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Wildeshauser Gildefest

Schützen wollen Mädchen nicht schießen lassen - Initiative kürt eigene Königin

Nur Jungen dürfen beim Kinderschützenfest mit der Armbrust schießen.

Nur Jungen dürfen beim Kinderschützenfest mit der Armbrust schießen. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Die Initiative „Gilde für alle“ war 2025 mit ihrem Anliegen gescheitert, Mädchen das Schießen auf dem Kinderschützenfest in Wildeshausen zu ermöglichen. Nun bietet sie einen eigenen Wettbewerb an.

Von Janet Binder, dpa Dienstag, 19.05.2026, 16:00 Uhr

Wildeshausen. Viele Menschen in Wildeshausen fiebern lange darauf hin: Am Pfingstsonntag beginnt wieder das traditionelle Gildefest mit Zapfenstreich und Musikfeuerwerk. Am Dienstag danach wird der neue Gildekönig gekürt, fünf Tage später beim Kinderschützenfest der Kinderkönig.

Königinnen wird es nicht geben, denn schießen dürfen nur männliche Personen. Auf der Generalversammlung der Wildeshauser Gilde im Februar 2025 war ein Antrag, das Kinderschützenfest auch für Mädchen zu öffnen, mit Verweis auf die Tradition mehrheitlich von den Mitgliedern abgelehnt worden.

Beim Mädchenwettbewerb wird geworfen statt geschossen

Daher organisiert die Initiative „Gilde für alle“ für 10- bis 14-Jährige am Pfingstmontag ab 14 Uhr einen Alternativwettbewerb. An dessen Ende soll die „erste Kinderkönigin“ geehrt werden. „Im Rahmen unserer Möglichkeiten können wir kein Schießen anbieten, dafür spielen wir „Cornhole““, sagt Hendrik Boldt von „Gilde für alle“. Bei dem Spiel werden mit Granulat oder Mais gefüllte Säckchen auf eine schräge Plattform mit Loch geworfen.

Mädchen dürfen beim Wildeshauser Kinderschützenfest nur als „Ehrendame“ teilnehmen und die Kette des Kinderkönigs polieren.

Mädchen dürfen beim Wildeshauser Kinderschützenfest nur als „Ehrendame“ teilnehmen und die Kette des Kinderkönigs polieren. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

„Wir verstehen das Angebot als kleine Ergänzung zum Kinderschützenfest“, sagt Boldt. Die Gewinnerin erhalte so wie auch der König beim offiziellen Schießen der Jungen eine Medaillenkette. Das Schmuckstück soll vor der Übergabe von einer männlichen Person geputzt werden - als Anspielung darauf, dass die Kette des Kinderschützenkönigs im offiziellen Wettbewerb traditionell von Mädchen poliert wird. „Wir drehen das Ganze einfach mal um“, erklärt Boldt.

Im Anschluss will die Initiative zusammen mit ihren Unterstützerinnen und Unterstützern einen bunten Umzug durch Wildeshausen veranstalten. Dazu sei eine Demonstration angemeldet worden, so Boldt. „Wir wollen weiter dafür werben, dass die Gilde künftig allen Kindern die Teilnahme am Kinderschützenfest ermöglicht.“

Gilde-Oberst: „Dies hier erzeugt sehr viel böses Blut“

Der Oberst der Gilde, Friedrich Ahlers, kritisiert die Veranstaltung der Initiative scharf. Zeitgleich zum nur „hundert Meter entfernten“ Gilde-Familienfest eine Demonstration zu veranstalten, empfinde er als „respektlos“.

„Es ist die Art und Weise, darüber bin ich verärgert“, betont Ahlers. Prinzipiell habe er nichts gegen Demonstrationen: „Das ist ein ganz hohes Gut, das wir haben.“
Wie bei Gildefest dürfen auf dem Kinderschützenfest nur männliche Personen schießen.

Wie bei Gildefest dürfen auf dem Kinderschützenfest nur männliche Personen schießen. Foto: Sina Schuldt/dpa

Allerdings verstehe er nicht, warum der Mehrheitsentscheid der Generalversammlung gegen eine Mädchenbeteiligung beim Kinderschützenfest nicht akzeptiert werden könne. „Dies hier erzeugt sehr viel böses Blut“, sagt er mit Blick auf die Veranstaltung von „Gilde für alle“.

Initiative möchte neue Tradition für Mädchen schaffen

Boldt verweist dagegen darauf, dass die Demonstration zeitlich so gelegt worden sei, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Anschluss noch beim Familiennachmittag der Gilde mitfeiern könnten. „Wir wollen einfach etwas Neues kreieren.“ Möglicherweise könnte sich so in den nächsten Jahren eine neue Tradition für Mädchen entwickeln.

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