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Adventsserie

THahnentor in Stade: Wie aus der alten Glasbläserei eine schmucke Galerie wurde

Susanne und Rüdiger Munderloh öffnen die Tür zur Galerie Hahnentor. Fotos: Helfferich

Susanne und Rüdiger Munderloh öffnen die Tür zur Galerie Hahnentor. Fotos: Helfferich

Über vier Jahrzehnte wurde im Haus Bei der Börne 1 Kunst aus Glas angeboten. Jetzt zeigt dort der neue Eigentümer Rüdiger Munderloh seine Aquarellmalerei. Susanne Munderloh weist in die Kunst der heilenden Atmung ein.

Von Susanne Helfferich Mittwoch, 07.12.2022, 15:00 Uhr

Vor vier Jahren kam das Paar nach Stade. Sie ist gebürtige Hamburgerin, er stammt aus Mannheim. Gefunden haben sie sich in München, wo sie 40 Jahre lebten. Doch Susanne Munderloh zog es zurück in den Norden. Nicht direkt in die große Hansestadt. „Wir wollten es beschaulicher“, sagt sie. Das fanden sie in Stade. „Die Schönheit der Altstadt hatte es uns gleich angetan.“ In Klein Thun fanden sie ihr Zuhause.

„Doch dann ist uns das Haus mit der Glasbläserei vor die Füße gefallen“, erzählt Rüdiger Munderloh. Auf einem Zettel im Schaufenster wurde es im vergangenen Jahr zum Kauf angeboten. Ein Blick durchs Fenster ließ den ehemaligen Stadtplaner frohlocken. „Ich konnte mir sofort vorstellen, hier eine kleine Galerie zu eröffnen“, erzählt Munderloh. Seine Frau war da zurückhaltender: „Zuerst war mir das zu viel“, gibt sie unumwunden zu. Auf den zweiten Blick bekam auch Rüdiger Munderloh „Bammel. Ich hatte noch nie mit einem so alten Haus zu tun“.

Mehr als 350 Jahre altes Hahnentor

An die ehemalige Glasbläserei grenzt das Hahnentor, Steile Straße 25. Es schloss einst den ehemaligen Mühlenhof mit seiner Wassermühle nach Osten ab. „Anno 1658“ ist golden in den Balken des Tores geschnitzt. Seit Anfang der 80er Jahre bilden die beiden Gebäude eine Einheit mit vier Wohnungen und einem gemeinsamen Treppenhaus.

Auf das Jahr 1658 ist das Hahnentor datiert.

Auf das Jahr 1658 ist das Hahnentor datiert.

„Ein Baudenkmal ist ein Schätzchen, kann aber auch eine Bürde sein“, sagt Rüdiger Munderloh. Zahlreiche Brandschutzauflagen hatten die neuen Eigentümer zu erfüllen. Den ehemaligen Stadtplaner wunderte das: „Jahrzehnte hat hier ein Glasbläser mit Feuer gearbeitet, aber wir mussten die Umfassungswände so ertüchtigen, dass sie der Feuerwiderstandsklasse 30 entsprachen“, also einem Feuer mindestens 30 Minuten Widerstand leisten könnten. Acht Monate habe das Paar auf die Nutzungsgenehmigung gewartet. „Wir konnten das gar nicht fassen“, so Rüdiger Munderloh. „Wir wollten doch nur eine Praxis und eine Galerie eröffnen“, ergänzt Susanne Munderloh.

Aufwändiger Brandschutz im Baudenkmal

Die Wohnungen sind fest vermietet. Die ließen die neuen Eigentümer unberührt, bis darauf, dass funkvernetzte Feuermelder installiert wurden. Tabula rasa mussten sie in der Werkstatt der Glasbläserei machen. „Dort stand der Brennofen, und entsprechend schwarz waren die Wände“, erzählt er. „Als Atemtherapeutin hatte ich Sorge, ob der Geruch überhaupt rauszukriegen ist“, ergänzt sie.

Heute ist von dem Feuerzauber nichts mehr zu merken. Die Glasbläserei ist nun Therapieraum. Im ehemaligen Verkaufsraum hat sich Rüdiger Munderloh seinen Traum von einer kleinen Galerie erfüllt. Vergangene Woche eröffnete er seine erste öffentliche Ausstellung mit eigenen Bildern. Seine Aquarelle zeigen Stader Motive und Landschaften. Dabei gelang es ihm, die intensiven Farben und das norddeutsche Licht einzufangen.

Statt Künstler wurde er Architekt

Rüdiger Munderloh bezeichnet sich selbst als Landschaftsmaler. Seit Schulzeiten habe er gerne gemalt, und sein Kunstlehrer habe auch Talent gesehen. „Doch Künstler galten als Hungerleider“, sagt er. Und so habe er sich für die Architektur entschieden und hat viele Jahre in München an der Stadtsanierung mitgearbeitet. Im Studium sei räumliches Zeichnen und Aquarellieren Teil der Ausbildung gewesen, erzählt er.

Rüdiger Munderloh zeigt derzeit seine Aquarelle mit Stader Motiven.

Rüdiger Munderloh zeigt derzeit seine Aquarelle mit Stader Motiven.

Jetzt hat er zurück zur Kunst gefunden und Stade malend erkundet. „Ich hatte gleich bei unserem ersten Besuch die Motive der Stadt gesehen“, erzählt er. Während der Corona-Pandemie hatte er Zeit genug, Stadt und Umgebung über die Malerei immer besser kennenzulernen.

Die ehemaligen Münchner sind in der Hansestadt Stade angekommen und fühlen sich sichtlich wohl. Sie loben die Sanierung der Stader Altstadt: „Stade hat noch mittelalterliche Substanz, die mit Leben gefüllt ist“, sagt er. Abseits der Touristenströme gebe es überall wunderschöne kleine Flecken zu entdecken, sagt sie und stellt fest: „Es ist schön, ein Teil Stades zu sein.“ Und dafür öffnet das Paar auch gerne die Tür zu seinen Räumen.

Die Adventsserie

Im Dezember öffnet das TAGEBLATT bis Heiligabend 24 Türen, hinter denen sich interessante Menschen und spannende Geschichten aus der Region verbergen. Alle Folgen der Serie gibt es im Internet unter:

www.tageblatt.de/adventsserie

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