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Haftstrafen

Bis zu 37 Menschen pro Fahrt: Schleuser verurteilt

Nachdem Menschen unter gefährlichen Bedingungen in Fahrzeugen geschleust wurden, sind sechs Angeklagte verurteilt worden. (Symbolbild)

Nachdem Menschen unter gefährlichen Bedingungen in Fahrzeugen geschleust wurden, sind sechs Angeklagte verurteilt worden. (Symbolbild) Foto: Marijan Murat/dpa

Stundenlang ohne Luft, Wasser oder Toilette: Eine Schleusergruppe aus Niedersachsen soll Menschen auf diese Weise nach Deutschland gebracht haben. Jetzt hat ein Gericht über den Fall entschieden.

Von dpa Dienstag, 10.03.2026, 17:00 Uhr

Hannover. Im Prozess gegen eine Schleusergruppe hat das Landgericht Hannover sechs Bandenmitglieder verurteilt. Die Gruppe aus dem Raum Hannover soll Menschen unter gefährlichen Bedingungen in kleinen Lastwagen und Transportern nach Deutschland gebracht haben, wie die Bundespolizei und die Staatsanwaltschaft Hannover gemeinsam mitteilten.

Diese Strafen hat das Landgericht verhängt

Der Kopf der Bande wurde demnach zu acht Jahren Haft verurteilt. Zwei weitere Mitglieder, die für die Anwerbung und Koordinierung von Fahrern sowie die Beschaffung von Fahrzeugen zuständig waren, erhielten Freiheitsstrafen von sechs Jahren beziehungsweise von vier Jahren und vier Monaten. 

Ein Mann, der die Fahrten begleitete und den Fahrern Anweisungen gab, wurde zu drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der Betreiber einer Shisha-Bar, die die Bande als Treffpunkt und Rückzugsort nutzte, erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Ein Schleuserfahrer aus Flensburg wurde zu einem Jahr auf Bewährung nach Jugendstrafrecht verurteilt, da er zur Tatzeit jünger als 21 Jahre war, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte.

Bundespolizei und Staatsanwaltschaft zufolge ist das Urteil hinsichtlich eines Angeklagten rechtskräftig. Die übrigen Angeklagten haben Revision eingelegt.

Wie die Menschen von den Schleusern transportiert wurden

Bei den Fahrten wurden den Angaben zufolge teilweise bis zu 37 Menschen gleichzeitig transportiert. Diese mussten demnach auf engem Raum mehrere Stunden lang auf den Ladeflächen ausharren – ohne ausreichende Belüftung, ohne Sicherung und ohne die Möglichkeit, etwas zu trinken oder zur Toilette zu gehen. Die Menschen, unter anderem Syrer und Iraker, wurden laut Staatsanwaltschaft über Kroatien, Ungarn und Österreich geschleust, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte.

Die Bundespolizei in Rostock hatte seit November 2023 im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hannover gegen den Schleuserring ermittelt. Im Januar 2025 wurden bei Einsätzen in fünf Bundesländern 16 Objekte durchsucht und fünf Beschuldigte im Alter von 25 bis 41 Jahren festgenommen worden.

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