24-Stunden-Reportage: Wenn um drei die Pommes schon ausverkauft sind
Die Besucher vergnügen sich im Wasser, vorn liegen die Tretboote für Kinder. Fotos: Lohmann
Auf dem weißen Sandstrand halten sich an diesem heißen Sommertag nur wenige lange auf. Die meisten Besucher des Fredenbecker Badesees tummeln sich lieber im Schatten der großen Bäume. Am Fredenbecker Badesee ist an warmen Sommertagen einiges los.
Im Schatten der Bäume auf der Wiese und im Wasser ist es in der Nachmittagshitze angenehm kühl. Heute sei es so voll wie selbst am Sonntag nicht, sagt der neue Betreiber Klaus Dieter Kläre. Schon um 15 Uhr sind an seinem „Beach Club“ die Pommes ausverkauft. Auf der Wiese haben Mütter mit kleinen Kindern, Familien, Paare und Gruppen ihre Decken und Handtücher ausgebreitet und liegen entspannt im Baumschatten, klönen, essen, lesen. Im seichten Wasser, durch eine Bojenkette vom Schwimmerbereich abgetrennt, planschen, spritzen und spielen Kinder oder machen mit Schwimmflügeln Schwimmversuche. Eltern stehen knöcheltief im Wasser und schauen zu.
Ferienspaß mit den Asper Haien: Walter Sell mit Sophia, Fabian und Hannah.
Zum Beispiel Christian Rau, Vater von Frederik (2), und Niklas Schwarz, Vater von Ronja (fast 2). Die Stader Lehrer genießen die Schulferien und den naturnahen Badesee zwischen Fredenbeck und Kutenholz. Nach dem Mittagsschlaf der Kinder sind sie gekommen, um halb drei waren sie hier. Wie so oft. Sonst sei noch ein befreundetes Paar mit Tochter dabei, doch die seien zurzeit im Urlaub. Als Kind sei er oft hier gewesen, erzählt Niklas Schwarz. Er gehe lieber ins Naturbad als ins Freibad. Dass die Algen entfernt wurden, findet er „super“. Und dass der Eintritt frei ist.
Teo jauchzt. Der Zweieinhalbjährige steht im Wasser und strahlt, als ihm Vater Peter Kruse den bunten Wasserball zuwirft. „Er liebt Wasser“, sagt seine Mutter Nicole Wilzek schmunzelnd. Sie haben Urlaub und kommen aus Bremervörde. Bei der Suche nach einem Badestrand oder -see waren sie im Internet auf Fredenbeck gestoßen. 20 Minuten Fahrzeit sei okay, sagt Vater Kruse. Super finden auch sie den freien Eintritt und dass es auf dem Spielplatz sauber ist. Vor einer Stunde sind sie erst gekommen, denn im Internet hatten sie gelesen, dass der See um 14 Uhr eröffnet.
Sie spielen Ball und planschen im Wasser: Nicole Wilzek mit Teo aus Bremervörde.
Das dachte auch Elisabeth Rausch aus Buxtehude. Auch sie kennt den Badesee noch von früher, aus der Zeit „ohne Kinder“. Nun ist sie mit Annabelle (4) und Charlie (2) und einer befreundeten Familie aus Apensen gekommen. Nach einem ersten Bad im See sitzen Mütter und Kinder auf den bunten Badetüchern und stärken sich. „Ich habe toll geschwommen mit dem Ding“, sagt Annabelle (4), den Mund voller Melone, und zeigt auf ihre Schwimmflügel und den Bauchgurt. Gut, sauber und ordentlich sei der See, sind sich die Mütter einig, sehr gepflegt und nicht so doll überlaufen. Ein Sonnensegel über der Rutsche fehle noch, dort könnten sich die Kinder in der prallen Sonne nicht lange aufhalten. Schön auch: dass der Nichtschwimmerbereich abgetrennt ist.
