Wenn Schloss Agathenburg plötzlich Augen hat
Franziska Nast verwandelt Fenster mithilfe überdimensionaler Wimpern in Gesichter des Schlosses. Foto: Franziska Nast
Es zieht wieder neue Kunst auf Schloss Agathenburg ein. Doch dieses Mal bleiben die Wände leer und es stellt sich die Frage, wer hier eigentlich wen anblickt.
Agathenburg. Mit der aktuellen Ausstellung „Die Augen des Schlosses“ richtet Schloss Agathenburg den Blick auf ein architektonisches Detail, das gewöhnlich kaum Beachtung findet: das Fenster. Vier zeitgenössische Künstlerinnen haben eigens für das barocke Gebäude neue Arbeiten entwickelt, die Fenster nicht länger als funktionale Bauelemente verstehen, sondern als Orte der Wahrnehmung, der Erinnerung und der Imagination. Das Schloss selbst wird zum Gegenüber - seine Fenster zu Augen.
Die Schlossarchitektur wird zum Arbeitsmaterial
Die von Claudia Rasztar kuratierte Ausstellung versammelt ortsspezifische Arbeiten von Katrin Bethge, Franziska Nast, Leni Pohl und Verena Schöttmer. Sie eint das Interesse an den Übergängen zwischen Innen und Außen, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Realität und Projektion. Anstelle einer klassischen Ausstellung, die ihre Werke an Wänden präsentiert, begreifen die Künstlerinnen die Architektur selbst als Material ihrer Arbeit.
Fenster werden zu Projektionsflächen, Membranen, Bühnen und Bildträgern - und eröffnen neue Perspektiven auf das historische Gebäude ebenso wie auf die Gegenwart. „Mich interessiert, wie sich unsere Wahrnehmung verändert, wenn wir Architektur nicht nur als Hülle verstehen, sondern als aktiven Teil einer Ausstellung. Die Fenster des Schlosses werden zu Augen - sie eröffnen Blicke, verbergen, spiegeln und erzählen von den Beziehungen zwischen Innen und Außen, Vergangenheit und Gegenwart“, sagt Kuratorin Claudia Rasztar. Jede der vier Positionen entwickelt aus dieser gemeinsamen Idee eine eigene künstlerische Sprache.
„Augen“ mit überdimensionalen Wimpern
Katrin Bethge verbindet Licht, Projektion und Film zu einer poetischen Reflexion über den Blick selbst. Historische Porträts des Schlosses treten mit zeitgenössischen Projektionen in Beziehung und eröffnen einen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Franziska Nast verwandelt Fenster mithilfe überdimensionaler Wimpern in Gesichter des Schlosses und verbindet Fragen nach Schönheit, Körperbildern und Gender mit einer so spielerischen wie präzisen Bildsprache.
Leni Pohl arbeitet mit transparenten Papieren, Zeichnung und raumgreifenden Installationen, um Durchlässigkeit, Sichtbarkeit und Leerstelle erfahrbar werden zu lassen. Verena Schöttmer entwickelt textile Fensterläden, in denen Märchenmotive auf zeitgenössische Materialästhetik treffen und das Fenster als Schwelle zwischen Schutz und Gefahr, Realität und Imagination erscheint.
Alle Werke sind untrennbar mit dem Ort verbunden
Ob Lichtinstallation, textile Arbeit, Sound, Zeichnung oder Projektion - alle Werke entstehen eigens für Schloss Agathenburg und sind untrennbar mit seinem Ort verbunden. Die Ausstellung versteht historische Architektur nicht als Kulisse, sondern als Resonanzraum künstlerischer Forschung. Der Blick richtet sich dabei ebenso auf das Gebäude wie auf gesellschaftliche Fragen nach Beobachtung, Identität, Erinnerung und Inszenierung.
Damit setzt die Kulturstiftung Schloss Agathenburg ihre kontinuierliche Auseinandersetzung mit ortsbezogener zeitgenössischer Kunst fort. Die Schau knüpft an die Besonderheit des Hauses an, historische Räume für gegenwärtige künstlerische Fragestellungen zu öffnen und den Dialog zwischen Architektur, Geschichte und kreativer Produktion zu fördern. Sie macht das Schloss selbst zum Teil des künstlerischen Denkens.
Die Ausstellung läuft bis zum 15. November und wird am Sonnabend, 26. September, um 18.30 Uhr zusammen mit den beteiligten Künstlerinnen eröffnet. Nach der Begrüßung führt die Kunsthistorikerin Dr. Anne Simone Kiesiel in das Konzept ein. (st)
Das Rahmenprogramm in der Übersicht
- Sonnabend, 26. September, 18.30 bis 20 Uhr Begrüßung und Eröffnung mit Dr. Anne Simone Kiesiel, Kunsthistorikerin
- Freitag, 2. Oktober, 14 bis 20 Uhr Freitag ist Frei-Tag: Eintritt frei und verlängerte Öffnungszeit für Schloss und Ausstellung
- Donnerstag, 8. Oktober, 18 Uhr Tandem-Führung mit Claudia Rasztar und Verena Schöttmer
- Donnerstag, 22. Oktober, 19.30 Uhr Wimpernschlag & Augenblick: Solo-Gitarre in der Ausstellung
- Donnerstag, 29. Oktober, 18 Uhr Art & Aperitif mit Claudia Rasztar
- Freitag, 13. November, 14 bis 20 Uhr Freitag ist Frei-Tag: Eintritt frei und verlängerte Öffnungszeit für Schloss und Ausstellung
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