Kabinett

Einschnitte beim Wohngeld: Kabinett beschließt Entwurf

Alle Wohngeldhaushalte sind von geplanten Einschnitten berührt. (Archivbild)

Alle Wohngeldhaushalte sind von geplanten Einschnitten berührt. (Archivbild) Foto: Robert Michael/dpa

Bauministerin Verena Hubertz muss sparen. Sie tut das beim Wohngeld. Treffen wird es alle, die die staatliche Leistung bekommen.

Von dpa 06.07.2026, 17:05 Uhr

Berlin. Wer Wohngeld bekommt, muss sich absehbar auf Kürzungen oder die komplette Streichung der staatlichen Leistung einstellen. Das Bundeskabinett brachte in Berlin einen Gesetzentwurf von Bauministerin Verena Hubertz (SPD) auf den Weg, der im nächsten Jahr 1,5 Milliarden Euro und ab 2028 sogar zwei Milliarden Euro pro Jahr beim Wohngeld einsparen soll. 

Der Entwurf geht nun zur Beratung in den Bundestag. Die Änderungen sollen am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Bestehende Wohngeldbescheide bleiben gültig. Das heißt, die Kürzungen greifen erst nach und nach, wenn neue Bescheide ergehen. In der Regel muss alle zwölf Monate ein neuer Antrag gestellt werden.

Keine Anpassung an die Inflation

Letztlich werden die Kürzungspläne nach jetzigem Stand alle Wohngeldhaushalte berühren, wie es aus Regierungskreisen hieß. Zum einen soll die sogenannte Dynamisierung ausgesetzt werden, das heißt, das Wohngeld wird vorerst nicht an Inflation und Mietpreisentwicklung angepasst. Zum anderen wird die sogenannte Heizkostenkomponente halbiert.

Der dritte Hebel: Die sogenannte Wohngeldformel wird verändert, so dass weniger Haushalte die Hilfen bekommen. Ganz wegfallen soll die Leistung für Haushalte an der oberen Einkommensgrenze derer, die heute für Wohngeld infrage kommen. Wer also heute Beträge von 50 bis 60 Euro im Monat bekommt, werde künftig darauf verzichten müssen, hieß es in Regierungskreisen. 

Wer im Wohngeld bleibt, soll künftig geringere Summen erhalten. Menschen mit sehr wenig Geld sollen vom Wohngeld in Leistungen der Grundsicherung wechseln. 

Mehrkosten in der Grundsicherung

In der Grundsicherung entstehen damit höhere Kosten, wie in Regierungskreisen eingeräumt wurde. Das bedeutet Mehrausgaben im Sozialetat des Bundes sowie bei den Kommunen, die sich an den Kosten zur Unterkunft beteiligen. Bezieht man das ein, kann der Staat unterm Strich 2027 rund 1,16 Milliarden Euro einsparen, ab 2028 dann rund 1,5 Milliarden pro Jahr.

Bund und Länder zahlten 2024 nach Angaben des Statistischen Bundesamts je zur Hälfte rund 4,7 Milliarden Euro Wohngeld an gut 1,2 Millionen Haushalte. Anfang 2023 war mit dem Wohngeld-Plus-Gesetz der Kreis der Berechtigten deutlich erweitert worden. Nach Angaben des Wohnungsministeriums sind 44 Prozent der Bezieher Familien, in 52 Prozent der Wohngeldhaushalte leben Rentnerinnen und Rentner.

Hunderte Millionen Euro will Bauministerin Verena Hubertz (SPD) beim Wohngeld einsparen.

Hunderte Millionen Euro will Bauministerin Verena Hubertz (SPD) beim Wohngeld einsparen. Foto: Elisa Schu/dpa

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Europa an Trump vor Nato-Gipfel: Wir liefern

Vor dem Nato-Gipfel stichelt Donald Trump gegen europäische Verbündete, die angeblich zu wenig für Verteidigung ausgegeben. Nicht nur der deutsche Bundeskanzler hält dagegen.

Änderungen bei Gesundheits-Sparpaket in Sicht

Die Koalition will immer höhere Milliardenausgaben für die Gesundheitsversorgung unter Kontrolle bringen. Für ein dazu geplantes Spargesetz kommen auf der Zielgeraden noch einige Nachjustierungen.

Verwirrung um Heimatbesuch von Prinz Harry

Prinz Harry reist in die britische Hauptstadt und will erstmals seit Jahren wieder im berühmten Buckingham-Palast übernachten. Diese Option dürfte nun jedoch vom Tisch sein.