Regattawoche und Volksfest

Drei Millionen feiern Kieler Woche bei Sommerhitze

Die Kieler Woche 2026 geht am Abend zu Ende. (Archivbild)

Die Kieler Woche 2026 geht am Abend zu Ende. (Archivbild) Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Sonne, Segeln, Stars: Drei Millionen feiern ausgelassen – doch Hitze und Windflaute fordern Besucher und Sportler. Was dieses Jahr besonders machte und wer für Gänsehaut sorgte.

Von André Klohn, dpa 28.06.2026, 14:25 Uhr

Kiel. Sonne satt, Public Viewing deutscher Weltmeisterschaftsspiele und reichlich Trubel: Rund drei Millionen Menschen haben die Kieler Woche besucht. „Ob zu Wasser oder an Land, vor den Bühnen oder im Rathaus, beim Public Viewing oder beim Open Ship: Ich freue mich total, dass so viele Menschen aus aller Welt Lust hatten, sich miteinander zu verbinden“, sagte Oberbürgermeister Samet Yilamz (Grüne). 2025 waren es rund 3,3 Millionen.

Vor allem an den Wochenenden wurde es heiß. „Das war in der Hitze echt eine Herausforderung“, sagte Kieler-Woche-Chef Philipp Dornberger. „Menschen aus Kiel, aus der Region und aus vielen Ländern haben zusammen gefeiert - friedlich, fröhlich und mit viel Rücksicht aufeinander.“ Zusätzliche Schattenplätze und Abkühlungsmöglichkeiten seien gut angenommen worden. 

Bis Sonntag (11.00 Uhr) transportierten Rettungskräfte 166 Menschen in Krankenhäuser und leisteten mehr als 1.400 Mal im größeren oder kleineren Rahmen Hilfe.

Die Windjammerparade lockte am Samstag rund 185.000 Besucherinnen und Besucher an.

Die Windjammerparade lockte am Samstag rund 185.000 Besucherinnen und Besucher an. Foto: Frank Molter/dpa

Die Polizei zeigte an allen Veranstaltungstagen sichtbare Präsenz. Yilmaz freute sich, dass die Gäste auch angesichts der teilweise hochsommerlichen Temperaturen friedlich und rücksichtsvoll miteinander gefeiert hätten. „Unser Sicherheitskonzept hat sich hervorragend bewährt.“

Weniger Straftaten

Kiels Polizeichef Mathias Engelmann sprach von einer insgesamt recht friedlichen Kieler Woche. Bis Sonntagmorgen habe es 283 Straftaten geben (2025: 356) und 107 sogenannte Rohheitsdelikte (126). Das waren überwiegend Körperverletzungen oder Raubüberfälle. Die Polizei registrierte neun Sexualdelikte, meist im Bereich der sexuellen Belästigung, aber „kein überfallartiges Sexualdelikt“. Es gab 90 Platzverweise, 10 Menschen landeten in Gewahrsam.

Neben 350 Kontrollen im Zusammenhang mit dem Mitführverbot von gefährlichen Gegenständen, bei denen vier Messer gefunden wurden, kontrollierten Beamte mehr als 260 Fahrzeuge. Auf E-Scootern waren 14 Alkoholisierte oder Berauschte unterwegs. „Einer hatte fast zwei Promille“, sagte Engelmann. Ein Autofahrer wies 2,8, eine Radfahrerin 2,5 Promille auf.

Die Bundespolizei berichtete davon, dass es während des bundesweiten Ausfalls des Zugverkehrs am 23. Juni „keine Tumulte oder Ähnliches“ gegeben habe, obwohl das während des Rückreiseverkehrs passiert sei. Bei Messer-Kontrollen seien 27 Verstöße festgestellt worden, sagte Sven-Lars Marienfeld, Leiter der Bundespolizeiinspektion.

Prominenter Besuch zum Start

Zum zweiten Mal nach 2018 eröffnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Kieler Woche. Das Staatsoberhaupt gab am 20. Juni mit einem Schiffshorn das Signal „Leinen los“. Bereits am 19. Juni war die Stadt zum sogenannten Soundcheck gut besucht. 

