„Erster Angriff seit Ansiedlung“: Wolf beißt Frau in Einkaufspassage
Ein Wolf verletzt eine Frau in der Einkaufsmeile Große Bergstraße. (Symbolbild) Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Ein Wolf hat in Hamburg eine Frau gebissen – und das nicht in freiem Gelände, sondern in einer Einkaufspassage. Das Tier sei jetzt sicher untergebracht, erklärt die zuständige Behörde.
Hamburg. Der Wolfsangriff auf eine Frau in Hamburg-Altona hat sich nach Angaben der Umweltbehörde in einer Einkaufspassage ereignet. Bei dem Wolf habe es sich um das Tier gehandelt, das in den Tagen zuvor im Westen der Stadt gesichtet worden sei. Es habe in der Passage in der Großen Bergstraße eine Passantin gebissen. „Der betroffenen Frau wünschen wir eine gute Genesung“, hieß es.
„Es gab noch keinen solchen Fall seit der Wiederansiedlung seit 1998“, sagte eine Sprecherin des Bundesamts für Naturschutz der Deutschen Presse-Agentur.
„Der Wolf ist sicher untergebracht und wird derzeit tiermedizinisch versorgt“, hieß es weiter. Über den weiteren Verbleib des Tieres werde die Umweltbehörde zeitnah und in enger fachlicher Abstimmung entscheiden.
Wie es zu dem Vorfall kam, sei noch nicht abschließend geklärt, sagte ein Sprecher der Hamburger Umweltbehörde.
Tier wurde aus der Alster gezogen
Das Tier - nach Angaben der Behörden ein Wolf - war am späten Abend in der Hamburger Innenstadt eingefangen worden: Am Anleger an der Binnenalster zog die Polizei es mit einer Schlinge aus dem Wasser, wie ein Sprecher des Lagezentrums am Abend schilderte.
Man sei dabei, alle Fakten über das Tier zusammenzutragen, sagte der Sprecher der Umweltbehörde. Die Behörde werde sich im Laufe des Tages äußern.
Ob es sich bei dem eingefangenen Tier um jenen Wolf handelt, der am Wochenende unter anderem im Stadtteil Blankenese gesehen worden war, ist laut Polizei noch nicht sicher. Ein Sprecher der Leitstelle sagte, man halte es für wahrscheinlich, da nicht von mehreren dieser Tiere im Stadtgebiet ausgegangen werde.
Vermutlich junges Tier auf der Suche nach einem eigenen Revier
Die ersten Sichtungen des Tieres waren Angaben von Montag zufolge am Samstag in zwei Parks oberhalb des Falkensteiner Ufers gemacht worden. Am Sonntagvormittag sei der Wolf im Bereich des S-Bahnhofs Othmarschen beobachtet worden, am Nachmittag im Bereich des Stadtteils Nienstedten.
Das Tier soll ein noch recht junger Wolf sein. „Nach Experteneinschätzung handelt es sich bei dem Tier höchstwahrscheinlich um einen Welpen in der Abwanderungsphase von seinem Rudel“, hieß es am Montag weiter. In dieser Phase legen die Tiere meist weite Strecken zurück. Auf der Suche nach einem eigenen Revier sei der Wolf wohl „versehentlich so weit in das Stadtgebiet gelaufen“, dass er nun nach einem Weg aus der Stadt suche.
Mittlerweile viele Wölfe in Deutschland
Der Wolfs-Experte der Deutschen Wildtierstiftung, Klaus Hackländer, hält es nach den derzeitigen Informationen für realistisch, dass es sich bei dem Tier tatsächlich um einen Wolf handelte. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wolf in eine Siedlung oder sogar in eine Stadt geht, ist groß aufgrund der hohen Anzahl an Wölfen, die wir mittlerweile haben.“
Rund 150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Erst nach dem Mauerfall kamen mehrere Tiere über Polen nach Deutschland zurück. Heute streifen Wölfe durch die Wälder zahlreicher Bundesländer.
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