Elbbrücke bleibt nach Unfall gesperrt - Fehler des Kapitäns?
Der Kapitän des Binnenmotorschiffs, das die Brücke rammte, soll die tideabhängige Durchfahrtshöhe falsch eingeschätzt haben. (Archivbild) Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Ein Binnenschiff rammt mit seiner Ladung die Hamburger Freihafenelbbrücke. Seitdem ist die Elbquerung gesperrt. Nun gibt es neue Erkenntnisse zur Unglücksursache.
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Hamburg. Die durch einen Schiffsanprall beschädigte Hamburger Freihafenelbbrücke bleibt bis mindestens Ende des Jahres gesperrt. Erst müssten die finalen Ergebnisse der Schadensermittlung vorliegen, teilte eine Sprecherin der Hafenverwaltung HPA mit. Am frühen Morgen des 28. Oktober hatte ein Binnenmotorschiff die Brücke gerammt und das Bauwerk beschädigt. Die Überführung wurde für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrt. Das Schiff hatte nach Angaben der Polizei Container geladen, die gegen die Brücke stießen. Die Ladung wurde ebenfalls beschädigt. Menschen kamen nicht zu Schaden.
Angeblicher Fehler des Kapitäns
Unglücksursache ist vermutlich ein Fehler des Kapitäns. „Nach aktuellem Ermittlungsstand war eine Fehleinschätzung des Schiffsführers hinsichtlich der tatsächlichen Durchfahrtshöhe der Brücke ursächlich für die Kollision“, teilte der Senat auf eine Kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Antonia Goldner mit. Es gebe keine Hinweise darauf, dass der 35 Jahre alte Kapitän unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gestanden habe, hieß es nach dem Unfall von der Polizei.

Der Schiffsanprall vom 28. Oktober hat nach Angaben des Hamburger Senats massive Schäden an der Freihafenelbbrücke verursacht. (Archivbild) Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Am Wochenende vor der Havarie hatte es in Hamburg zwei Sturmfluten gegeben. Zum Unglückszeitpunkt am folgenden Dienstag gegen 5.00 Uhr war die Flut nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt deutlich über den vorausberechneten Wert gestiegen. Die Durchfahrtshöhe unter der Brücke ist von Ebbe und Flut abhängig.
Selbst Prüfer dürfen Brücke nicht betreten
Der Senat nannte verschiedene Schäden am Tragwerk und der Fahrbahn der Brücke. Er sprach von „massiven Einwirkungen durch den Schiffsanprall“. Jede Nutzung der Brücke bis zur abschließenden Freigabe durch Sachverständige sei ausgeschlossen. „Selbst das Betreten für Prüfungen ist erst möglich, wenn die Sicherheit des Bauwerks bestätigt wurde“, hieß es.
Die fast 100 Jahre alte Freihafenelbbrücke führt parallel zu den Neuen Elbbrücken über die Norderelbe. Sie wurde 1926 gebaut, um im damaligen Freihafen eine eigene Elbquerung zu schaffen. Sie ist sanierungsbedürftig und darf seit September 2024 nicht mehr von Fahrzeugen mit über 7,5 Tonnen Gewicht befahren werden. Die Sperrung verursacht zurzeit größere Verkehrsprobleme, weil auch auf den Neuen Elbbrücken gebaut wird.
CDU: Senat hat keine vorausschauende Strategie
Angesichts der bisher festgestellten Schäden befürchtet Goldner, dass die Sperrung noch längere Zeit dauert. Sie warf dem rot-grünen Senat vor, er habe keine vorausschauende Instandhaltungsstrategie. „Zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre muss die Brücke wegen Havarie gesperrt werden, und auch diesmal folgt daraus keine Erkenntnis“, kritisierte die hafenpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion.
Bereits Anfang 2022 war ein Baggerschiff bei sehr hohem Wasserstand infolge einer Sturmflut gegen die Brücke geprallt und hatte das Bauwerk stark beschädigt. Die Reparatur dauerte damals vier Monate.