Zur Eröffnung kam Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (rechts). (Archivbild)

Zur Eröffnung kam Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (rechts). (Archivbild) Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Segelsport

Die Kieler Woche gilt als eine der größten Segelsportveranstaltungen der Welt. Sportlich wollte sich Kiel nach erfolgreichem Olympiaentscheid in der Stadt mit der Regattawoche als möglicher Austragungsort für olympische Segelregatten präsentieren. Knapp 4.000 Aktive aus 51 Nationen gingen in 21 Bootsklassen an den Start. Regatta-Organisationsleiter Dirk Ramhorst sprach von sehr positiver Stimmung trotz „Leichtwindwoche“.

Kern des Sommerfests sind weiterhin die Regatten vor Schilksee. (Archivbild)

Kern des Sommerfests sind weiterhin die Regatten vor Schilksee. (Archivbild) Foto: Frank Molter/dpa

Zu den sportlichen Höhepunkten zählte neben den Wettbewerben der Olympia-Segler die Weltmeisterschaft in der früheren olympischen Klasse Flying Dutchman. Die ausgeprägte Hochdruckwetterlage sorgte für herausfordernde Segelbedingungen fast ausschließlich am unteren Windlimit. Nicht alle geplanten Wettfahrten konnten gestartet werden. „Wind und Wetter können wir nicht beeinflussen, nur das Beste daraus machen“, sagte Ramhorst.

Prominenter Gast an der Förde war Segelstar Boris Herrmann. Er segelte mit Steinmeier, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Yilmaz mit der „Malizia Explorer“ auf der Förde. 

Großsegler wie die „Gorch Fock“ fehlten in diesem Jahr. (Archivbild)

Großsegler wie die „Gorch Fock“ fehlten in diesem Jahr. (Archivbild) Foto: Bodo Marks/dpa

Kostenlose Konzerte

Entlang der Förde verwandelte sich die Stadt für zehn Tage wieder in ein kleines Open-Air-Festival mit rund 500, größtenteils kostenlosen Konzerten auf 20 größeren und einigen kleineren Bühnen. Unter anderem legten Kettcar, Michael Schulte, Alexander Marcus, Alice Merton, Nik Kershaw und Mia Auftritte hin. Am Abend waren noch Heinz-Rudolf Kunze und Fury in the Slaughterhouse angekündigt. Karten kaufen mussten Besucher hingegen bei den Konzerten auf der Krusenkoppel („Gewaltig leise“), wo unter anderem Macy Gray und Midge Ure auftraten.

Für viele Besucher waren auch in diesem Jahr wieder der internationale Markt mit Köstlichkeiten aus vielen Ländern auf dem Rathausplatz, die Flaniermeile Kiellinie oder die Spiellinie ein Anlaufpunkt.

Besucher der Kieler Woche gehen am Hörnufer entlang. (Archivbild)

Besucher der Kieler Woche gehen am Hörnufer entlang. (Archivbild) Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Höhenfeuerwerk mit Laser- und Drohnenshow

Fester Bestandteil der Kieler Woche sind die Marineschiffe. Im Marinestützpunkt machten 22 Schiffe aus neun Nationen mit zusammen mehr als 2.500 Soldaten fest. Beim Open Ship besichtigten 13.000 Menschen die Boote. 

Die Windjammerparade, der maritime Höhepunkt der Festwoche, lockte am Samstag nach Angaben der Stadt rund 185.000 Menschen an. Angeführt wurde sie von der „Thor Heyerdahl“. Die Festwoche sollte am Abend mit dem traditionellen Höhenfeuerwerk über der Kieler Förde, begleitet von einer Laser- und Drohnenshow sowie synchroner Musik an der Kiellinie enden.

Am Wasser war es in den vergangenen Tagen voll. (Archivbild)

Am Wasser war es in den vergangenen Tagen voll. (Archivbild) Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

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