Warum künftig Drohnen über der Nordsee fliegen
Die Drohnen im Projekt X-Wakes sollen meteorologische Messdaten für die Offshore-Windenergie erfassen (Symbolfoto).
Auf Helgoland werden Drohnen und autonome Wasserfahrzeuge erprobt. Forscher möchten dabei auch auf einer Teststrecke zwischen Helgoland und Cuxhaven neue Flugroboter testen. Was dahintersteckt.
Von Ursel Kikker
Eine große Drohne hebt ab. Ihr Auftrag: meteorologische Messdaten sammeln. Die Bundesregierung will regenerative Energien weiter ausbauen. Doch werden Windparks großflächig in Gruppen errichtet, beeinflussen sie die Windströmungen über dem Meer. Wie die Auswirkungen einzuschätzen sind, wollen Forscher herausfinden. Deshalb haben sie den unbemannten Flug über der Nordsee vor ein paar Monaten in Auftrag gegeben. Das Projekt X-Wakes wird vom Fraunhofer IWES koordiniert, das in Bremerhaven ansässig ist.
Testzentrum für maritime Technologien auf Helgoland
Helgoland hat sich zur Offshore-Basis entwickelt. Das hat auch Forscher auf die Insel gezogen, die sich mit autonomen Systemen und mobiler Robotik beschäftigen. Sie und ihre Industriepartner testen Spezialgeräte für den Einsatz unter Wasser, auf dem Wasser und darüber, und zwar unter den harschen Bedingungen der Nordsee, erläutert Dr. Hanno Schnars. Er arbeitet beim in Bremen ansässigen Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) und leitet das Testzentrum für maritime Technologien auf Helgoland.
Drohnen detektieren Schäden an Windenergieanlagen, Unterwasser-Fahrzeuge untersuchen deren Gründungstrukturen und sind in Zukunft vielleicht in Wartung und Reparatur eingebunden: Offshore-Windparks sind nicht die einzigen Anwendungsfelder für diese fernüberwachten Spezialisten. „Wir haben auch schon eine Drohne getestet, die Menschen in Seenot im Wasser entdecken sollte“, nennt Schars ein anderes Beispiel.
Das IFAM und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) haben im Sommer 2019 das Testzentrum gegründet. Neben den Forschungsarealen auf dem Festland und im Hafen steht ein drei Quadratkilometer großes und 45 Meter tiefes Testfeld für Über- und Unterwasseranwendungen wenige Seemeilen vor der Insel zur Verfügung. Die etwa 60 Kilometer lange Testrecke zwischen Helgoland und Cuxhaven wäre im vergangenen Jahr fast schon für einen Drohnenflug genutzt worden, wenn die Firma nicht zurückgezogen hätte. „Die Genehmigungen lagen vor“, sagt Schnars. Wenn wieder eine Anfrage reinkommt, ließen sie sich schnell reaktivieren.
Anfragen von Drohnen-Entwicklern in Bremerhaven
Bei der Bremerhavener Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS waren Anfragen aufgelaufen, ob man nicht den ehemaligen Flughafen für Drohnen-Tests nutzen dürfe, wenigstens übergangsweise. „Wir verfolgen die Idee nicht weiter“, sagt BIS-Geschäftsführer Nils Schnorrenberger. Man wolle keine Einschränkungen für mögliche Gewerbeansiedlungen.