AbonnierenAbo
Zähl Pixel
Ukraine-Krieg

Putin spricht mit Trump-Gesandtem Witkoff über Ukraine-Krieg

In St. Petersburg gab es etwa dreistündige Gespräche über eine mögliche Beendigung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.

In St. Petersburg gab es etwa dreistündige Gespräche über eine mögliche Beendigung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Foto: Gavriil Grigorov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Rund drei Stunden sprechen US-Unterhändler Witkoff und Kremlchef Putin über neue Vorschläge für eine Lösung im Ukraine-Krieg. Zur Freude von US-Präsident Trump kommt auch ein Amerikaner frei.

Von Ulf Mauder, dpa 21.10.2026, 15:05 Uhr
12 Monate Premium-Zugriff für nur 1,00 € pro Woche! Langfristig sparen!

St. Petersburg. Nach seinen Treffen mit Ukrainern und Europäern in Oslo hat US-Unterhändler Steve Witkoff neue Vorschläge für eine Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine an Kremlchef Wladimir Putin überreicht. Putin sprach mit Witkoff etwa drei Stunden lang im Konstantinpalast in St. Petersburg, wie der Kreml mitteilte. Über Reaktionen oder Ergebnisse wurde zunächst nichts bekannt. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte aber, dass Russland die Vorschläge prüfe. Am Zuge sei aber vor allem die Ukraine, meinte er.

Zum Auftakt gab Putin die Freilassung eines US-Amerikaners bekannt, der 2024 zu langer Haft verurteilt worden war, weil er als Söldner an der Seite der ukrainischen Streitkräfte gegen russische Truppen gekämpft haben soll. Stephen Hubbard sei bereits auf dem Flughafen Pulkowo in St. Petersburg, sagte der Präsident. Witkoff dankte Putin für die Freilassung des über 70-Jährigen, Hubbards Familie und die Amerikaner seien froh darüber. 

Trump lobt Freilassung von US-Amerikaner

US-Präsident Donald Trump lobte die Freilassung durch Putin. „Für diese Freilassung war kein „Austausch“ erforderlich“, teilte er in seinem sozialen Netzwerk Truth Social mit. Die USA hätten keine Gegenleistung erbringen müssen. Trump sprach von „einer für Russland beispiellosen Situation“. Putin hatte unlängst bereits einen anderen US-Amerikaner freigelassen, ohne - wie sonst üblich - im Gegenzug die Freilassung eines Russen zu verlangen.

Hubbard sei aus humanitären Erwägungen freigelassen worden, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Normalerweise seien die Geheimdienste zuständig, wenn es um Gefangenenaustausche gehe.

Hoffnung auf neue Ukraine-Verhandlungen

Putin selbst dankte Trump erneut, dass er sich um eine Beendigung des Ukraine-Krieges bemühe. Er machte deutlich, dass er sich ein Treffen mit Trump und Pekings Partei- und Staatschef Xi Jinping im November am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im chinesischen Shenzhen im November wünscht.

Witkoff äußerte bei dem Treffen mit Putin seine Hoffnung auf die Wiederaufnahme von Dreiergesprächen zwischen Russen und Ukrainern unter US-Vermittlung. Es gebe derzeit ein Momentum für die Beendigung des Krieges, sagte Witkoff. Er hoffe auf konkrete Schritte für einen Friedensprozess.

Der US-Unterhändler Steve Witkoff (l) in St. Petersburg Kremlchef Wladimir Putin neue Vorschläge für eine Friedenslösung im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine unterbreitet.

Der US-Unterhändler Steve Witkoff (l) in St. Petersburg Kremlchef Wladimir Putin neue Vorschläge für eine Friedenslösung im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine unterbreitet. Foto: Gavriil Grigorov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Witkoff sagte, dass im Verlauf des Gesprächs auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner per Telefon zugeschaltet werde. Er war bei den Gesprächen in der Vergangenheit auch persönlich anwesend. Russische Medien meldeten, dass Kushner aus Gesundheitsgründen nicht geflogen sei.

Russland fordert Einlenken der Ukraine

Peskow sagte im Interview des russischen Staatsfernsehens erneut, dass es Sache der ukrainischen Seite sei, die notwendigen Schritte für einen Frieden zu ergreifen. Peskow verwies auch auf Trumps jüngste Äußerungen, der Zweifel an einem Friedenswillen Selenskyjs geäußert hatte. Für die Ukraine werde sich die Lage nur weiter verschlechtern, wenn sie nicht einlenke, warnte Peskow.

Russland fordert seit langem als Bedingung für einen Waffenstillstand, dass sich die Ukraine komplett aus dem Gebiet Donezk zurückzieht. Kiew kontrolliert dort aber noch strategisch wichtige Städte. Selenskyj hatte deshalb ein solches Geschenk an Putin, das für Kiew einer Kapitulation gleichkäme, stets kategorisch abgelehnt.

Putin an wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit USA interessiert

Mit am Verhandlungstisch saßen auch Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow und sein Beauftragter für internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kirill Dmitrijew. Der Kremlchef sagte, dass Russland an einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den USA interessiert sei. Nach den bereits vereinbarten Diesellieferungen könne Russland auch Dünger in großen Mengen für den amerikanischen Markt bereitstellen, sagte Putin. 

Der erste Tanker mit 40.000 Tonnen Diesel soll an diesem Donnerstag seine Reise starten. Weitere Tanker sollen in den nächsten Tagen starten.

Ukraine vor neuem Kriegswinter unter Druck

Der US-Unterhändler hatte am Dienstag auch mit europäischen Spitzenpolitikern in Norwegen gesprochen. Der norwegische Regierungschef Jonas Gahr Støre hat dem Fernsehsender NRK gesagt, dass Witkoff nach seinen Treffen in Russland nach Oslo zurückkehrt. „Es wird wohl ein Treffen am Flughafen. Die Erwartung ist, dass es eine Art Rückmeldung wird“, sagte Støre. „Ich glaube, dass wir uns vielleicht in einer Phase befinden, in der sich auch die Russen nach Möglichkeiten für Diplomatie umsehen.“

Der ukrainische Präsident Selenskyj sagte, dass er mit dem norwegischen Regierungschef am Morgen in Oslo weitere Gespräche über Schritte zu einem Frieden geführt habe. Nun hänge viel davon ab, ob die US-Seite von Putin etwas Neues höre in Richtung Frieden und nicht zur Fortsetzung des Krieges.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg. Die Lage hat sich für das Land in der kalten Jahreszeit angesichts massiver russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur massiv verschärft, weil Kiew auch nicht ausreichend Mittel für die Flugabwehr hat. Russland hofft darauf, mit einem weiteren Kriegswinter den Widerstand der Ukrainer zu brechen. Selenskyj hatte zuletzt eine Waffenruhe für gegenseitige Angriffe auf Energieanlagen befürwortet. Putin lehnte das bisher ab.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel