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Historie

50 Jahre Flut: Gedenken, Geschichten und historische Seiten aus dem Kreis Stade

Das TAGEBLATT erschien am Sonntag, 4. Januar 1976, mit einem Extrablatt zur Sturmflut. Auch in den nächsten beiden regulären TAGEBLATT-Ausgaben damals dominierte das Thema natürlich die Berichterstattung.

Das TAGEBLATT erschien am Sonntag, 4. Januar 1976, mit einem Extrablatt zur Sturmflut. Auch in den nächsten beiden regulären TAGEBLATT-Ausgaben damals dominierte das Thema natürlich die Berichterstattung. Foto: Finnern

Am Nachmittag des 3. Januar 1976 brachen die Deiche, Wassermassen fluteten das Hinterland. Das TAGEBLATT blickt zurück - inklusive historischer Zeitungsseiten von damals.

Von Redaktion Samstag, 03.01.2026, 07:50 Uhr

Landkreis. Als die Kehdinger und Altländer um ihre Deiche kämpften, war die verheerende Flut von 1962 mit Deichbrüchen und Toten noch in den Köpfen. Seitdem waren das Ostesperrwerk und Sperrwerke an der Schwinge und in Abbenfleth gebaut worden. Ein neuer Vordeich schützte Bützflethersand. Im Westen von Nordkehdingen war der zehn Kilometer lange Vordeich fertig. Im Alten Land war der Deich verstärkt worden.

Die Elbinsel Krautsand aber hatte noch keinen Schutzwall. Drochtersen lag hinter dem alten, nicht mal sechs Meter hohen Elbdeich. Das Wasser aber erreichte 5,76 NN. Das Überlaufen und drei Grundbrüche waren die Folge. Behörden, Katastrophenschutz, Feuerwehren und die angeforderte Bundeswehr kämpften mit voller Kraft, um Schlimmeres zu verhindern.

TAGEBLATT-Reporter: Wenn die Erde „wie Pudding wegflutscht“

Auch die TAGEBLATT-Reporter schwärmten aus. Sie waren in Notunterkünften in Drochtersen und Himmelpforten und standen auf weichen Deichen.

Heiko Tornow aus Buxtehude war damals einer von ihnen. Er hatte den Auftrag, sich die Gefahr in Cranz aus der Nähe anzusehen. „Ich machte mit meiner Kamera einige Bilder von der Elbe und den besorgten Cranzer Bürgern“, erinnert er sich. „Zur selben Zeit war in der Haseldorfer Marsch bereits der Deich an zahlreichen Stellen gebrochen, und in Kehdingen ertranken im hereinstürzenden Wasser Rinder, und die Menschen fürchteten um Haus und Hof und Leben. Von all dem wusste ich nichts.“

Tornow blieb auf dem Deich und sah, dass der Pegel weiter stieg. „Die Elbe kroch hier und da, angetrieben von Nordweststurm, über die Deichkrone. ,Der wird weich, wenn das so weitergeht‘, warnte einer von der Cranzer Feuerwehr.“ Noch heute habe er dieses ungemütliche Gefühl in den Beinen, „dass die Erde, auf der man steht, gleich wie ein Pudding wegflutscht“, so der Reporter.

Mahnung für die Zukunft: Was Küstenschutz bedeutet

Aber der Deich im Alten Land hielt. „Die Deichbrüche elbabwärts hatten eine Menge Druck aus dem System genommen“, so der Journalist.

„In der Redaktion gab es noch in der Nacht die Absprache mit den Kollegen in Stade: Wir kommen in der Früh alle zum Pressehaus und machen ein Extrablatt.“ Der Blick zurück ist auch die Mahnung für die Zukunft, was Küstenschutz bedeutet.

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