht die Brut zugrunde. Dass Männchen und Weibchen so unterschiedlich groß sind, kann sinnvoll sein.
Auch Kaninchen stehen auf dem Speiseplan
Die kleinen Männchen jagen kleinere Vögel. Für die größeren Weibchen stehen gelegentlich Kaninchen zusätzlich im Frischfleisch-Angebot. Ein Sperberpaar benötigt, so die Berechnungen, zur Aufzucht von fünf Jungen etwa 500 Vögel mittlerer Größe. Diesen Überschuss hat die stadtnahe Landschaft von Stade zu bieten.
Die Serie
Was kreucht und fleucht denn da? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge.