Was passiert?

Foto kursiert: Werden ausgediente Rotorblätter einfach vergraben?

In Alfstedt im Kreis Rotenburg waren Flügel einer Windkraftanlage im Jahr 2023 gebrochen.

In Alfstedt im Kreis Rotenburg waren Flügel einer Windkraftanlage im Jahr 2023 gebrochen. Foto: Martin Elsen/Archiv

Windkraft ist in den Sozialen Medien ein Dauerbrenner und oft heiß diskutiert - bis hin zur Stimmungsmache wie in diesem Fall.

Von Redaktion 17.05.2026, 10:25 Uhr

Angesichts der instabilen Lage im Iran zeigt sich die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Doch auch der Ausbau erneuerbarer Energien berge Risiken, merken Kritiker an. In einem Facebook-Beitrag heißt es unter anderem: Die Rotorblätter von Windkraftanlagen bestünden „aus hochfesten Verbundwerkstoffen, die für Jahrzehnte extremer Witterungsbedingungen ausgelegt sind - und sie sind nicht recykelbar. Sie werden niemals verschwinden.“ (Schreibweise im Original)

Dazu wird ein Bild geteilt, dass eine Deponie von Rotorblättern zeigt. Können ausgediente Rotorblätter also nur vergraben werden?

Großteil rückgebauter Windkraftanlagen recycelbar

Nein, es gibt viele Ansätze, die Materialien wiederzuverwenden. Das Recycling der Rotorblätter stellt die Branche dennoch vor Herausforderungen.

Für die meisten Komponenten von Windkraftanlagen, darunter Stahl, Zement, Kupfer oder Elektronikteile, gibt es etablierte Recyclingverfahren für eine umweltgerechte Entsorgung oder Wiederverwertung. Heute sind bereits etwa 90 Prozent recycelbar, wie beispielsweise beim Umweltbundesamt zu lesen ist.

Ausgediente Rotorblätter stellen eine Herausforderung dar: Die Wiederverwertung ihrer Bauteile ist schwierig, da sie teils aus Verbundkunststoffen wie Carbonfasern oder Glasfasern bestehen. Die verschiedenen Materialien lassen sich teils nur schwer trennen. Darüber wird breit berichtet (etwa hier, hier oder hier).

Aktuell beinhalten Lösungsansätze hierfür zum Beispiel ein Umfunktionieren der Bauteile etwa in Brücken oder Möbeln. Die Verbundstoffe können auch zerkleinert und in der Zementproduktion verwendet werden. Auch Pyrolyse, wobei die Stoffe durch starke Erhitzung getrennt werden, sei möglich - was allerdings sehr energieintensiv ist.

Branche arbeitet an Lösungen

Beim Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme (IWES) heißt es, das Recycling-Problem von Rotorblättern sei „aufwändig, aber lösbar“. Auch Energieunternehmen wie RWE oder EnBW schreiben auf ihren Websites über unterschiedliche Lösungsansätze für die derzeitigen Herausforderungen.

In den USA gibt es Deponien für Rotorblätter. In Deutschland ist eine solche Abfallentsorgung verboten.

Best Practice in Schottland

In Schottland konnte im Windpark Hagshaw Hill bereits jetzt eine 100-prozentige Recyclingrate erreicht werden. Sämtlich Rotorblätter der 26 Originalturbinen von 1995 konnten recycelt und zu Baumaterial, das Beton, Holz und Kunststoff ersetzt, verarbeitet werden. Es gibt zudem unzählige innovative Upcycling-Ansätze für ausgediente Rotorblätter. Ein deutsches Unternehmen stellt etwa Outdoor-Möbel daraus her, eine niederländische Firma Spielplatzgerüste oder urbane Sitzgelegenheiten. (dpa)

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

M
Michael Paege
19.05.202609:29 Uhr

Soweit ich weiß, müssen in Deutschland die Windanlagen, also auch die Rotorblätter recycled werden.
Allerdings ist das "echte" Recycling der Rotorblätter, also die Wieder- bzw. Weiterverwednung von den Materialien noch nicht sehr weit gediehen (Gartenmöbel, ...), weshalb das meiste im Zusammenhang mit der Zementherstellung "thermisch recycelt" wird.

