Gewalttätige HSV-Fans greifen zur Bierdose – Schläge und Würfe
Das Nordderby in Bremen war als Risikospiel eingestuft - die Anhänger bewiesen einmal mehr, warum. Foto: Carmen Jaspersen/dpa
Die Derby-Schmach in den Köpfen, ordentlich Promille im Blut: Am Bahnhof in Buchholz muckt ein Trio ordentlich auf - auch gegen die Polizei. Die Bilanz.
Buchholz/Bremen. Da hatten sich HSV-Anhäger offenbar gar nicht mehr unter Kontrolle: Wie die Harburger Polizei berichtet, seien auf der Rückreise vom Nordderby des HSV bei Werder Bremen, das aus Hamburger Sicht mit 1:3 verloren ging, insgesamt fünf Männer aneinandergeraten. Das Ganze habe sich am Bahnsteig im Bahnhof Buchholz abgespielt.
Demnach seien gegen 20.20 Uhr drei HSV-Anhänger und zwei Fahrgäste eines Metronom-Zuges in Streit geraten. „Nach bisherigen Erkenntnissen wurde einem Geschädigten mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Zuvor sollen die drei Männer bereits eine Bierdose geworfen haben, wodurch eine weitere Person am Kopf getroffen und leicht verletzt wurde“, heißt es.
Weitere Altersangaben machte der Polizeisprecher nicht.
Als die Polizei eintrifft, eskaliert die Lage
Ein Notruf sei gewählt worden. Polizeibeamte konnten das Trio noch am Bahnsteig stellen, doch die Lage eskalierte weiter:
Die HSV-Fans hätten eine Kontrolle verweigert. „Einer der Männer stieß einen Polizeibeamten zurück und ging anschließend bedrohlich auf diesen zu“, so die Mitteilung. Schließlich habe ein Angriff nur durch den Einsatz von Pfefferspray abgewehrt werden können. Der Angreifer habe dann am Boden fixiert werden können.
Die Polizei sucht nun Zeuginnen und Zeugen, die Angaben zum Streit machen können. Auch ein Mann, der geschlagen worden sein soll, hatte sich vom Tatort ohne Nennung seiner Personalien entfernt. Meldungen sind bei der Polizei Buchholz unter 04181/2850 oder bei der zuständigen Bundespolizeiinspektion Bremen unter 0421/162995 möglich.
Polizei zieht positive Einsatz-Bilanz
Polizei und Bundespolizei hatten insgesamt eine positive Bilanz ihres Großeinsatzes bei diesem brisanten Nordduell gezogen. Auch die Abreise der vielen HSV-Anhänger verlief danach „weitestgehend störungsfrei“.
Bei diesem sogenannten Risikospiel war allerdings der Einsatz zusätzlicher Polizeikräfte auch aus anderen Bundesländern nötig. Und nur in Bremen werden diese zusätzlichen Polizeikosten in sechsstelliger Höhe nach einem jahrelangen Rechtsstreit der Deutschen Fußball Liga in Rechnung gestellt.
Weil diese Gebührenbescheide stets an Werder Bremen weitergereicht werden und kein anderer deutscher Proficlub von solchen Kosten betroffen ist, fordert die GdP nun eine Neuregelung. Außerdem müsse das Bundesland Bremen sicherstellen, dass die von der DFL erhobenen Kosten „zweckgebunden eingesetzt werden und nicht zur Deckung allgemeiner Haushaltsdefizite dienen“. Wenn die zusätzlichen Polizeikosten dem Land erstattet werden, solle dieses Geld auch „gezielt den Sicherheitskräften zugutekommen“.
Raketen fliegen durch das Weserstadion
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) müsse „eine gerechte und verbindliche Kostenverteilung auf alle beteiligten Vereine sicherstellen“, heißt es in einer Mitteilung der Polizei-Gewerkschaft GdP. „Insbesondere bei Spielen wie dem Nordderby müsse auch der Gastverein angemessen beteiligt werden.“
Nach dem Spiel am Samstag hatten Anhänger des HSV mehrere Leuchtraketen Richtung Werder-Fans und Werder-Spieler auf der anderen Seite des Weserstadions geschossen. Auch der Bremer Trainer Daniel Thioune sprach hinterher von einer „großen Verletzungsgefahr“ in dieser Situation.
Die Polizei drängte daraufhin zur Verhinderung einer weiteren Eskalation in den Tribünenblock mit den Hamburger Fans - auch weil dort zuvor unter anderem eine Toilettenanlage in Brand gesetzt worden war, wie es in einer weiteren Polizeimitteilung heißt. Es sei an der Zeit, „dass sich die große Mehrheit der friedlichen Fans klar und unmissverständlich von den wenigen gewaltbereiten Personen distanziert“, schreibt die GdP. (dpa/tip)

Die Polizei stürmte den Tribünenblock mit den Hamburger Fans. Foto: Carmen Jaspersen/dpa
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