Freitag, 02.04.2021, 07:00 Uhr
Update

Flüchtlingsheim in Buxtehude steht in Flammen

BUXTEHUDE. Großfeuer an der Gildestraße: In Buxtehude ist am Freitagmorgen das Flüchtlingsheim nördlich der Bahnstrecke teilweise in Flammen aufgegangen. Die Bewohner hatten sich noch rechtzeitig ins Freie retten können. Es entstand hoher Sachschaden. Die Brandursache ist offen.

(Letztes Update am 2. April um 18 Uhr: Details zum Einsatz ergänzt.)

Um kurz nach 4.50 Uhr mussten 120 Feuerwehrleute der Ortsfeuerwehren Buxtehude (Zug I und Zug II) sowie Dammhausen, Hedendorf und Neukloster (Zug IV) ausrücken. Bei ihrem Eintreffen schlugen die Flammen meterhoch aus den Containermodulen westlich des Ellerbruchtunnels, sagte der Stadtbrandmeister Horst Meyer dem TAGEBLATT. Fast alle Bewohner hatten das Feuer glücklicherweise frühzeitig bemerkt und sich gegenseitig gewarnt, berichtete ein Afghane (26). Einer der Bewohner musste durch energisches Klopfen am Fenster aufgefordert werden, sein Zimmer zu verlassen.

Beim Eintreffen der Feuerwehr stand ein Großteil der Flüchtlinge am Gildehaus, Polizisten kümmerten sich um sie. Ein junger Afghane war durch die Schreie einer Mutter im Erdgeschoss aufgewacht. Beim Verlassen des Gebäudes seien die Flure bereits verraucht gewesen, berichtete der 26-Jährige dem TAGEBLATT. Die Rauchmelder hätten lautstark gepiept. Die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle in Stade-Wiepenkathen löste nach dem Notruf eines Flüchtlings einen MANV-Alarm aus. Diese Abkürzung steht für Massenanfall von Verletzten. Der Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes rückte – unterstützt auch von der ehrenamtlichen Bereitschaft – mit sechs Rettungswagen und zwei Notärzten aus den Elbe Kliniken an.

Untersuchungen auf dem Sammelplatz

Die Notfallsanitäter und Ärzte untersuchten die Bewohner auf dem Sammelplatz vor der Festhalle in einem der Rettungswagen – koordiniert von dem Organisatorischen Leiter des Rettungsdienstes aus der Leitstelle, Wilfried Sprekels. Bei den 16 anwesenden Bewohnern – unter ihnen waren drei Kinder – musste eine Rauchgasvergiftung ausgeschlossen werden, Brandverletzungen gab es nicht. „Alles im grünen Bereich“, konnte Sprekels später erleichtert vermelden, es gab keine schweren Rauchgasvergiftungen.

Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Stadt Buxtehude konnten die Flüchtlinge aus Syrien, aus dem Iran sowie aus Afghanistan und aus Südosteuropa übergangsweise im Stadthaus unterbringen und versorgen, bevor sie in Ersatzunterkünfte gebracht wurden. Währenddessen kämpften die Freiwilligen Feuerwehrleute gegen die Flammen, das Löschwasser wurde der Este und den Hydranten entnommen. Die Drehleiter war im Einsatz. Unter schwerem Atemschutz rückten Trupps in das stark verrauchte Gebäude vor.

500.000 Euro Schaden

Die Hitze im Inneren war enorm, berichtete der Kreisfeuerwehr-Sprecher Stefan Braun. Sogar Teile der Helme schmolzen. Flammen wüteten kräftig. Die städtische Unterkunft ist aufgrund der Schäden und der Schadstoffbelastung durch den Brand unbewohnbar, sagte ein Polizeibeamter vor Ort.

Bange Minuten vergingen. Der Grund: Eigentlich waren 19 Bewohner in der Flüchtlingsunterkunft gemeldet. Die Einsatzkräfte suchten – parallel zum Löscheinsatz und danach – die Zimmer und Gemeinschaftsräume ab. „Es war keiner mehr im Gebäude“, sagte Meyer. Gegen sechs Uhr konnte Meyer „Feuer aus“ vermelden. Feuerwehrleute durchkämmten die Räume mit Wärmebildkameras, kokelnde Wandverkleidung und Einrichtung warfen sie aus dem Fenster – zum Ablöschen. Es gelang ihnen, zwei Drittel der Unterkunft vor den Flammen zu bewahren, Rauch und Ruß verteilten sich allerdings überall. Um die Mittagszeit mussten sie erneut zu Nachlöscharbeiten ausrücken.

Die Gildestraße und Teile der Kreuzung vor dem Ellerbruch-Tunnel mussten für den Einsatz zeitweise voll gesperrt werden. Polizei und Feuerwehr schätzen den Schaden auf 500.000 Euro. Warum es gebrannt hat, ist offen. Die Tatortgruppe der Polizeiinspektion hat die Ermittlungen aufgenommen. Fakt: Am stärksten hat das Feuer in den ersten drei Containerreihen im östlichen Teil des Gebäudes gewütet, hier liegen unter anderem ein Raum mit Waschmaschinen und Wohn- und Schlafräume. Hinweise unter 0 41 61/64 71 15 an die Polizei.

Blick von der Rückseite auf das Gebäude aus Container-Modulen.

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