TWo Esmeralda die Wahrheit vorhersagt
Bis Heiligabend öffnet das TAGEBLATT 24 Türen, die sonst verschlossen sind – und erzählt die spannenden Geschichten dahinter. Hinter dieser Tür liegt kein Schnee – auch wenn es im ersten Moment so wirkt.
Das klingt nach Mythen, Übersinnlichem und der unberechenbaren Zukunft: Wenn Esmeralda Blume zur Tat schreitet und das Wort ergreift, wird es aufregend. Doch wie sieht es eigentlich im Inneren des Wagens der Wahrsagerin aus?
Roter Plüsch und goldene Applikationen herrschen vor. Das Licht ist gedämpft. An zwei Tichen stehen sich Stühle gegenüber, auf dem rechten ist die weiße Kugel der Wahrsagerin positioniert. Gibt ihr Inneres den ratssuchenden Menschen Hinweise auf das, was ihnen in der Zukunft widerfahren wird?
Koryphäe erneut zu Gast in Stade
Esmeralda Blume ist eine Koryphäe. Bereits in fünfter Generation ist sie Wahrsagerin und legt Karten oder liest aus der Hand, um Menschen etwas über ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu sagen. Mit Anfragen aus Berlin, Magdeburg und zuletzt Dubai, ist sie mit ihren Fähigkeiten und ihrem mobilen Wagen international gefragt und ist nach einem ersten Besuch im Oktober erneut zu Gast in Stade.
Am häufigsten ist sie auf dem Hamburger Dom anzutreffen, ein Ort, an dem auch ihre Mutter über viele Jahre tätig war, die mittlerweile legendär ist – Film, Buch und mehrere Zeitungsartikel erzählen ihre Biografie: Als 1928 in Lodz geborene Sinti überlebte sie das KZ Bergen-Belsen, weil sie den Nazis eine positive Zukunft vorhersagte. Trotz der Schreckenserlebnisse verzieh Mama Blume, so ihr Künstlerinnen-Name, den Nazis, konnte deren Taten jedoch nie vergessen. Als Grande Dame der Wahrsagerei, sie verstarb 2019, gilt sie noch heute als Vorbild und Lehrerin vieler Wahrsagerinnen.
Ein Blick in den Wagen der Wahrsagerin Esmeralda . Foto: Esmeralda Blume
Wagen vor dem Kunsthaus
Ihre Tochter Esmeralda Blume hat die Wahrsagekunst aus erster Hand von ihr gelernt. Anlässlich der Ausstellung im Kunsthaus Jacoba van Heemskerck „Kompromuisslos modern“ ist sie von den Museen Stade eingeladen. Nach dem enormen Andrang im Oktober, wird Esmeralda Blume ihren Wagen nochmals vor dem Museum platzieren: Vom 7. bis 9. Januar kann jeder, unabhängig von einem Museumsbesuch, zwischen 12 und 19 Uhr für eine Session unter vier Augen zu ihr kommen. Der Wagen steht vor dem Museum, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Coupon einer Session reduziert den Eintritt zur Ausstellung um die Hälfte.
Jacoba van Heemskerck lebte vor 100 Jahren zu einer Zeit, in der das alte Weltbild des Wilhelminischen Kaiserreichs und das der Kirche erschüttert wird. Die Anthroposophie Rudolf Steiners, die Theosophie und auch okkulte Verbünde wie die der Geheimlogen suchen nach einem neuen Zugang zur Wirklichkeit.
Van Heemkerck befasste sich intensiv mit ihren Theorien und ist selbst in diesen Bewegungen aktiv. Wie heute unter anderen Vorzeichen ging es darum, die weltlichen Zusammenhänge und das Menschsein neu zu definieren. Mit der Einladung von Esmeralda Blume befragen die Museen Stade verschiedene Zugänge zur Wirklichkeit und rücken nach wie vor aktuelle Themen, wie Wahrheit, Zukunft und Vision in den Fokus. (st)
Adventsserie
Das TAGEBLATT blickt in der Adventszeit hinter verschlossene Türen. Bis einschließlich Heiligabend stellt die Redaktion im Dezember 24 Orte und ihre Geschichte vor.
Ein Blick in den Wagen der Wahrsagerin Esmeralda . Foto: Esmeralda Blume