TWeihnachtliches aus dem heiligen Raum
In der St.-Martini-et-Nicolai-Kirche in Steinkirchen gibt es einen Raum, den zumindest nach alten Gepflogenheiten nur wenige betreten dürfen: die Sakristei. Was verbirgt sich in diesem Raum und warum ist er besonders?
Die Sakristei ist der Raum hinter dem Altar, der Name bedeutet so viel wie „heiliger Raum“, abgeleitet vom Wort sakral. Es ist ein Begriff, der aus den orthodoxen Kirchen übernommen wurde. „Das haben viele Kirchen“, sagt Pastor Olaf Prigge. Auch in Steinkirchen befindet sich die Sakristei hinter dem Altar, und so fällt der Raum – weiß mit braunen Elementen, dazu verhängte Fenster – vielen Gottesdienstgängern ins Auge. „Ich werde also oft gefragt, was sich hinter der Tür verbirgt“, so Prigge.
In der Sakristei wurden früher Gottesdienste vorbereitet, beziehungsweise das Material für die Andachten aufbewahrt. So verwundert es nicht, dass hier Dinge wie der Klingelbeutel oder Kirchentagshocker, aber auch die Erntekrone, auf ihren Einsatz warten. Selbst ein Heizkörper und Teppich-Läufer werden hier aufbewahrt.
Hier liegt das Jesuskind
Eigentlich also nichts Spektakuläres, doch es weihnachtet auch sehr in dem kleinen Raum, der keine 15 Quadratmeter groß ist: Das Jesuskind liegt in seiner Krippe, über ihm funkelt eine Sternschnuppe, während ein Engelchen über das Baby wacht. Hier lagert nämlich das Material für das weihnachtliche Krippenspiel, so wie auch die Weihnachtsdeko und -figuren für die Kirche.
Von Außen sind der Sakristei, wie auch dem gesamten Interieur der Kirche, die 350 Jahre nicht wirklich anzusehen, die das Innere der Kirche auf dem Buckel hat. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche umgebaut, Olaf Prigge schätzt um das Jahr 1771 – die Spätphase der Barock-Kunstgeschichte. Einzig die Orgel ist noch älter. Natürlich wurde mal ersetzt oder saniert, „aber bis auf kleine Feinheiten ist es bis heute eine typische Barock-Kirche“, erzählt Prigge.
Pastor Olaf Prigge holt einen großen, hölzernen Engel aus der Sakristei der Kirche in Steinkirchen. Foto: Battmer
An der Sakristei befindet sich übrigens auch der Aufgang zur Kanzel und zu weiteren Sitzplätzen. An Feiertagen und zu besonderen Anlässen geht Pastor Prigge hinauf für seine Predigt. Das würde er auch morgen an Heiligabend tun – Konjunktiv, denn aufgrund der Pandemie finden alle Gottesdienste der Samtgemeinde Lühe draußen vor den Kirchen statt. „Wir wollen möglichst allen gerecht werden“, sagt Prigge mit Blick auf Corona, Impfdebatte und verschiedene G-Regeln. Der Pastor freut sich auf die Gottesdienste unter freiem Himmel mit Gesang. „Das hat etwas ungemein Schönes“, so Prigge.
Adventsserie
Das TAGEBLATT blickt in der Adventszeit hinter verschlossene Türen. Bis einschließlich Heiligabend stellt die Redaktion im Dezember 24 Orte und ihre Geschichte vor.