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Foto kursiert: Werden ausgediente Rotorblätter einfach vergraben?

In Alfstedt im Kreis Rotenburg waren Flügel einer Windkraftanlage im Jahr 2023 gebrochen.

In Alfstedt im Kreis Rotenburg waren Flügel einer Windkraftanlage im Jahr 2023 gebrochen. Foto: Martin Elsen/Archiv

Windkraft ist in den Sozialen Medien ein Dauerbrenner und oft heiß diskutiert - bis hin zur Stimmungsmache wie in diesem Fall.

Von Redaktion Freitag, 15.05.2026, 10:25 Uhr

Angesichts der instabilen Lage im Iran zeigt sich die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Doch auch der Ausbau erneuerbarer Energien berge Risiken, merken Kritiker an. In einem Facebook-Beitrag heißt es unter anderem: Die Rotorblätter von Windkraftanlagen bestünden „aus hochfesten Verbundwerkstoffen, die für Jahrzehnte extremer Witterungsbedingungen ausgelegt sind - und sie sind nicht recykelbar. Sie werden niemals verschwinden.“ (Schreibweise im Original)

Dazu wird ein Bild geteilt, dass eine Deponie von Rotorblättern zeigt. Können ausgediente Rotorblätter also nur vergraben werden?

Großteil rückgebauter Windkraftanlagen recycelbar

Nein, es gibt viele Ansätze, die Materialien wiederzuverwenden. Das Recycling der Rotorblätter stellt die Branche dennoch vor Herausforderungen.

Für die meisten Komponenten von Windkraftanlagen, darunter Stahl, Zement, Kupfer oder Elektronikteile, gibt es etablierte Recyclingverfahren für eine umweltgerechte Entsorgung oder Wiederverwertung. Heute sind bereits etwa 90 Prozent recycelbar, wie beispielsweise beim Umweltbundesamt zu lesen ist.

Ausgediente Rotorblätter stellen eine Herausforderung dar: Die Wiederverwertung ihrer Bauteile ist schwierig, da sie teils aus Verbundkunststoffen wie Carbonfasern oder Glasfasern bestehen. Die verschiedenen Materialien lassen sich teils nur schwer trennen. Darüber wird breit berichtet (etwa hier, hier oder hier).

Aktuell beinhalten Lösungsansätze hierfür zum Beispiel ein Umfunktionieren der Bauteile etwa in Brücken oder Möbeln. Die Verbundstoffe können auch zerkleinert und in der Zementproduktion verwendet werden. Auch Pyrolyse, wobei die Stoffe durch starke Erhitzung getrennt werden, sei möglich - was allerdings sehr energieintensiv ist.

Branche arbeitet an Lösungen

Beim Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme (IWES) heißt es, das Recycling-Problem von Rotorblättern sei „aufwändig, aber lösbar“. Auch Energieunternehmen wie RWE oder EnBW schreiben auf ihren Websites über unterschiedliche Lösungsansätze für die derzeitigen Herausforderungen.

In den USA gibt es Deponien für Rotorblätter. In Deutschland ist eine solche Abfallentsorgung verboten.

Best Practice in Schottland

In Schottland konnte im Windpark Hagshaw Hill bereits jetzt eine 100-prozentige Recyclingrate erreicht werden. Sämtlich Rotorblätter der 26 Originalturbinen von 1995 konnten recycelt und zu Baumaterial, das Beton, Holz und Kunststoff ersetzt, verarbeitet werden. Es gibt zudem unzählige innovative Upcycling-Ansätze für ausgediente Rotorblätter. Ein deutsches Unternehmen stellt etwa Outdoor-Möbel daraus her, eine niederländische Firma Spielplatzgerüste oder urbane Sitzgelegenheiten. (dpa)

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H
Helmut Erb
15.05.202612:53 Uhr

Stimmungsmache gehört sich nicht.
Allerdings sehe ich starke Verdachtsmomente, daß dpa mit diesem Artikel ein bißchen Stimmung machen möchte für die Windenergie. So wird betont, daß 90 Prozent einer WEA recycelt werden können: Beton, Stahl, Kupfer. Es kommt aber auf die Rotorblätter an, und die sind derzeit nicht recycelbar, sondern können allenfalls thermisch verwertet werden, solange die laufende Forschung keine Ergebnisse liefert, die wirtschaftlich umsetzbar sind.
Dpa beschönigt ein ungelöstes Problem.

Hinweis: Im Artikel werden drei Links angetäuscht, die jedoch nicht aktiviert sind.

H
Heiko Kania
15.05.202609:29 Uhr

Hallo in die Redaktion! Die Fotounterzeile "In Alfstedt im Kreis Rotenburg waren Flügel einer Windkraftanlage im Jahr 2030 gebrochen. Foto: Martin Elsen/Archiv" kann so nicht stimmen. MfG Heiko Kania.

T
Tim Parge antwortete am
15.05.202609:34 Uhr

Vielen Dank, Herr Kania. In die Zukunft können wir natürlich nicht sehen, es musste 2023 heißen. Ist korrigiert. Liebe Grüße, TAGEBLATT online

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