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„Fair Lady“

Vor dem Verkauf: Traditionsschiff ein letztes Mal im Einsatz

Die „Fair Lady“ auf nostalgischer Fahrt: Das traditionsreiche Seebäderschiff kehrt für einen besonderen Einsatz zwischen Cuxhaven und Helgoland zurück.

Die „Fair Lady“ auf nostalgischer Fahrt: Das traditionsreiche Seebäderschiff kehrt für einen besonderen Einsatz zwischen Cuxhaven und Helgoland zurück. Foto: Polgasek

Es war ein schleichendes Ende für die Seebäderschifffahrt an der Nordsee nach Helgoland. Jetzt gibt es ein Kurz-Comeback - für wenige Tage.

Von Redaktion Freitag, 24.04.2026, 11:00 Uhr

Cuxhaven. Nach Angaben der Reederei Cassen Eils steht das traditionsreiche Seebäderschiff MS „Fair Lady“ vor einem besonderen, möglicherweise letzten Einsatz auf der Nordsee: Vom 28. April bis einschließlich 1. Mai übernimmt das Schiff planmäßig den Linienverkehr zwischen Cuxhaven und Helgoland.

Wie die Reederei mitteilt, erfolgt der Einsatz im Rahmen einer Charterfahrt der aktuell auf dieser Route eingesetzten MS „Helgoland“. Für viele Fahrgäste dürfte die Rückkehr der „Fair Lady“ einen nostalgischen Höhepunkt darstellen, da das Schiff über Jahrzehnte eng mit dem Helgolandverkehr verbunden ist.

Nach Informationen der Reederei ermöglicht der temporäre Einsatz den Gästen eine Überfahrt zur Hochseeinsel Helgoland in klassischer Seebädertradition. Gleichzeitig betont die Reederei, dass dieser Einsatz auch einen emotionalen Charakter habe: Nach einer langen und bewegten Geschichte könnte es sich um den vorerst letzten regulären Linienbetrieb der „Fair Lady“ auf dieser Strecke handeln.

Ein Schiff mit Geschichte

Die Reederei verweist darauf, dass die 1970 auf der Mützelfeldtwerft in Cuxhaven gebaute „Fair Lady“ seit Jahrzehnten das Bild des Helgolandverkehrs prägt. Das speziell für diese Route konzipierte Schiff bietet Platz für bis zu 799 Fahrgäste und zeichnet sich durch großzügige Innenbereiche sowie weitläufige Außendecks aus.

Im Laufe ihrer mehr als 50-jährigen Einsatzzeit war die „Fair Lady“ laut Reedereiangaben auf verschiedenen nationalen und internationalen Routen unterwegs, kehrte jedoch immer wieder in den Helgolandverkehr zurück.

Seebäderverkehr: Ein schleichendes Ende

Seit 1837 fahren, mit Unterbrechungen, Seebäderschiffe von der Unterweser nach Helgoland. In Spitzenzeiten nutzten die Verbindung mehr als 100.000 Passagiere im Jahr. Wie das Tochterunternehmen der AG Ems mitteilte, führte die Verbindung trotz mehrjähriger Bemühungen, umfangreicher Investitionen und Produktanpassungen nicht zum wirtschaftlichen Erfolg.

Seit 2011 hatte die Reederei Cassen Eils bis zur Corona-Pandemie den Seebäderverkehr zwischen Bremerhaven und Helgoland mit der „Fair Lady“ wiederbelebt. Bis 2019 wurde die Verbindung jeweils von Mai bis September angeboten. Trotz kontinuierlichen Betriebs blieben die Fahrgastzahlen hinter den Erwartungen zurück, wobei in den ersten Betriebsjahren noch bis zu 66.000 Gäste gezählt wurden.

In den Folgejahren musste der Ausflugsverkehr ab Bremerhaven durch die Corona-Pandemie ausgesetzt werden. Die mangelnde Planungssicherheit führte in den Jahren 2022 und 2023 zum Einsatz der „Fair Lady“ auf der Route von Büsum nach Helgoland. Ab 2024 startete die Reederei Cassen Eils einen neuen Versuch und setzte für zunächst zwei Tage die Woche den Katamaran „Nordlicht“ von der Seebäderkaje ein.

Ersatzteile für die „Fair Lady“ gibt es nur als Einzelanfertigung

Für die Saison 2025 plante die Reederei Cassen Eils einen erneuten Einsatz des Seebäderschiffs „Fair Lady“ ab Bremerhaven. Im Mai wurde die Verbindung wieder aufgenommen. Doch schon im selben Monat musste der Betrieb des mittlerweile über 50 Jahre alten Schiffs aufgrund eines technischen Defekts - die Rede war von einem Getriebeschaden - eingestellt werden. Erst im Verlauf der Reparaturarbeiten im vergangenen Jahr wurde das volle Ausmaß des Schadens deutlich, wie die Reederei jetzt mitteilte. Eine besondere Herausforderung ist dabei, dass Ersatzteile nicht mehr bestellt werden können, sondern als Einzelanfertigung hergestellt werden müssen.

Branchenkenner berichten zudem, dass der Bustourismus, der über viele Jahre auch das Rückgrat für die Grundauslastung der Seebäderschiffe ab Bremerhaven war, seit der Corona-Pandemie noch immer nicht die Buchungszahlen bringt wie vor der Pandemie.

Der längerfristige Ausfall der rund 800 Passagiere fassenden „Fair Lady“ führte zur Neubewertung der Situation bei der Reederei Cassen Eils und führte letztlich zur Entscheidung, die Verbindung nicht mehr fortzuführen. Über einen Hamburger Makler wird das Schiff zum Kauf angeboten. Wie Birte Sievers, Geschäftsführerin der Reederei Cassen Eils, erklärte, gibt es schon einige Interessenten für das Schiff, die einen Weiterbetrieb, aber eben nicht mehr im Helgolandverkehr, anstreben. (ce)

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