Kreml reagiert auf Kritik - Bloggerin dankt unter Tränen
Kremlsprecher Dmitri Peskow kündigt nach Kritik einer Bloggerin an den Zuständen in Russland Arbeit an Problemen an. (Archivbild) Foto: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa
Die Kritik der Lifestyle-Bloggerin Viktorija Bonja in einer Videobotschaft an Präsident Putin und den Zuständen in Russland zieht Kreise. Nun sieht sich auch der Kreml in Erklärungsnot.
Moskau. Mit ihrer kritischen Videobotschaft an Präsident Wladimir Putin zu den Problemen in Russland hat die prominente Bloggerin Viktorija Bonja nun auch Gehör im Kreml gefunden. „Tatsächlich hat sie sehr viele Aufrufe und die Aufmerksamkeit des Publikums in den sozialen Netzwerken auf sich gezogen. Das ist wirklich so“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Sie hätten das Video im Kreml selbst gesehen. „Darin werden viele Themen angesprochen, an denen (...) tatsächlich gearbeitet wird.“ Es gehe um brisante Themen.
Die sonst für ihre Videos zu Lifestyle- und Modetrends bekannte Bloggerin dankte Peskow unter Tränen. Sie weine vor Freude, dass ihre Stimme gehört werde - und distanziere sich von Kremlkritikern. „Ich stehe an der Seite des Volkes“, sagte sie mit Blick auf Interviewanfragen zahlreicher kremlkritischer Medien. Sie habe sich aus Liebe zu ihrer Heimat zu den Sorgen der Menschen geäußert und wolle, dass die Lage besser werde. Vereinnahmen lasse sich aber nicht, betonte Bonja, die nicht in Russland lebt, sondern angeblich in Monaco.
„Ich bin keine Oppositionelle“, hatte sie zuvor auch in einem anderen Video erklärt. Bonja, die bei Instagram rund 13 Millionen Follower hat, kritisierte zuvor in ihrer politischen Botschaft etwa die Internetsperren. Sie beklagte zudem, dass Menschen in Notlagen allein gelassen würden. So sprach sie die Flutkatastrophe in der russischen Teilrepublik Dagestan nach heftigen Regenfällen an, wo viele Menschen obdachlos seien, während sich korrupte Beamte die Taschen vollschlagen würden.
Bloggerin an Putin: „Man hat Angst vor Ihnen“
Niemand traue sich, Putin über die wahre Lage zu informieren, meinte Bonja, die durch eine Reality-Show im Fernsehen bekanntgeworden ist. „Wladimir Wladimirowitsch, man hat Angst vor Ihnen“, betonte sie in ihrer Videobotschaft, die mehr als eine Million Likes bei Instagram und viele zustimmende Kommentare erhielt. „Das Volk hat Angst vor Ihnen, Blogger, Künstler haben Angst, Gouverneure haben Angst vor Ihnen. Und Sie sind der Präsident unseres Landes. Mir scheint, wir sollten keine Angst haben“, sagte sie.
Manche meinen inzwischen sogar, Bonja sei so wohltuend mutig, sie solle bei der Präsidentenwahl antreten. Das lehnt sie aber ab. Sie will sich klar als Unterstützerin Putins verstanden wissen.
Kritik an Internetsperren massiv in Russland
Peskow sagte nun mit Blick auf die von ihr angesprochenen Probleme: „Aber, um fair zu sein, es wird viel daran gearbeitet, eine große Anzahl von Menschen ist daran beteiligt, und all das wird nicht ignoriert.“
Vor allem ist die Kritik an den häufigen Sperrungen des mobilen Internets in Russland groß. Straßenproteste gegen die Blockaden werden zwar immer wieder verboten, aber die Menschen schreiben Beschwerdebriefe an die Präsidialverwaltung. Auch prominente kremlnahe Politiker kritisieren die Einschränkungen.
Peskow erklärte, dass die Sperren der Sicherheit in Russland dienten. Er stellte in Aussicht, dass sich nach Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine die Lage normalisieren werde. Ein Kriegsende ist aber nicht in Sicht.