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Neues Hamburg-Museum

„Nur, was der Mensch kennt, schützt er auch“

Auf 2.200 Quadratmetern möchte die Deutsche Wildtier Stiftung die Besucher der „Botschaft der Wildtiere“ animieren, die Natur zu entdecken und zu verstehen.

Auf 2.200 Quadratmetern möchte die Deutsche Wildtier Stiftung die Besucher der „Botschaft der Wildtiere“ animieren, die Natur zu entdecken und zu verstehen. Foto: Ulrich Perrey/dpa

Das Haus sticht schon rein äußerlich hervor. Statt Stahl und Beton dominiert Holz. Die neue „Botschaft der Wildtiere“ in der Hamburger Hafencity bringt heimische Natur zum Mensch.

Von dpa Samstag, 31.08.2024, 07:00 Uhr

Hamburg. In der Hamburger Hafencity gibt es nun auch Robben, Wölfe, Rehe und Wildschweine. Die ziehen allerdings nicht etwa nachts durch die Straßen des neuen Quartiers, sondern sind Teil der „Botschaft der Wildtiere“. Das neue Ausflugsziel der Deutschen Wildtier-Stiftung beherbergt eine Dauerausstellung, eine Lernwerkstatt sowie das erste Naturfilmkino Deutschlands.

Das oberste Ziel des Hauses in Fußnähe zu den Elbbrücken ist Naturbildung. Hier gehe es darum, die Natur vor der Haustür kennenzulernen, zu entdecken, zu erforschen. „Nur, was der Mensch kennt, schützt er auch“, sagt Inga Olfen von der Deutschen Wildtier-Stiftung dazu. „Viele Kinder wissen beispielsweise gar nicht, dass Hamster nicht im Käfig, sondern auf und unter Feldern leben.“

Und so werden die Besucherinnen und Besucher durch die heimischen Felder, Wiesen, Wälder und Seen gelotst. Sie erfahren, ob Fische bremsen und wie gut Adler sehen können. Und sie lernen die Unterschiede zwischen naturnahen und naturfernen Lebensräumen kennen. „Dabei geht es uns darum, die Spannungsfelder aufzuzeigen, ohne mit dem Finger auf einzelne Akteure zu zeigen. Es geht ums Verstehen“, erklärt Olfen.

Ein weiteres Herzstück der „Botschaft der Wildtiere“ ist das wohl erste Naturfilmkino Deutschlands mit Platz für bis zu 199 Menschen.

Ein weiteres Herzstück der „Botschaft der Wildtiere“ ist das wohl erste Naturfilmkino Deutschlands mit Platz für bis zu 199 Menschen. Foto: Ulrich Perrey/dpa

Eröffnung am Samstag - bei freiem Eintritt

Gut eineinhalb bis zwei Stunden sollten die Gäste schon mitbringen, sagt Olfen. „Und meist entdeckt man beim zweiten und dritten Besuch trotzdem noch Neues.“ Die Ausstellung auf zwei Etagen sei in vielen Teilen interaktiv und immer informativ. Rund 150 Präparate - vom Siebenschläfer über den Specht bis hin zum Wolf und einer Robbe - seien auf den etwa 2.200 Quadratmetern der „Botschaft der Tiere“ verteilt. Am Samstag öffnet die Ausstellung dann erstmals für die Öffentlichkeit - mit einem Tag der offenen Tür bei kostenlosem Eintritt.

In der Ausstellung erfährt man zum Beispiel, was Wildtiere fressen.

In der Ausstellung erfährt man zum Beispiel, was Wildtiere fressen. Foto: Markus Scholz/dpa

Ein weiteres Herzstück der „Botschaft der Wildtiere“ ist das wohl erste Naturfilmkino Deutschlands mit Platz für bis zu 199 Menschen. Hier sollen tagsüber faszinierende Tierbilder des Naturfilmers Jan Haft gezeigt werden. Künftig sollen zudem immer mittwochs abendfüllende Naturfilme laufen.

Zum Naturfilmkino gehört auch das neu gestartete europäische Naturfilmfestival. Im Februar sollen die mit 50.000 Euro dotierten European Wildlife Film Awards erstmals verliehen werden. 240 Einreichungen waren dafür bei der Stiftung eingegangen. Die 50 besten sollen im kommenden Jahr jeweils mittwochs gezeigt werden.

„Botschaft der Tiere“ mit Dreifach-Bedeutung

Das andere Herzstück ist die Lernwerkstatt für Grundschülerinnen und -schüler. Dort können die Kinder ihre Fragen zur Natur stellen und sie sich durch Forschen, Basteln und Experimentieren selbst beantworten. Dabei sollen sie von Naturpädagogen unterstützt werden.

Die „Botschaft der Tiere“ soll nicht nur als ihre ständige Vertretung in der Hafencity gelten. Der zweideutige Name soll auch die Botschaft der Tiere zu den Menschen bringen, quasi ein kleiner Ruf nach Hilfe. „Und wir haben die Hoffnung, dass die Besucherinnen und Besucher nach ihrem Rundgang hier selbst auch zu Botschaftern der Tiere werden“, sagt Olfen dazu.

Für Kinder ist der Eintritt übrigens kostenlos, erst ab einem Alter von 14 Jahren müssen fünf Euro gezahlt werden, Erwachsene zahlen acht Euro. „Wir wollen die Faszination wecken für einen Schatz, der direkt vor unserer Haustür liegt und den viele dennoch nicht kennen“, sagt Olfen. Rund 48.000 Tierarten leben in Deutschland.

Naturschützer Reinhold Messner sieht die neue Ausstellung als einen Segen.

Naturschützer Reinhold Messner sieht die neue Ausstellung als einen Segen. Foto: Ulrich Perrey/dpa

Museum von Weitem sichtbar - Heimat im „roots“

Auch für Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) ist die „Botschaft der Wildtiere“ eine wertvolle Bereicherung. „Wildtiere sind im alltäglichen Leben fremd geworden. Gerade deswegen ist es wichtig, hier für Aufklärung zu sorgen und den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich auf vielfältige Weise mit diesem Thema auseinanderzusetzen“, sagte Kerstan der dpa. Er empfahl allen Hamburgerinnen und Hamburgern, ob Groß oder Klein, die Ausstellung zu besuchen.

Das neue Museum ist schon von weithin sichtbar, denn das Holzhaus „roots“ sticht in der Hafencity aus der Masse der Neubauten mit glatten Stein- und Metallfassaden deutlich heraus. Hier gibt es sogar Nistkästen für Vögel und Fledermäuse. Die „Botschaft der Tiere“ sei ausschließlich aus Stiftungsgeldern aufgebaut worden, betont Stiftungssprecherin Olfen. „Kein einziger Spendeneuro ist in dieses Projekt geflossen. Alle Spenden an die Wildtier-Stiftung fließen ausschließlich in den Artenschutz.“

Die vor rund 30 Jahren von Haymo G. Rethwisch gegründete Deutsche Wildtier-Stiftung macht es sich seit jeher zur Aufgabe Natur zu schützen. Mehr als 8.200 Hektar - also rund 82 Quadratkilometer an Fläche - hat die Natur- und Artenschutzorganisation dafür bereits gekauft, vor allem in Nordostdeutschland. Leuchtturmprojekte sind der Schutz der Feldhamster, Wildbienen und Schreiadler.

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Carl-Heinz Thor Straten Wolf
31.08.202408:40 Uhr

Jeder Baum der für die Exponate gefällt wurde kommt aus dem Lebensraum der Wildtiere, sollte man mal überdenken. Die Botschaft der Wildtiere sieht meines Erachtens anders aus.

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