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Ausgezeichnet

Stader Optikerin ist regelmäßig unter den bundesweiten Top 100

Ulrike Fischer in ihrem Element – in der Beratung mit einem Kunden. Foto: Christian Boldt

Ulrike Fischer in ihrem Element – in der Beratung mit einem Kunden. Foto: Christian Boldt

Vor elf Jahren hat Ulrike Fischer das Augenoptikgeschäft von ihrem Mann Eckhardt übernommen. Seitdem zählt sie bundesweit immer zu den Top-100-Optikern. Wie macht sie das?

Von Lars Strüning Mittwoch, 06.04.2022, 08:00 Uhr

Gerade hat ihr Heiner Lauterbach in Düsseldorf bei der feierlichen Preisverleihung gratuliert. In den Vorjahren waren es Uwe Ochsenknecht, Sky du Mont, Senta Berger oder Sepp Maier. Eine schöne Auszeichnung, eine Bestätigung der bisherigen Arbeit und Motivation für neue Aufgaben für sie und ihr Team.

Strenge Prüfkriterien: Fischers Ehemann fiel durch

Verliehen wird der Titel alle zwei Jahre. Einmal hatte es nicht geklappt, erzählt Ulrike Fischer mit einem Schmunzeln. Da hatte Ehemann Eckhardt den unbekannten Testkäufer bedient. Er merkte schnell: Der Mann kommt nicht aus Stade, der kauft eh keine Brille. Eckhardt Fischer sollte recht behalten, doch seine Performance war nicht preiswürdig. Das Geschäft fiel durch die strengen Prüfkriterien.

Um einen „klaren, kritischen aber auch fairen Vergleich“ für die Unternehmen zu schaffen, habe das BGW Institut einen umfangreichen Fragenkatalog erarbeitet, mit dem die jeweiligen Bewerber ihre Leistungsfähigkeit und ihre Kundenorientierung darstellen müssen, heißt es in einer Pressemitteilung. Ein 17-seitiger Fragebogen müsse ausgefüllt werden, zahlreiche Geschäftsbesichtigungen und aufwendige Testkäufe würden initiiert.

Ausgezeichnet würden die, die „ganz besonders kundenorientiert denken und handeln“. Service-Bereitschaft sowie persönliche Ansprache und Hinwendung seien die Voraussetzungen. In allen Bereichen müssten überdurchschnittliche Leistungen erbracht werden, um unter die Top-100-Optiker zu gelangen.

Kritisch auf den eigenen Laden gucken

Ulrike Fischer, von vielen in Stade „Uli“ genannt und in der Stadtgesellschaft gut vernetzt, stellt sich den Aufgaben gerne. Das schützt vor Betriebsblindheit. Allein beim Beantworten der Fragebögen lerne sie, kritisch auf den eigenen Laden zu gucken, wenn es zum Beispiel heißt: Wie gehen Sie mit Hunden um? Seitdem steht ein Napf mit Wasser für vierbeinige Begleiter im Geschäft.

Andererseits ist das Bemühen um die Auszeichnung auch ein gutes Stück Teamformung, Fischer und Co. arbeiten die Teilnahme gemeinsam aus und freuen sich gemeinsam, wenn es wieder klappt. Der Titel habe für sie noch eine weitere Wirkung: Kundinnen und Kunden können sich bestätigt fühlen, das richtige Geschäft gewählt zu haben. Das ist nicht ganz einfach.

11.000 handwerkliche Augenoptikgeschäfte deutschlandweit

Allein in Stade ist die Konkurrenz groß, überregional arbeitende Filialisten und die Konkurrenz aus dem Internet bieten eine große Auswahl. Bundesweit gibt es mehr als 11 000 handwerkliche Augenoptikgeschäfte. Da ist es von Vorteil, besondere Merkmale zu bieten. Die gute Lage in der Hökerstraße mitten in der Altstadt hilft. Fischer unterstützt ihren Bekanntheitsgrad mit der Foto-Aktion „Stader Gesichter“ oder regelmäßiger Imagewerbung im TAGEBLATT. Wie selbstverständlich ist sie online unterwegs.

Der Bedarf an Sehhilfen ist groß. Laut Zentralverband der Augenoptiker tragen 40 Millionen Menschen in Deutschland eine Brille. Für Ulrike Fischers Job existenziell: der pflegliche Umgang mit Menschen. Das gelte intern für die Mitarbeiterinnen wie auch extern in der Arbeit mit Kundinnen und Kunden. Ulrike Fischer hat gelernt, abzugeben, ihre vier Kolleginnen machen zu lassen. Die suchen die neueste Kollektion aus, kümmern sich um die Dekoration. Jeden Morgen gibt es eine zehnminütige Teambesprechung für den Tag. Zufriedene Mitarbeiter, sagt sie, seien ihr zu wenig. Sie will Begeisterung für den Job. Das übertrage sich auch auf die Kundschaft.

Ihre Arbeitstage sind mitunter lang, sie können bis zu zwölf Stunden dauern; eben selbst und ständig. Ulrike Fischer sieht es als Vorteil, dass sie direkt über dem Geschäft wohnt. Da kann sie auch nach Ladenschluss mal eben schnell runter.

 

Sie will „geile Brillen, nicht billige“

Was macht die gute Beratung aus? Die Antwort kommt schnell und voller Überzeugung: Zeit für die Brille nehmen, auf Kundenwünsche eingehen, ehrlich am Menschen interessiert sein. Fischer setzt bewusst auf Qualität, nicht auf Schnäppchen. Sie weiß: Preissensible Kunden kaufen woanders. Oder wie sie es ausdrückt: „Ich will geile Brillen, nicht billige.“

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