G
Günter Rademacker
16.05.202610:00 Uhr

Google Suche: Windpark Hagshaw Hill wiederverwertung rotorblätter
Ergebnis: Übersicht mit KI
"Im schottischen Windpark Hagshaw Hill (Schottlands erstem kommerziellen Windpark) wurden beim Repowering sämtliche Rotorblätter der 26 Originalturbinen vollständig recycelt. Der irische Hersteller "Plaswire" verarbeitete sie zu nachhaltigem Baumaterial, das Materialien wie Beton, Holz und Kunststoff"

H
Helmut Erb
15.05.202612:53 Uhr

Stimmungsmache gehört sich nicht.
Allerdings sehe ich starke Verdachtsmomente, daß dpa mit diesem Artikel ein bißchen Stimmung machen möchte für die Windenergie. So wird betont, daß 90 Prozent einer WEA recycelt werden können: Beton, Stahl, Kupfer. Es kommt aber auf die Rotorblätter an, und die sind derzeit nicht recycelbar, sondern können allenfalls thermisch verwertet werden, solange die laufende Forschung keine Ergebnisse liefert, die wirtschaftlich umsetzbar sind.
Dpa beschönigt ein ungelöstes Problem.

Hinweis: Im Artikel werden drei Links angetäuscht, die jedoch nicht aktiviert sind.

H
Heiko Kania antwortete am
16.05.202619:26 Uhr

...Sie äußern Ihre (bekannte) Meinung zu den Erneuerbaren fast taggenau 40 Jahre nach der Bundestagsdebatte zu Tschernobyl und am selben Tag hat Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer die zweite und letzte Stilllegungs- und Rückbaugenehmigung für das AKW Grohnde übergeben. Damit hat das "letzte" AKW in unserem schönen Land formal aufgehört, zu existieren. Insofern freue ich mich über den heutigen "Ach-"Kommentar von Ihnen in besonderer Weise.

H
Helmut Erb antwortete am
16.05.202613:48 Uhr

Ach, Herr Kania,
Sie hätten noch erwähnen können, daß Fettleibigkeit oder der Verzehr von Knollenblätterpilzen gesundheitsschädlich sind. Aber auch das hätte mit dem Thema wirklich gar nichts zu tun gehabt.

H
Heiko Kania antwortete am
15.05.202615:35 Uhr

Dank an Herrn Erb. Nun wissen wir, wie von dpa 40 Jahre nach Tschernobyl "unlösbare" Probleme verharmlost werden. Die Grünen-Abgeordnete Hannegret Hönes in einer Bundestagsdebatte am 14. Mai 1986: "Es ist verbrecherisch, Atomkraftwerke weiterlaufen zu lassen, alle Atomkraftwerke müssen abgeschaltet werden, hier und heute!"

H
Heiko Kania
15.05.202609:29 Uhr

Hallo in die Redaktion! Die Fotounterzeile "In Alfstedt im Kreis Rotenburg waren Flügel einer Windkraftanlage im Jahr 2030 gebrochen. Foto: Martin Elsen/Archiv" kann so nicht stimmen. MfG Heiko Kania.

T
Tim Parge antwortete am
15.05.202609:34 Uhr

Vielen Dank, Herr Kania. In die Zukunft können wir natürlich nicht sehen, es musste 2023 heißen. Ist korrigiert. Liebe Grüße, TAGEBLATT online

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Richtig sitzen In sechs Schritten zum ergonomischen Arbeitsplatz

Eine falsche Körperhaltung am Schreibtisch kann zu Verspannungen im Rücken-, Schulter- und Nackenbereich führen. Mit der richtigen Einstellung von Bürostuhl, Schreibtisch und Computer erreicht man eine gesunde Sitzposition, die eine ergonomische Körperhaltung fördert.

T

Von „Desaster im Quadrat“ bis hin zu „Berliner Chaos“ reichen die Reaktionen auf die gestrichenen Hilfsgelder für Betriebe, die mit Öl oder Pellets heizen. Was die Bundespolitik den Unternehmen verwehrt, wollen nun einige Länder bereitstellen.

Der TAGEBLATT-Ratgeber gibt Antworten auf die großen und kleinen Fragen des Alltags. Mit einem bezahlten Beitrag können Unternehmen innerhalb des Ratgebers als Experte zu einem bestimmten Thema auftreten – und profitieren davon aus mehreren Gründen.

Der eigene Schreibtisch ist für viele Angestellte ihr persönliches Reich. Dank Corona beschleunigt sich der Trend zu geteilten Schreibtischen. Doch das birgt Risiken für Betriebsklima und Produktivität.