Frost und Käfer setzen dem Raps im Norden zu
Eine Bekämpfung der Käfer sei nur eingeschränkt möglich, sagt Landwirt Mathis Müller. Foto: Christian Charisius/dpa
Rapsanbau wird zum Risiko: Schädlingsbefall, fehlende Blütenpracht und schärfere Insektizidregeln setzen Schleswig-Holsteins Bauern unter Druck.
Groß Offenseth-Aspern/Rendsburg. Beim Raps läuft es in diesem Jahr nicht, wie erhofft. Jedenfalls nicht bei Landwirt Mathis Müller in Groß Offenseth-Aspern im Kreis Pinneberg. Im Herbst richtete der Raps-Erdfloh Schäden an. Jetzt zur Blüte ist es der Raps-Glanzkäfer, der die Knospen schädigt. Eine Bekämpfung sei nur eingeschränkt möglich, sagt Müller. Auch der Frost dürfte Schaden angerichtet haben, vermutet er.
Mindestens 50 Prozent Einbuße erwartet
„Mittlerweile gibt es leider sehr starke Beschränkungen, insbesondere im Bereich der Insektizide. Es ist aus politischer Willkür vor ein paar Jahren eine ganze Wirkstoffklasse weggestrichen worden“, kritisiert der Landwirt. „Deswegen haben wir gerade mit diesen beiden Schadinsekten im Rapsanbau ein ganz massives Problem.“ Müller schätzt, dass sein Raps in diesem Jahr, wenn es gut läuft, nur noch die Hälfte des potenziellen Ertrags bringen werde. Auch ein Totalausfall sei nicht ausgeschlossen.
Müller bewirtschaftet 255 Hektar, davon 135 Hektar Ackerland, mit in diesem Jahr etwa 40 Hektar Raps. Er nennt den Rapsanbau inzwischen ein Risikogeschäft, denn das Problem mit dem Käferbefall sei von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich. Daher wisse er nicht, in welchem Umfang er künftig noch auf Raps setzen werde. „Wir werden wahrscheinlich die Fläche reduzieren, aber den Raps komplett aus der Fruchtfolge herausnehmen, werden wir nicht machen, weil er pflanzenbaulich unbedingt notwendig für das nachfolgende Getreide ist.“

Müller bewirtschaftet 255 Hektar, davon 135 Hektar Ackerland, mit in diesem Jahr etwa 40 Hektar Raps. Foto: Christian Charisius/dpa
Das strahlende Gelb fehlt
Sichtbares Zeichen für die Probleme ist nach Müllers Angaben das Fehlen des satten Gelbs der blühenden Rapsfelder. Weil weniger Knospen gebildet werden und weniger Blüten aufgehen, erscheinen die Felder blasser und nicht so strahlend.
Nach Angaben der Landwirtschaftskammer hat der Winter in Schleswig-Holstein regional unterschiedliche Spuren hinterlassen. „Insgesamt haben sich die Bestände vielerorts stabil entwickelt, allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede je nach Sorte und Standort“, teilte die Sprecherin Laura Maxi Stange mit. An der Westküste habe der Raps durch die fehlende Schneedecke teils Frostschäden erlitten und liege in der Entwicklung etwa eine Woche hinter günstigeren Lagen wie im westlichen Teil des östlichen Hügellandes.
Rapsblüte unterschiedlich weit nach Landesteilen
Im östlichen Hügelland zeige sich der Raps derzeit etwas uneinheitlich, so Stange. „Ursachen sind unter anderem stärkere Befallssituationen durch den Erdfloh im Herbst, die sich weiterhin im Bestandsbild widerspiegeln.“
Die Rapsblüte ist in den verschiedenen Landesteilen Schleswig-Holsteins unterschiedlich entwickelt. „Je nach Region und Sorte reicht das Stadium von geschwollenen Knospen bis zu den ersten geöffneten Blüten“, so Stange.
Die Rapsanbaufläche in Schleswig-Holstein ist nach Zahlen der Landwirtschaftskammer im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen. Sie liegt bei rund 601 Quadratkilometern, gut 4 Prozent weniger als 2025. Bundesweit wird Raps aktuell auf einer um fast 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausgeweiteten Fläche von 11.440 Quadratkilometern angebaut.

Mathis Müller schätzt, dass sein Raps in diesem Jahr, wenn es gut läuft, nur noch die Hälfte des potenziellen Ertrags bringen werde. Foto: Christian Charisius/dpa