Fliegendes Papier und feste Regeln: Brüderschaft feiert Stiftungsfest in Stade
Die Saalrakete: Der Moment, wenn das Papier in die Luft geworfen wird. Foto: Schattke
Was für eine lange Tradition: Die Rosenkranz-Gottes-Hülfe-Brüderschaft feiert ihr 543. Stiftungsfest nach uralten Regeln - und mit einem glänzenden Ergebnis.
Stade. Das Stiftungsfest der Stader Rosenkranz-Gottes-Hülfe-Brüderschaft folgt festen Regeln: Papier fliegt durch die Luft, und Reden und Grußworte gehören dazu. Festgebender Bruder war in diesem Jahr der Stader Rechtsanwalt und Steuerberater Björn Thalemann. Gemeinsam mit seiner Frau Simone begrüßte er die Gäste.
Thalemann verband seinen Dank an die Gäste mit einem eindringlichen Appell: „Handeln statt posten. Echte Nähe kann man nicht digitalisieren.“ Sein Aufruf zur Unterstützung der Brüderschaft zeigte Wirkung. Am Ende des Abends konnte eine beeindruckende Spendensumme von 24.140 Euro verkündet werden. Das Geld kommt Menschen in Stade zugute, die unverschuldet in Not geraten sind. Neben der materiellen Hilfe sei es ebenso wichtig, „das Gefühl zu vermitteln, nicht vergessen zu sein“, betonte Thalemann.
Gäste als „Teil des sozialen Stader Kitts“
Den traditionellen Pokalgruß, auch „Willkomm“ genannt, sprach der Stader Mediziner Dr. Sebastian Kolck. Er rief die Festgesellschaft dazu auf: „Fühlen Sie sich willkommen, reichlich zu geben.“ Der herumgereichte Pokal stehe sinnbildlich für den Wunsch, eigenes Geld zu teilen, um es „an Menschen unserer Stadt weiterzugeben, denen es schlechter geht“. Kolck erinnerte daran, dass es häufig Hinweise aus der Bevölkerung brauche, um Bedürftige zu erkennen, und lud die Gäste ein, „Teil dieses sozialen Stader Kitts zu sein“.
Brüderschaften
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Mit Anekdoten aus dem Leben des Festgebers sorgte Ältermann Ulf Brokelmann für heitere Momente. Thalemann ist als Schatzmeister und Schaffer eine verlässliche Stütze der Brüderschaft. Darüber hinaus engagiert er sich für eine syrische Familie und hilft ihr, in der neuen Heimat Fuß zu fassen. Gemeinsam mit seiner Frau führt er seit 2018 die elterliche Kanzlei fort. Auch sportlich ist Thalemann aktiv – ob beim Altländer Triathlon, mit dem Bootsführerschein oder im Vorstand des Tennisvereins.
Der Einfluss von Mette de Sworen
Einen besonderen Beitrag widmete Rechtsanwalt und Notar Nils Steffen den Damen. Frauen hätten, so Steffen, von Beginn an eine prägende Rolle in der Brüderschaft gespielt. Schon Mette de Sworen, Ehefrau des damaligen Stader Bürgermeisters Johann de Sworen, habe maßgeblich dazu beigetragen, dass aus der Gebetsgemeinschaft eine helfende Brüderschaft wurde. Mit einem Augenzwinkern lobte Steffen die weibliche Fähigkeit zum Multitasking. Gäbe es Multitasking als olympische Disziplin, wären Medaillen längst vergeben, bevor Männer ihre Sportschuhe gefunden hätten.

Der Einzug der Brüder in den Saal. Foto: Schattke
Dr. Udo Schmidt, festgebender Bruder des Vorjahres, würdigte in seiner Ansprache die Arbeit der Älterleute. Mit einem Vergleich aus der Musik betonte er: „Die Vorstandsmitglieder sind die Dirigenten eines Orchesters. Als metronomischer Anker geben sie den Takt an. Der gemeinsame Klang ist wichtig.“ Zusammen schafften sie einen „wundervollen Klangkörper“ aus Geschichten, Tönen und Harmonien.
Freikauf eines Sklaven um 1725
Für die Hansestadt Stade bedankte sich Erster Stadtrat Lars Kolk ausdrücklich bei der Brüderschaft. Er erinnerte an eine Begebenheit aus dem Jahr 1725, als sich die Rosenkranz-Gottes-Hülfe-Brüderschaft für den Freikauf eines Sklaven engagierte – ein frühes Beispiel für humanitäres Handeln und soziale Verantwortung. Kolk hob hervor, dass die Brüderschaft bis heute flexibel auf gesellschaftliche Herausforderungen reagiere und stets nach passenden Lösungen suche.
Als erstmalige Teilnehmerin sprach Corinna Jessen aus Berlin den Dank der Gäste aus. Sie erinnerte daran, dass es „in einer Zeit der Unsicherheit auf die kleinen Taten ankommt“. Der Auftrag zur Hilfeleistung sei aktueller denn je. Beeindruckt zeigte sie sich von der schnellen, unbürokratischen Hilfe der Brüderschaft.
Ein Zeichen der Anteilnahme
Das kirchliche Grußwort überbrachte Pastor Olaf Prigge aus Hollern. Er erinnerte daran, dass das Teilen für viele Menschen heute keine Selbstverständlichkeit mehr sei. „Die Brüderschaft setzt mit dem Stiftungsfest ein Zeichen für das Teilen und die Anteilnahme“, so Prigge, der den Brüdern seinen Dank aussprach.
Nach dem offiziellen Teil folgte ein stimmungsvoller Abend mit Trinksprüchen, Tabakskollegium, Ehrentanz und Quadrille. Die Caramel Club Band sorgte für musikalische Begleitung und volle Tanzfläche – ein würdiger Abschluss eines Abends, der zeigte, wie lebendig Tradition und Gemeinschaft in Stade sind.
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