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Unglück bei Ostereiersuche

Baby und Frauen sterben bei Ostereiersuche – Baum sollte gefällt werden

Drei Menschen kamen bei dem Unglück am Ostersonntag ums Leben.

Drei Menschen kamen bei dem Unglück am Ostersonntag ums Leben. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Mehrere Menschen sterben am Ostersonntag, als ein Baum nahe Flensburg bei starken Böen auf eine Gruppe fällt. Nun stellt sich heraus: Der Baum war bereits für eine Fällung vorgesehen.

Von dpa Dienstag, 07.04.2026, 13:18 Uhr

Mittelangeln. Der am Ostersonntag im nördlichen Schleswig-Holstein umgestürzte Baum sollte im Rahmen einer regulären Durchforstung gefällt werden. Dies bestätigte der Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, Chris Freise, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Der rund 30 Meter hohe Baum war am Sonntag umgestürzt und hatte vier Menschen unter sich eingeklemmt. Drei von ihnen starben, darunter eine Mutter und ihr Baby.

Im Waldgebiet Norderholz in der Nähe der Gemeinde Mittelangeln südöstlich von Flensburg seien Bäume auf bis zu 50 Hektar Fläche für eine reguläre Durchforstung gekennzeichnet worden. „Diese vorbereitenden Markierungsarbeiten von zu fällenden Bäumen, besonders zu fördernden Bäumen und zulässigen Maschinenbewegungen erfolgen am besten im Winter ohne Laub, wegen der besseren Übersicht“, erklärte Freise.

Auch der Unglücksbaum trug demnach eine dieser Entnahmemarkierungen. Der konkrete Zeitpunkt der Durchforstung, bei welcher der Baum gefällt werden sollte, könne sich dabei verschieben. Neben naturschutzfachlichen Auflagen hänge es von der Witterung, der Verfügbarkeit von Arbeitskräften und anderen Faktoren ab.

Unglücksbaum durch massive Kräfte zu Fall gebracht

„Bei ausreichenden Windgeschwindigkeiten kann jeder Baum umfallen“, betonte Freise. Nach aktuellen Erkenntnissen der Landesforsten hatten zum Unglückszeitpunkt im Norden Schleswig-Holsteins starke Windböen mit Spitzen von bis zu 90 Kilometern pro Stunde geweht. „Der Unglücksbaum selbst wurde anscheinend durch massive äußere Kräfte zu Fall gebracht“, erklärte der Direktor. Darauf wiesen demnach Brüche und Risse am sogenannten Wurzelteller hin.

Reste einer Polizeiabsperrung sind in dem betroffenen Waldstück zu sehen.

Reste einer Polizeiabsperrung sind in dem betroffenen Waldstück zu sehen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Am Stammfuß des Baumes sei zudem Holzfäule sichtbar gewesen. Ob diese das Umstürzen zusätzlich begünstigte, lasse sich derzeit nur vermuten, sei aber für die Bewertung der Situation nicht entscheidend. „Die Fällung des Baumes im Waldbestand sollte rein aus waldbaulichen Gründen und nicht zur Herstellung der Sicherheit erfolgen“, sagte Freise. Selbst bei einem spontanen Umsturz ohne äußere Einflüsse hätte der Baum eine typische Waldgefahr dargestellt. Waldbesucherinnen und -besucher könnten sich vor solchen Risiken letztlich nur durch Aufmerksamkeit und angepasstes Verhalten schützen.

Zehn Monate altes Baby stirbt

Bei dem Unglück am Ostersonntag waren nach Polizeiangaben vier Menschen unter dem umgestürzten Baum eingeklemmt worden. Ein Großaufgebot an Rettungskräften war im Einsatz. Eine 16-Jährige und eine 21 Jahre alte Frau starben noch am Unglücksort. Die zehn Monate alte Tochter der 21-Jährigen wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen per Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus nach Kiel gebracht, wo sie später ihren Verletzungen erlag.

Eine 18-Jährige wurde schwer verletzt. Sie wurde in ein Krankenhaus nach Heide geflogen, wo sie nach Polizeiangaben operiert wurde. Sie sei außer Lebensgefahr, werde aber weiterhin behandelt, sagte ein Sprecher. Weitere Personen erlitten leichte Verletzungen. Zur genauen Zahl der Betroffenen konnte ein Polizeisprecher am Sonntag keine Angaben machen.

Die Polizei habe zudem ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. „Zur Ursache können wir noch keine verlässlichen Angaben machen“, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Oberstaatsanwalt Bernd Winterfeldt von der Staatsanwaltschaft Flensburg erklärte, dass offen sei, ob es überhaupt Verantwortliche für das Unglück gibt.

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