Nach erneutem Brand: Schweinezucht laut Minister vorbildlich
In Siedenbollentin gab es in kurzer Zeit zwei Stallbrände auf dem Gelände einer Schweinezucht - trotz Einhaltung alles Standards, sagt der zuständige Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Foto: Stefan Sauer/dpa
Wieder sind Schweine eines Betriebs in Siedenbollentin bei einem Brand gestorben. Der zuständige Minister betont die Einhaltung aller Standards vor Ort. Was sagt der schleswig-holsteinische Betreiber?
Siedenbollentin. Nach dem zweiten Stallbrand in kurzer Zeit hat der Schweriner Landwirtschaftsminister betont, dass der betroffene Schweinezuchtbetrieb in Siedenbollentin (Mecklenburgische Seenplatte) alle Sicherheitsstandards eingehalten hat. „Wir haben es hier mit einer der modernsten Anlagen, die wir in Deutschland haben, zu tun“, sagte Till Backhaus (SPD) vor Ort.
Auf dem Gelände war am vergangenen Wochenende ein Stall abgebrannt. 28 Sauen starben. Laut Polizei war ein technischer Defekt Ursache - wie schon bei einem Stallbrand im gleichen Betrieb Ende Oktober. Dabei waren nach damaligen Polizeiangaben 70 Tiere gestorben. „Wenn so was passiert, ist es immer eine Tragödie“, sagte Backhaus.
Tierschutzorganisationen erstatten Anzeige
Nach dem neuerlichen Brand hatten die Tierschutzorganisationen Animal Rights Watch und Peta Anzeige gegen den Betreiber erstattet wegen des Vorwurfs, gegen das Tierschutzgesetz verstoßen zu haben.
„Wir respektieren das Engagement von Tierschutzorganisationen und den öffentlichen Diskurs über Tierhaltung“, sagte Dirk Andresen, Eigentümer und Geschäftsführer des Betriebs aus Schleswig-Holstein. Aber pauschale Forderungen, Betriebe zu schließen, würden weder dem Tierwohl noch der Weiterentwicklung der Landwirtschaft helfen.

Erst im Oktober war ein Stall des Betriebs von Dirk Andresen in Siedenbollentin komplett abgebrannt. Foto: Stefan Sauer/dpa
Nach seinen und den Angaben des Schweriner Landwirtschaftsministeriums wurden in den vergangenen Jahren 1,4 Millionen Euro in den Betrieb investiert, laut Andresen in den Bereich Tierwohl. Von 1.800 genehmigten Plätzen seien im Sinne des Tierwohls nur 1.100 belegt, sagte Andresen. Damit erfülle er Standards, die erst in Jahren verpflichtend seien.
Dass sein Betrieb in so kurzer Zeit zweimal betroffen sei, bezeichnete Andresen als einen „einen negativen Lottogewinn“. Beim jüngsten Brand geht Andresen davon aus, dass ein blockierter Lüfter die Ursache war. Dieser sei überhitzt. Es habe dadurch scheinbar einen Zündfunken gegeben. So sei es trotz einer ordnungsgemäßen technischen Überwachung zu dem Feuer gekommen.

Nach Schätzungen des Eigentümers und Geschäftsführers, Dirk Andresen, geht der Schaden in den Millionenbereich. Foto: Stefan Sauer/dpa
Nachdem vergangenes Jahr ein anderer Stall komplett abgebrannt sei, habe man den nun betroffenen Stall zwei Wochen lang mit 15 Menschen im Schichtdienst geputzt, um Rauchspuren zu entfernen. Dass nun dieser Stall auch abgebrannt sei, sei deprimierend. Andresen geht nach eigener Aussage von einem Millionenschaden aus.
Immer wieder Stallbrände
Trotz der für Tierhaltungen im Land geltenden rechtlichen Vorgaben, auf die auch Backhaus nochmals verwies, kommt es in Mecklenburg-Vorpommern wiederholt zu Stallbränden, bei denen Tiere sterben. Im vergangenen Oktober traf es beispielsweise einige Kälber in einem Stall zwischen Schwerin und Ludwigslust. Im Juli starben Tausende Hühner bei einem Großbrand in einem Stallgebäude in Bresegard bei Picher im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Im April verendeten 28 Sauen und neun Ferkel beim Brand einer Schweinemastanlage in Woeten (ebenfalls Ludwigslust-Parchim).
2021 wurden beim Brand einer Schweinestall-Anlage in Alt Tellin (Landkreis Vorpommern-Greifswald) rund 50.000 Tiere getötet. Damals war lange wegen Verdachts der fahrlässigen oder vorsätzlichen Brandstiftung ermittelt worden. „Das ist hier nicht“, betonte Backhaus in Siedenbollentin.