Zähl Pixel
Entwicklung

Smartphone: Krankenkasse warnt vor Sprachstörung bei Kindern

Mehr Texten als Sprechen? Eine Krankenkasse warnt vor Sprachstörungen bei Kindern.

Mehr Texten als Sprechen? Eine Krankenkasse warnt vor Sprachstörungen bei Kindern. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Sprachdefizite bei Kindern nehmen zu: Waus statt Maus und Eddy statt Teddy sind typische Fehler. Eine Krankenkasse macht auf die alarmierende Entwicklung im Smartphone-Zeitalter aufmerksam.

Von dpa Donnerstag, 07.12.2023, 08:05 Uhr

Hannover. Fehlende Wörter, falsche Satzstellungen, weniger Freude am Gespräch: Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern nehmen zu. Die Zahl von Heranwachsenden mit Defiziten sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, teilte die KKH Kaufmännische Krankenkasse in Hannover unter Berufung auf Daten ihrer Versicherten mit.

War den KKH-Daten zufolge 2012 bei jedem 18. Kind bundesweit eine Sprach- und Sprechstörung diagnostiziert worden, so betraf es 2022 fast jedes 12. Auch die Pandemie habe daran einen großen Anteil, weil die Sprachentwicklung bei etlichen Heranwachsenden aufgrund von geschlossenen Kitas und Schulen ins Stocken geraten sei.

Immer mehr Kinder in logopädischer Therapie

„Das Haus bunt ist“, Eddy statt Teddy - viele Kinder ringen um Worte. Das Auslassen oder Tauschen von Lauten zähle ebenso dazu wie falscher Satzbau, ein nicht altersentsprechender Wortschatz, Stottern, Lispeln oder gar Verstummen. Immer mehr Kinder seien in logopädischer Therapie. Der Anteil der betroffenen KKH-Versicherten zwischen 6 und 18 Jahren stieg demnach von 2012 auf 2022 um rund 59 Prozent. Bundesweit seien fast neun Prozent der 6- bis 18-Jährigen betroffen - fast jeder zehnte Junge und rund jedes 15. Mädchen. Am höchsten sei die Steigerungsrate im Zehn-Jahres-Vergleich bei den 15- bis 18-Jährigen mit fast 144 Prozent (Mädchen plus 160 Prozent, Jungen plus 135 Prozent).

„Sprache und Sprechen sind Grundpfeiler für die Entwicklung eines Kindes“, sagt Vijitha Sanjivkumar vom Kompetenzteam Medizin der KKH. „Denn Sprachkompetenz ist einer der Schlüssel, um Bedürfnisse, Gedanken und Gefühle mitzuteilen, sich die Welt zu erschließen, sie zu verstehen und sozial mitzugestalten.“ Zu den Auslösern der Defizite zählten unentdeckte Hörstörungen, genetische Veranlagung und anatomische Gründe wie ein fehlgebildeter Kiefer ebenso wie Probleme in der Familie oder Schicksalsschläge.

Zu wenig Kommunikation mit den Kindern

Ein weiterer Grund: „In vielen Familien wird zu wenig mit dem Nachwuchs kommuniziert, selbst bei den Mahlzeiten nicht“, betont Sanjivkumar. Vielfach gehe das auf das Konto intensiver Nutzung von Smartphone, PC und anderen digitalen Medien. Sie rät Eltern: „Lesen Sie je nach Alter Geschichten vor, fördern Sie das Sprechen über Handpuppen oder Rollenspiele, singen Sie gemeinsam, begleiten Sie Ihr Kind beim Medienkonsum und reden Sie über gemeinsame Erlebnisse, Gedanken und Gefühle.“ Zudem sollten Eltern sich frühzeitig von ihrem Kinderarzt oder ihrer Kinderärztin beraten lassen, auch wenn Menschen ein unterschiedliches Entwicklungstempo haben und sich nicht hinter jeder Auffälligkeit eine tiefgreifende Störung verbirgt.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Pflege im Heim immer teurer - wie lange noch?

Die Pflegeversicherung ist in chronischen Finanznöten - viele Pflegebedürftige sind es aber auch. Denn Zahlungen aus eigener Tasche für Heimplätze gehen weiter hoch. Steuert die Politik bald gegen?

Rutte zu Grönland: „Es gibt noch viel zu tun“

Nach einem Treffen mit Nato-Chef Rutte spricht US-Präsident Trump auf einmal von einem Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung über Grönland. Vieles ist noch unklar. Nun äußert sich Rutte erneut.

Trump will Selenskyj treffen

US-Präsident Trump gibt sich optimistisch bezüglich einer schnellen Beendigung des Kriegs in der Ukraine. Mit einer Aussage ruft er Verwunderung hervor.