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24-Stunden-Reportage: Mit 360 PS auf dem Rapsfeld unterwegs

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Das Schneidwerk des Mähdreschers verschlingt die Rapspflanzen Quadratmeter für Quadratmeter. Die 360-PS-Maschine ist umgeben von einer riesigen Staubwolke, es riecht nach frisch gemähtem Getreide.

Von Annika Nowottny Sonntag, 22.07.2018, 20:00 Uhr

Das Lohnunternehmen Fick aus Nottensdorf hat jetzt alle Hände voll zu tun. Alle fünf Mähdrescher sind im Einsatz. Die Getreideernte hat begonnen. Drei Wochen früher, als in anderen Jahren.

Um auf den Mähdrescher zu kommen muss eine steile Leiter erklommen werden. Mit Kamera, Schreibblock, Stift und Tasche in der Hand, ein nicht ganz leichtes Unterfangen für die Redakteurin. Es ist laut und staubig. Doch kaum ist die gläserne Tür richtig geschlossen, ist es plötzlich ruhig. Die Klimaanlage sorgt für eine angenehme Temperatur. Richtig gemütlich sitzt es sich auf dem Beifahrersitz neben Christian Tiemann. Durch die bodentiefen Fenster kann er genau beobachten, wie die einzelnen Halme erst gekämmt und anschließend abgeschnitten werden.

Die schwarzen Rapssamen werden aus den Schoten heraus gedroschen und in den Tank transportiert. Ein Fenster hinter dem Fahrersitz eröffnet den Blick in den bereits relativ vollen Korntank. Durch ein Sieb und mithilfe von Wind werden fast alle unerwünschten Pflanzenteile hinten aus der Maschine wieder heraus geblasen und landen auf dem Feld. In der Fahrerkabine hängt rechts oben ein Monitor auf dem Christian Tiemann den Vorgang beobachten kann.

Sein Bruder und Juniorchef Benjamin Tiemann steht auf dem schon halb abgeernteten Rapsfeld zwischen Horneburg und Issendorf und schaut den beiden Mähdreschern bei der Arbeit zu. Die Sonne brennt. Auch um 18 Uhr sind es noch 30 Grad. Perfektes Erntewetter. Das Lohnunternehmen ist komplett in Familienhand. Auf dem einen Mähdrescher sitzt Christian Tiemann (28), der Bruder von Benjamin (31). Und auch Bruder Nummer drei, Moritz Tiemann (19), arbeitet im Betrieb. Alle drei sind Landmaschinenmechaniker. Der jüngste Bruder des Vierergespanns Felix ist zehn Jahre alt und geht noch zur Schule. Die Rasselbande hält Vater Karsten Tiemann zusammen. Jeder wisse, was er zu tun hat. „Wir sehen alle die Arbeit, viel reden müssen wir eigentlich nicht“, sagt Christian Tiemann.

Streit gebe es deshalb kaum. Langsam ziehen die zwei Kolosse ihre Bahnen und lassen nur etwa 30 Zentimeter lange Halme stehen. Das 20 Hektar große Feld soll heute noch abgeerntet werden. Gearbeitet wird solange, bis es entweder regnet, der Morgentau das Ernten erschwert oder bis alles abgeerntet ist. Drei Wochen im Jahr arbeiten die Angestellten oft bis tief in die Nacht. „In diesem Jahr haben wir eigentlich weniger Stress“, sagt Benjamin Tiemann. Das Wetter ist dauerhaft gut. Bei verregneten Sommern wie im letzten Jahr bleibt dem Lohnunternehmen nur ein kurzes Zeitfenster, um die Ernte einzubringen. Was für den Lohnunternehmer gut ist, ist für die Landwirte schlecht. Der trockene Sommer sorgt für wenig Ernteerträge in diesem Jahr. Die Landwirte wünschen sich sehnlichst den Regen.

