Lohnlücke der Frauen im Norden sinkt auf 12 Prozent
Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen beträgt in Schleswig-Holstein nach Angaben des Statistikamts Nord 12 Prozent. (Symbolbild) Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Frauen verdienen in Schleswig-Holstein noch immer deutlich weniger als Männer – trotz Rückgang der Lohnlücke. Was hinter den Zahlen steckt und welche Gruppe es besonders hart trifft.
Kiel. Frauen hinken ihren männlichen Kollegen beim Lohn in Schleswig-Holstein zwar nicht mehr so stark hinterher wie früher. Doch sie bekamen im vergangenen Jahr im Schnitt immer noch zwölf Prozent weniger als Männer, wie das Statistikamt Nord berichtete. Ein Jahr zuvor hatte ihr Rückstand sogar 16 Prozent betragen. Durchschnittlich bekamen Frauen im Norden im vergangenen Jahr 21,69 Euro brutto pro Stunde, bei Männern waren es 24,62 Euro.
Bundesweit lag der Wert sowohl 2024 als auch 2025 bei 16 Prozent, teilten die Statistiker anlässlich des Equal Pay Days an diesem Freitag mit. Bis zu diesem Tag arbeiten die Frauen rein statistisch betrachtet unentgeltlich. Die Ergebnisse basieren den Statistikern zufolge auf der Verdiensterhebung eines repräsentativen Monats, 2025 sei dies der April gewesen. EU-weit lag der Verdienstunterschied zuletzt bei 12 Prozent.
DGB: Lohnlücke ist kein Naturgesetz
Besonders groß war der Verdienstunterschied bei Beschäftigten mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss. Sie erhielten in Schleswig-Holstein den Angaben zufolge 17 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Bei Menschen ohne Schulabschluss fiel der Unterschied mit vier Prozent hingegen vergleichsweise gering aus.
„Die Lohnlücke ist kein Naturgesetz“, sagte die Vorsitzende des DGB Nord, Laura Pooth. Sie sei das Ergebnis struktureller Ungleichheit: Ungleich verteilte Sorgearbeit, Teilzeitfalle und fehlende Betreuungsangebote für Kinder bis ins Schulalter sowie für Menschen mit Unterstützungsbedarf seien maßgebliche Ursachen. Hinzu komme, dass Frauen in Branchen arbeiteten, die häufig schlechter bezahlten – etwa in der Alten- und Krankenpflege, im Einzelhandel oder in der Gastronomie.