20.10.2017, 00:01
Evakuierung: Gaswolke über der Elbe bei Stade-Abbenfleth
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... es stellt sich mir die Frage, wo war eigentlich die ganze Zeit die Crew des Tanker? Ein Rettungsversuch aus der Gefahrenlage ist nicht beschrieben worden. (...)

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STADE. Auf der Elbe bei Abbenfleth trat am späten Donerstagabend wegen einer defekten Pumpe aus dem Gastank des Tankers "Bow Guardian" ein explosives Propylen-Gemisch aus. Die Gaswolke breitete sich rund um das Schiff aus. Zwischenzeitlich mussten 150 Anwohner aus der Siedlung am Deich ihre Häuser verlassen.


Von Daniel Beneke und Björn Vasel

Alarm am Abbenflether Hafen: Die Besatzung eines Bunkerschiffes hatte bemerkt, wie sich über dem Tanker Bow Guardian eine Gaswolke bildete. Sie alarmierte die Wasserschutzpolizei. Ortsbrandmeister Heiko Cordes von der Feuerwehr Bützfleth sollte die Lage erkunden. Er sah die Wolke und löste Großalarm aus. Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Bützfleth, Bützflethermoor, Stade und Assel rückten aus. Die Schiffsbrandbekämpfungseinheit der Stader Feuerwehr, der Fachzug Messen und Spüren sowie der Umweltzug und der Fernmeldezug der Kreisfeuerwehr machten sich ebenfalls auf den Weg. Die Besatzung des Feuerlöschschleppers Bützfleth machte sich einsatzbereit.

Sie sperrten den Hafenbereich weiträumig ab, eine 1000-Meter-Sperrzone wurde eingerichtet. Auch ein Großteil der Feuerwehrleute musste sich aus Sicherheitsgründen zunächst hinter dem Deich postieren, da nicht klar war, aus welchem Grund und in welchem Umfang das tiefgekühlt in den Tanks des Schiffes gelagerte Gasgemisch ausgetreten war. Am Nachmittag hatte die Bow Guardian einen Teil ihrer maximal 900 Tonnen Gasladung bei der Dow entladen, sie war daraufhin mit einer Restladung von rund 350 Tonnen auf Reede gegangen. In Grauerort parken die Schiffe, bevor oder nachdem sie bei der Dow entladen werden.

Feuerwehren können nur vom Land aus messen

Den Feuerwehrleuten waren die Hände gebunden. Lediglich der Bützflether Feuerlöschschlepper lässt sich gasdicht machen. Ansonsten verfügen die Einsatzkräfte über keine Möglichkeit, sich dem Havaristen zu nähern. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als an Land Messungen vorzunehmen, um eine mögliche Gaskonzentration in der Luft nachzuweisen. Hierbei halfen ihnen Spezialisten der Analytic Task Force vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe aus Hamburg. Der Kapitän drehte sein Schiff, damit das Gasgemisch mit dem Wind möglichst weit vom Festland wegtreibt. Es ist schwerer als Luft und trieb daher auf dem Wasser.

Über die App Nina und den Rundfunk baten Feuerwehr und Polizei die Anwohner in Barnkrug, Assel, Abbenfleth und Kreuel, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Sicherheitshalber evakuierten sie die Wohnhäuser in Deichnähe. 150 Anwohner aus Abbenfleth fanden Unterschlupf im Bützflether Feuerwehrhaus, wo sie von den Johannitern und der Rotkreuz-Bereitschaft versorgt worden sind. Es gab Bratwurst und Kaffee. Die jüngeren Abbenflether saßen an Bierzeltgarnituren, für die älteren Betroffenen stellten die Ehrenamtlichen Feldbetten auf. Anwohnerin Regina Strauß war gerade von der Spätschicht im Marktkauf Horneburg nach Hause gekommen und wollte sich schlafen legen. Da standen die Einsatzkräfte vor der Tür. Mit in der Nachbarschaft wohnender Verwandtschaft ging es für sie in die Notunterkunft. „Die Feuerwehr hat uns gut informiert, das lief wunderbar“, sagt Strauß.

Zwischenzeitlich stellte sich heraus, dass eine defekte Pumpe an Bord des Schiffes für den Gasaustritt verantwortlich war. Nachdem mehr Gas entwichen und der Druck auf den Tanks nicht mehr so stark war, konnte die Besatzung beginnen, mit Bordmitteln die Pumpe zu reparieren. Auf der Bundeswasserstraße hat der Kapitän die Hoheit über sein Schiff; er sah sich in der Lage, das Problem ohne fremde Hilfe zu lösen. Der 120 Meter lange LPG-Tanker fährt unter der Flagge Maltas. Die Besatzung blieb unverletzt.

Um 2.30 Uhr war die Gefahr gebannt. Die Messergebnisse lagen vor. Nach Angaben von Feuerwehrsprecher Stefan Braun konnten an den zehn Messpunkten keine Gaskonzentrationen festgestellt werden. Daher durften die Abbenflether wieder in ihre Häuser zurückkehren.

Leserbrief



Kommentare
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Jan Oltmann schrieb am 20.10.2017 15:44

... es stellt sich mir die Frage, wo war eigentlich die ganze Zeit die Crew des Tanker? Ein Rettungsversuch aus der Gefahrenlage ist nicht beschrieben worden. Ich hoffe, man hat sie nicht vergessen, bei dem Bemühen die Bevölkerung zu schützen.

Jochen Mextorf schrieb am 20.10.2017 13:44

Wenn am Pumpenkörper Undichtigkeiten entstehen, nützen keine Absperrventile.

Hans Schmidt schrieb am 20.10.2017 09:42

Ja, danke an die Ehrenamtlichen. Es stellt sich aber die Frage, ob die Sicherheitseinrichtungen auf dem Tanker ausreichten. Gab es vor und hinter dem Motor keine Absperrventile? schließen sich solche bei einem Defekt nicht automatisch oder können diese nicht von der Brücke geschlossen werden, oder konnten sie nicht geschlossen werden? und wenn nein, warum nicht? waren sie defekt? oder wird ein solcher Standard auf Gifttankern nicht für erforderlich gehalten? Fehlt auf Tankern ein redundantes System? Mein Vertrauen in die uns Bürger schützenden Regeln ist jedenfalls erschüttert und auch das in die Überwachungsbehörden. Hans Schmidt

Heiko Söhl schrieb am 20.10.2017 07:04

Und Danke an die Ehrenamtlichen der Feuerwehren für ihre tägliche Bereitschaft zu helfen!

Jochen Mextorf schrieb am 20.10.2017 03:57

Interessant. Eine Dichtung an der Pumpe war defekt? Einen Dank an die nächtens tätigen Redakteure.

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