„Die Kornfeuchte liegt in diesem Jahr bei 8,3 Prozent“, sagt Benjamin Tiemann, der für die Disposition und die Werkstatt im Unternehmen zuständig ist. Das sei positiv. Das Korn müsse bei so einer geringen Feuchte nach der Ernte nicht mehr getrocknet werden. „Im letzten Jahr mit dem verregneten Sommer sah das ganz anders aus“, sagt Tiemann.
Das Lohnunternehmen erntet Felder im Landkreis Stade zwischen Aspe, Harsefeld, Sauensiek, Agathenburg und bis ins Alte Land. „Eine ziemlich große Fläche“, sagt Benjamin Tiemann. Klar käme man sich da auch mit anderen Lohnunternehmen ins Gehege. „Aber jeder hat eben seine eigenen Kunden.“

Laut der Landwirtschaft Kammer Niedersachsen gibt es fast 50 000 Hektar Ackerfläche im Landkreis Stade. Auf 12 343 Hektar wird Getreide angebaut. Davon sind 5273 Hektar Weizen. 2688 Hektar Raps gibt es auf den Feldern. Zum Vergleich der Spitzenreiter: 18 751 Hektar Mais bauen die Landwirte im Landkreis Stade an. Vom Mähdrescher aus hat der Fahrer das 20 Hektar große Feld gut im Blick. Es lässt sich der zweite Mähdrescher beobachten, der gerade den zweiten Abschnitt des Rapsfeldes umrandet. Er sagt der Maschine, in welchem Bereich sie sich bewegen darf. Danach kann er sich zurücklehnen. Das Fahrzeug wird per GPS gesteuert. Er muss nur noch selten selbst fahren. Zum Beispiel wenn der Tank voll ist. Christian Tiemanns Mähdrescher ist etwas älter. Hier lenkt der 28-Jährige noch selbst. Konzentriert schaut er auf die Rapspflanzen vor ihm. Dass der Grundoldendorfer bei bestem Wetter arbeiten muss, stört ihn nicht. „Meine Freunde sind auch alle dabei“, sagt er. Die Firma Fick hat ein recht junges Team. Zwischen 19 und 31 Jahren sind die Kollegen, die gleichzeitig auch Freunde, Brüder und Nachbarn sind. „Sie kommen alle bei uns aus dem Dorf“, sagt Christian Tiemann.

„Eigentlich freuen wir uns immer auf die drei Wochen im Jahr.“ Mähdreschen sei seine Lieblingsbeschäftigung. „Das Wetter ist immer gut, man sieht abends, was man geschafft hat und es macht Spaß so eine große Maschine zu bedienen“, sagt der 28-Jährige. Seinem Bruder geht es genauso. „Das ist eine große Verantwortung, die man da hat“, sagt Benjamin Tiemann. „Zehn bis elf Monate pflegen die Landwirte an ihren Feldern rum und in wenigen Stunden mähen wir alles wieder ab“, sagt er.

Mit fünf bis sechs Kilometern pro Stunde fährt Christian Tiemann über das Feld. Wenn er zu schnell fährt, kommt die Maschine mit dem Dreschen nicht hinterher. Verluste bei der Ernte wären die Folge. Am Rand des Feldes steht ein Jäger mit seinem Gewehr. Er grüßt freundlich. „Die Jäger kommen oft“, sagt Christian Tiemann. In den Feldern verstecken sich viele Wildschweine. Sie flüchten sobald der Mähdrescher ihr Versteck Bahn für Bahn verkleinert. Das ist dann die Chance für den Jäger, die schwer zu jagenden Wildschweine zu schießen. „Das ist fast eine Plage im Moment“, sagt Benjamin Tiemann. Zurzeit gebe es sehr viele Wildschweine im Landkreis Stade. Es piept im Fahrerhäuschen von Christian Tiemann. „Der Korntank ist jetzt drei viertel voll“, erklärt er. Nach der nächsten Bahn fährt der 28-Jährige zum Anhänger, der am Rand des Feldes steht. Über ein langes Rohr fallen Millionen schwarze Körner auf den Anhänger.

Die Tür geht auf. Der Staub ist wieder da, die lauten Motorengeräusche auch. Christian Tiemann verabschiedet sich und dreht mit dem Mähdrescher ab. Bloß keine Zeit verlieren. Bis Mitternacht zieht er jetzt noch seine Bahnen. Wenn er Feierabend hat und mit seinen Kollegen und Kumpels den Tag Revue passieren lässt, weiß der 28-Jährige, was er getan hat. Zwölf Stunden am Stück saß Christian Tiemann auf dem Mähdrescher. Pausen kennt er nicht. Christian Tiemann lacht: „Essen haben wir dabei. Für Pausen ist die Zeit zu schade.“

Für die Serie „24 Stunden: Reportagen rund um die Uhr“ verbringen TAGEBLATT-Redakteure je eine Stunde an einem Ort in der Region. Start und Ende der Serie ist 0 Uhr, was 24 Stunden und damit 24 Serienteile ergibt. Und das sind die Folgen:

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