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„Mein Schiff“ steckt fest – und jetzt fallen noch mehr Kreuzfahrten aus

Mein Schiff 5 liegt in Katar, Mein Schiff 4 in Abu Dhabi – die Straße von Hormus bleibt gesperrt. Für Tausende Urlauber platzt der Sommertraum. (Archiv)

Mein Schiff 5 liegt in Katar, Mein Schiff 4 in Abu Dhabi – die Straße von Hormus bleibt gesperrt. Für Tausende Urlauber platzt der Sommertraum. (Archiv) Foto: Lana Dörrer

Jetzt streicht TUI Cruises weitere beliebte Routen. Was das für Urlauber bedeutet und ob die Schiffe noch rechtzeitig zur Sommersaison ins Mittelmeer kommen.

Von Oleksandr Korohod Montag, 13.04.2026, 17:32 Uhr

Hamburg/Rostock. Wer eine Kreuzfahrt mit „Mein Schiff“ für den Frühling oder Frühsommer gebucht hat, muss sich auf schlechte Nachrichten einstellen. Die Mein Schiff 4 liegt seit mehr als einem Monat im Hafen von Abu Dhabi fest, die Mein Schiff 5 hängt in Doha, Katar. Beide Schiffe kommen nicht weg – weil die Straße von Hormus weiterhin gesperrt ist. TUI Cruises hat deshalb nun weitere Kreuzfahrten abgesagt. Was jetzt gilt und was Urlauber tun können, liest du hier.

Warum kommen die Schiffe nicht weg?

Die Straße von Hormus ist der einzige direkte Seeweg aus dem Persischen Golf ins offene Meer. Seit den Entwicklungen im Nahen Osten ist die Passage für Kreuzfahrtschiffe nicht sicher zu befahren. TUI Cruises schreibt dazu klar: „Die Situation zur Öffnung der Straße von Hormus bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt äußerst dynamisch und ungewiss.“

Das bedeutet: Selbst wenn die Straße kurzfristig öffnen würde, bliebe kaum Zeit, die Schiffe rechtzeitig ins Mittelmeer zu bringen. Denn der alternative Weg führt um Afrika herum – das dauert mindestens drei Wochen zusätzlich. Außerdem müssten danach Crews neu zusammengestellt, Verträge abgeschlossen und die Logistik komplett neu koordiniert werden. Das geht nicht von heute auf morgen.

Diese Kreuzfahrten sind abgesagt – die vollständige Liste

TUI Cruises hat inzwischen alle Abfahrten beider Schiffe bis zu folgenden Daten gestrichen:

  • Mein Schiff 4 (liegt in Abu Dhabi):
  • Alle Reisen bis einschließlich Reisebeginn 6. Mai 2026
  • Abgesagt unter anderem: „Wildcat Tattoo Cruise“ (ab/bis Palma, Start 1. Mai) und „Millennium Cruise“ (ab/bis Palma, Start 6. Mai)
  • Nächste geplante Abfahrt im Mittelmeer: ab 10. Mai 2026
  • Mein Schiff 5 (liegt in Doha, Katar):
  • Alle Reisen bis einschließlich Reisebeginn 1. Mai 2026
  • Abgesagt unter anderem: „Vielfalt des östlichen Mittelmeers“ (ab Heraklion, Start 8. Mai)
  • Saisonstart im östlichen Mittelmeer verschiebt sich auf frühestens 1. Mai 2026
  • MSC Cruises:
  • MSC Euribia: Reiseabsagen ab Abu Dhabi seit 1. April 2026
  • Celestyal Cruises:
  • Celestyal Discovery (Dubai) und Celestyal Journey (Doha/Katar) liegen ebenfalls in den jeweiligen Häfen fest – ohne konkreten Abreisetermin

Wird die Maut von 1,7 Millionen Euro fällig?

Ein Detail sorgt in der Branche für Aufregung: In Medienberichten kursiert die Zahl von bis zu 1,7 Millionen Euro pro Schiff als mögliche Gebühr für eine Durchfahrt durch die Straße von Hormus – falls diese unter bestimmten Bedingungen wieder geöffnet wird. TUI Cruises hat sich dazu bisher nicht offiziell geäußert. Für Urlauber ändert das nichts – aber es zeigt, welche enormen wirtschaftlichen Folgen die Lage für die Reedereien hat.

Was passiert mit dem bezahlten Reisepreis?

TUI Cruises hat alle betroffenen Kunden direkt informiert. Der Reisepreis wird den Passagieren auf ihren Kundenkonten gutgeschrieben. Wer eine neue Kreuzfahrt bucht, erhält 10 Prozent Rabatt. Eine direkte Auszahlung ist möglich, wenn keine neue Reise gebucht wird.

Wichtig: Betroffene sollten sich nicht auf automatische Erstattungen verlassen, sondern aktiv beim Kundenservice nachfragen – vor allem wenn die Reise über ein Reisebüro gebucht wurde.

Kommen die Schiffe noch rechtzeitig zur Sommersaison?

Das ist die entscheidende Frage – und die Antwort ist offen. Selbst bei einer baldigen Öffnung der Straße von Hormus wäre die Zeit knapp. Kreuzfahrtexperte Claus A. Blohm schreibt dazu: Weitere Absagen seien praktisch sicher. Wer aktuell auf eine gebuchte Reise hofft, sollte realistisch bleiben.

TUI Cruises hält trotzdem an der Orient-Saison 2026/2027 fest – mit der Mein Schiff Flow, die ab 14. Juni ab Triest zu ihrer Jungfernfahrt aufbrechen soll. Für die Mein Schiff 4 und 5 bleibt die Planung dagegen abhängig von der Lage.

Wer ist besonders betroffen?

Während große Reedereien wie TUI Cruises und MSC finanzielle Reserven haben, um solche Krisen zu überbrücken, sieht die Lage bei kleineren Anbietern deutlich kritischer aus. Celestyal Cruises hat keine große Flotte als Ausweichoption. Jeder Ausfall trifft das Unternehmen direkt – und Versicherungen zahlen in solchen Fällen nicht unbegrenzt.

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