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Pandemie

TWeiterer Todesfall, mehr Klinikpatienten, höhere Inzidenz: Die Corona-Lage im Kreis Stade

Auf der Isolierstation im Elbe Klinikum Stade. Foto: Daniel Hajduk

Auf der Isolierstation im Elbe Klinikum Stade. Foto: Daniel Hajduk

Nachdem der Kreis Stade am Wochenende keine Corona-Fälle an das Robert Koch-Institut (RKI) übermittelt hatte, schnellt der Inzidenzwert am Dienstag durch die Nachmeldungen nach oben. Außerdem meldet der Landkreis einen weiteren Todesfall.

Dienstag, 05.07.2022, 10:01 Uhr

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet am Dienstag für den Landkreis Stade 1255,9 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen (Stand: 5. Juli, 3.14 Uhr). 638 neue Corona-Fälle übermittelte das Gesundheitsamt. Am Montag lag der Sieben-Tage-Wert nach dem Meldeverzug am Wochenende mit 1085 knapp über der 1000er-Marke. Zum Vergleich: Am Dienstag vor einer Woche verzeichnete der Landkreis einen Inzidenzwert in Höhe von 1417.

Der Landkreis Stade liegt in Niedersachsen auf Platz 2, was das Infektionsgeschehen angeht: Der Landkreis Verden lag mit einer Inzidenz von 1273,5 weiter an der Spitze im Vergleich der niedersächsischen Kommunen. Mit einer Inzidenz von 966,7 wies Niedersachsen weiterhin die zweithöchste Inzidenz im Vergleich der Bundesländer aus, nur der Wert für Schleswig-Holstein (1052,1) liegt noch höher.

Ein weiterer Corona-Patient ist nach Landkreis-Angaben verstorben. "Die Person war 97 Jahre alt und verstarb an Covid19 [sic!] im Krankenhaus", teilte Sprecherin Nina Dede mit. Zum Impfstatus liegen demnach keine Informationen vor.

27 Covid-19-Patienten in den Elbe Kliniken

In den Elbe Kliniken in Stade und Buxtehude werden mit Stand vom Dienstag 27 Corona-Patienten behandelt, das sind drei mehr gegenüber dem Vortag; drei von ihnen auf der Intensivstation (+1; Quelle: FRL Stade).

Inzidenzwerte in den Nachbarkreisen

  • Cuxhaven: 952,1
  • Harburg: 986,3
  • Rotenburg: 1217,1

(Stand 5. Juli, 3.14 Uhr, Quelle: RKI)

Deutschlands Inzidenz liegt bei 687,7

Das Robert Koch-Institut hat die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Dienstagmorgen mit 687,7 angegeben. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 5.16 Uhr wiedergeben. Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 650,7 gelegen (Vorwoche: 635,8; Vormonat: 257,6). Allerdings liefert die Inzidenz kein vollständiges Bild der Infektionslage. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt 147.489 Corona-Neuinfektionen (Vorwoche: 142.329) und 102 Todesfälle (Vorwoche: 113) innerhalb eines Tages. Vergleiche der Daten sind auch hier wegen des Testverhaltens, Nachmeldungen und Übermittlungsproblemen nur eingeschränkt möglich. Generell schwankt die Zahl der registrierten Neuinfektionen und Todesfälle deutlich von Wochentag zu Wochentag, da insbesondere am Wochenende viele Bundesländer nicht ans RKI übermitteln und ihre Fälle im Wochenverlauf nachmelden. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 28.542.484 nachgewiesene Infektionen mit SARS-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. 

Personalausfälle in Krankenhäusern bereiten Sorge

Der zunehmende Ausfall von Klinikpersonal durch die Corona-Sommerwelle lässt bei Krankenhäusern und Medizinern die Besorgnis wachsen. „Aus allen Bundesländern erreichen uns Meldungen, dass einzelne Stationen und Abteilungen auch wegen Personalmangel abgemeldet werden müssen“, sagte der Vorstandschef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag). Zeitweise würden auch Notaufnahmen bei den Rettungsleitstellen abgemeldet. „Diese Situation besorgt uns erheblich mit Blick auf den bevorstehenden Herbst.“

Der wissenschaftliche Leiter des Intensivbettenregisters, Christian Karagiannidis, sagte der „Rheinischen Post“ (Dienstag): „Die Intensivbelegung steigt zwar nur moderat, allerdings ist die Belegung für einen Sommer relativ hoch, und die zur Verfügung stehenden Betten werden auf Grund des Personalmangels immer weniger.“ Daher sei jetzt die Zeit zu nutzen, um Kapazitäten optimal zu verteilen. „Hierzu gehören regionale Netzwerke zur bestmöglichen Patientenverteilung nach Versorgungsstufe. Kooperation, aber auch Entlastung des Personals wird in diesem Herbst und Winter das Gebot der Stunde“, sagte Karagiannidis, der auch im Expertenrat der Bundesregierung sitzt.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen rief angesichts gestiegener Infektionszahlen dazu auf, in Innenräumen Masken zu tragen. Dass dies vielfach nicht der Fall sei, mache es dem Virus „superleicht“, sagte Dahmen im ARD-„Morgenmagazin“ am Dienstag. Der Grünen-Politiker betonte, jeder kenne in seinem Umfeld aktuell Menschen, die erkrankt seien. Man sehe, dass viel Personal in Krankenhäusern fehle. Auch sei mancher Sommerurlaub in Gefahr, weil etwa Beschäftigte bei Fluggesellschaften ausfielen.

Grünen-Gesundheitsexperte fordert Kampagne für zweiten Booster

Dahmen forderte ferner eine Kampagne im Sommer für zweite Auffrischimpfungen. Diese sollten nicht nur bei über 70-Jährigen, sondern auch flächendeckend bei Menschen über 60 Jahren und mit Vorerkrankungen vorgenommen werden. Auch sollte geprüft werden, ob nicht alle Erwachsenen diese vierte Impfung erhalten sollten, um mit „frischem Impfschutz“ besser im Herbst geschützt zu sein als in den vergangenen Jahren.

GEW: Schulschließungen im Herbst vermeiden

Die Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Maike Finnern, forderte Rechtsgrundlagen für Masken- und Testpflichten, um Schulschließungen im Herbst zu vermeiden. „Dazu gehört die Möglichkeit einer Maskenpflicht, wenn die Infektionszahlen weiter stark steigen. Dazu gehört aber auch die Möglichkeit, bei hohen Sieben-Tage-Inzidenzen wieder regelmäßige Tests in den Bildungseinrichtungen einzuführen“, sagte sie dem RND. Man müsse alles dafür tun, erneute Schul- und Kitaschließungen zu verhindern.

Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, erwartet bei hohem Infektionsgeschehen wieder Schließungen einzelner Lerngruppen oder Schulen, wie er dem RND sagte. Beckmann forderte daher, dass alle Schulen digital so ausgestattet sind, dass Schülerinnen und Schüler auch bei notwendigem Distanzunterricht digital erreichbar sind.

Im Streit über die Abrechnung der sogenannten Bürgertests haben sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) geeinigt. Das teilten beide am Montagabend nach Gesprächen mit. An den neuen Regeln zu den Bürgertests ändere sich nichts. Die Bürgertests sind seit vergangenem Donnerstag nur noch für bestimmte Risikogruppen und Anlässe kostenlos. In vielen anderen Fällen wird eine Zuzahlung von drei Euro fällig. (dpa/fe)

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