Zwölf Millionen Euro vom Land – Landkreis Stade profitiert doppelt
Die Landkreise Stade, Cuxhaven, Rotenburg und Osterholz sind als Zukunftsregion mit dem Titel „Moorregion Elbe-Weser“ für die EU-Förderung anerkannt worden. Foto: Arnd Hartmann
Der Kreis Stade ist gleich in zwei Zukunftsregionen vertreten: der Moorregion und der Zukunftsregion Süderelbe. Was mit dem Geldsegen geplant ist.
Von Heike Leuschner und Tim Parge
Das im Sommer 2021 gestartete Programm „Zukunftsregionen in Niedersachsen“ unterstützt Landkreise und kreisfreie Städte, wenn sie bei der Bewältigung von Aufgaben kreisübergreifend zusammenarbeiten. Die Bereitschaft sei groß, über die eigenen kommunalen Grenzen hinauszuschauen, erklärte Staatssekretär Matthias Wunderling-Weilbier bei seinem Besuch im Cuxhavener Kreishaus. Der Staatssekretär sprach von 14 Zukunftsregionen, die das Land mit ihren Konzepten überzeugen konnten.
Eine dieser Zukunftsregionen bilden die Landkreise Stade, Cuxhaven, Osterholz und Rotenburg unter der Überschrift „Moorregion Elbe-Weser“. Sie wollen in den Handlungsfeldern „Biologische Vielfalt und funktionierende Naturfelder“ sowie „Kultur und Freizeit“ zusammenarbeiten. Bei allen Maßnahmen steht die Weiterentwicklung des Moores im Fokus, erklärt Kerstin Norda, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Cuxhaven.
Landwirte sehen Moorregion skeptisch
Bevor einzelne Projektideen mit den EFRE/ESF+ Mitteln umgesetzt werden, soll zunächst ein regionales, dezentrales Kompetenzzentrum für Moorpflege und Moormanagement aufgebaut und eine Zukunftskampagne entwickelt werden. Außerdem wollen die vier Landkreise ein Entwicklungsprogramm für nachhaltigen Natur- und Aktivtourismus anschieben.
Keinesfalls solle sich die Moorsituation nachteilig für die Landwirtschaft auswirken, betonte Cuxhavens Landrat Kai-Uwe Bielefeld mit Blick auf die kontroversen Debatten, die es - ausgelöst von Plänen der Bundesregierung - zum Thema Vernässung der Moore in den zurückliegenden Wochen unter Landwirten gegeben hatte. „Man muss die wirtschaftenden Betriebe bei dem Thema mitnehmen und nicht überfahren“, sagte Bielefeld.
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Was die Landkreise mit ihrer Millionen-Förderung planen
Was aus der jetzt vom Land mit sechs Millionen Euro geförderten „Moorregion Elbe-Weser“ entstehen soll, hält der Landkreis-Chef unter dem Gesichtspunkt der Wiedervernässung für eher unverfänglich.
„Ziel ist es, möglichst in Projekte zu investieren, die grenzüberschreitend sind und Nutzen für alle vier Landkreise haben“, hob Wirtschaftsförderer Marco Witthohn hervor. Damit sich keiner übervorteilt fühlt, gibt es eine Steuerungsgruppe, die nicht nur aus Kommunen und Kommunalpolitikern zusammengesetzt ist, sondern auch aus Wirtschafts- und Sozialpartnern, aus Partnern der Zivilgesellschaft, Akteuren, die für Naturschutz stehen, aber auch Vertretern aus der Landwirtschaft. „So können wir schon im Vorfeld konkret über Problemlösungen reden“, sagte Witthohn, „und darauf basierend Anträge entwickeln.“
Zukunftsregion Süderelbe: Landkreis Stade schafft Innnovationsräume
Das Land Niedersachsen hat zudem die Zukunftsregion Süderelbe anerkannt. Dort ist ebenfalls der Landkreis Stade vertreten, der gemeinsam mit den Kreisen Harburg, Lüneburg, der Hansestadt Lüneburg und der Süderelbe AG Fördermittel beim Land beantragt hatte. Matthias Reichert von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Stade, nahm mit Vertretern der anderen Landkreise den Annerkennungsbescheid aus den Händen von Niedersachsens Ministerin Birgit Honé entgegen.
Matthias Reichert (Wirtschaftsförderung Stade), Harburgs Landrat Rainer Rempe, Landrat Jens Böther (Lüneburg) und Dr. Olaf Krüger (Süderelbe AG). Foto: LK Harburg
Nachdem die Anerkennung vorliegt, können nun bis zum Jahr 2029 Fördermittel vom Land Niedersachsen beantragt werden. Dafür erhält die Region ebenfalls ein Budget von rund sechs Millionen Euro, mit dem sie Projekte umsetzen kann.
Die Ministerin hob vor allem den innovativen Charakter der Süderelbe-Strategie hervor: „Bereits mit dem Titel ‚Die Region als Open Creative & Innovative Space‘ erahnt man das alleinige gewählte Handlungsfeld ‚Regionale Innovationsfähigkeit‘, auf das Ihre geplanten Aktivitäten fokussiert werden. So wirken die zu erwartenden Effekte konzentriert auf die Verbesserung der Innovationskraft in Ihrer Region. Ich bin gespannt auf die Umsetzung und wünsche Ihnen insgesamt viel Erfolg in Ihrer Zusammenarbeit als Zukunftsregion ‚Süderelbe‘.“
5G-Technik und 3D-Druck im Fokus
Ziel der Zukunftsregion Süderelbe sei der Aufbau und die Entwicklung von Kreativ- und Innovationslaboren (u.a. Co-Working-Spaces oder Start-up-Einrichtungen), hieß es vom Landkreis. Dazu setzen die Landkreise, die Hansestadt und die Süderelbe AG an den bisherigen lokalen Innovations-Schwerpunkten an und wollen drei Leitprojekte umsetzen. Süderelbe.connect umfasst die Entwicklung des TIP-Technologie- und Innovationspark in Buchholz in der Nordheide mit dem Schwerpunkt Anwendungsmöglichkeiten für die 5G-Technologie. Süderelbe.digital beinhaltet die Entwicklung und Aufbau des Digital Lab Lüneburg mit dem Schwerpunkt 3D-Druck.
Süderelbe.efficent strebt die Neu-und Weiterentwicklung der Technologie- und Forschungszentren und von agilen Transferansätzen mit dem Schwerpunkt nachhaltiges Wirtschaften, insbesondere in den Bereichen Neue Materialien, Produktion und Kreislaufwirtschaft im Landkreis Stade an.