In der Ferienzeit habe der Badesee bis auf montags täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet, erklärt Badesee-Pächter Klaus Dieter Kläre einer Kundin, die danach fragt. Nach den Ferien wieder ab 14 Uhr, nur sonnabends und sonntags ab 10 Uhr. Der neue Betreiber steht hinter der Theke seines „Beach Clubs“ und macht zwei Becher „Kaffee mit Milch“ für einen Gast fertig. Zwischendurch ruft er seine Frau Sylvia an: Er brauche dringend Nachschub, die Pommes sind ihm ausgegangen, die Nachfrage war zu groß. Currywurst und Pommes sind neben Eis der große Renner an diesem heißen Nachmittag.
Der Kaffee ist fertig. Kläre reicht die Tassen der geduldig wartenden Kundin, Ulrike Diekmann aus Aspe vom Verein Asper Haie. „Wir sind hier mit der Ferienspaß-Aktion“, erzählt sie. Mit fünf Kindern seien sie gekommen. Sonst seien es mehr, doch viele seien zurzeit im Urlaub. Sie zeigt zum See, wo Vereinskollege Walter Sell gerade mit Hannah (8), Sophia (9) und Fabian (7) mit einem bunten Kindersurfbrett im Wasser herumtollt. Immer wieder zieht er die Kinder durchs Wasser, bis sie prustend und lachend vom Brett fallen. Davor haben sie das aufblasbare Hamsterrad gebucht. Und auf jeden Fall wollen sie gleich noch ein Eis essen.
Am „Beach Club“ hat sich eine kleine Schlange gebildet. „Wir wollen ein Quad ausleihen, meine Tochter ist acht Jahre alt“, sagt eine Frau. Kein Problem. Kläre kümmert sich. Zwei Frauen fragen nach dem Eintrittspreis. Der Eintritt sei frei, „aber ich freue mich, wenn Sie hier konsumieren“, sagt Kläre. Und erklärt das System des Korkgeldes für mitgebrachte Speisen und Getränke. „Bei Wasser und Obst sage ich nichts“, sagt er. Wer aber mit vollen Picknick-Körben anreist, der zahlt Korkgeld wie im Nottensdorfer Freizeitpark, den Ehepaar Kläre ebenfalls betreibt.
Im Schatten der Bäume: Henry Bock, Maren Krüger-Bock, Junia, Chiara und Vanessa aus Kutenholz genießen den Familienausflug.
Henry Bock sieht das Korkgeld kritisch. Das sei abschreckend, meint der Kutenholzer, der mit Ehefrau Maren Krüger-Bock und Tochter Junia (18) auf einem großen rosa Handtuch auf der Wiese sitzt. Sie haben Urlaub und morgens spontan beschlossen, den Tag am See zu verbringen. Tochter Chiara (fast 11) und Freundin Vanessa (17) waren sofort mit dem großen Schwimmring ins Wasser gestürmt. Gerade kommen sie lachend und tropfend zurück. „Es ist gut hier“, sagt die Zehnjährige und strahlt.
Für die Serie „24 Stunden: Reportagen rund um die Uhr“ verbringen TAGEBLATT-Redakteure je eine Stunde an einem Ort in der Region. Start und Ende der Serie ist 0 Uhr, was 24 Stunden und damit 24 Serienteile ergibt. Und das sind die Folgen:
- Teil 01: In der Verpackungsindustrie
- Teil 02: Im Altenheim
- Teil 03: Im Musikladen Heinbockel
- Teil 04: Im Elbe Klinikum
- Teil 05: Mit dem Bevern-Bus on Tour
- Teil 06: Auf dem Wochenmarkt
- Teil 07: Im Tower bei Airbus
- Teil 08: Der Hausmeister
- Teil 09: Die Wasserschutzpolizei
- Teil 10: Bei Stackmann
- Teil 11: Auf der Baustelle
- Teil 12: Der Parkplatzwächter
- Teil 13: Am Bratwurststand
- Teil 14: Der Tierpfleger
- Teil 15: In der Demenz-WG
- Teil 16: Am Strand
- Teil 17: Bei der Orgelführung
- Teil 18: Der Streetworker
- Teil 19: Bei der Ernte
- Teil 20: Beim Party-Service
- Teil 21: Im Freibad
- Teil 22: Beim Kampfsport
- Teil 23: Im Einzelhandel
- Teil 24: In der Kneipe
Kaffee gibt’s am „Beach Club“: Badesee-Pächter Klaus Dieter Kläre bedient Ulrike Diekmann aus Aspe.