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Verkehr

Hamburg plant milliardenteuren Brückenausbau über die Elbe

Blick auf die gesperrte Freihafenelbbrücke. (Archivbild)

Blick auf die gesperrte Freihafenelbbrücke. (Archivbild) Foto: Christian Charisius/dpa

Hamburg will die alten Eisenbahnbrücken über die Norderelbe erneuern und um ein drittes Bauwerk erweitern. Das Projekt soll mehr als eine Milliarde Euro kosten und dauert viele Jahre.

Von dpa Mittwoch, 25.02.2026, 08:00 Uhr

Hamburg. Hamburgs zentrale Eisenbahnbrücken über die Norderelbe sollen ausgetauscht und mit einem dritten Brückenbauwerk ergänzt werden. Statt bisher vier, sollen dann sechs Gleise über den Fluss führen, wie Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) zum Abschluss der Vorplanungen erklärte. Die Kosten für die Arbeiten, die im laufenden Bahnbetrieb erledigt werden sollen, bezifferte die Konzernbevollmächtigte Hamburg und Schleswig-Holstein der Deutschen Bahn, Ute Plambeck, auf mehr als eine Milliarde Euro. Bis zur Planfeststellung rechne sie mit einer Dauer von rund fünfeinhalb Jahren. Für die Bauarbeiten seien im Anschluss sieben Jahre eingeplant.

Täglich 660 Züge auf den Norderelbbrücken

Die seit 2021 unter Denkmalschutz stehenden Stahlbrücken sind den Angaben zufolge inzwischen 100 Jahre alt und werden derzeit pro Tag von rund 660 Zügen des Nah-, Fern- und Güterverkehrs befahren. Die Widerlager der Brücken stammten aus dem Jahr 1870, sagte Tjarks. Direkt daneben gibt es eine weitere S-Bahn-Brücke und die derzeit für den Autoverkehr gesperrt Freihafenelbbrücke. Außerdem ist an der Stelle eine weitere Brücke für die U-Bahn geplant.

Tjarks sagte, dass die Brücken eine große überregionale Bedeutung hätten. Über sie werde nicht nur der gesamte Nord-Süd-Bahnverkehr abgewickelt, sie dienten auch dem Korridor Skandinavien – Mittelmeer. Westlich dieser Brücken gebe es bis zur Nordsee keine weitere Eisenbahnüberführung, sagte Tjarks. Und östlich davon liege die nächste leistungsfähige Bahnbrücke über die Elbe knapp 380 Kilometer Luftlinie entfernt bei Dresden.

Plambeck: Bauarbeiten werden zum Brückentetris

Plambeck sprach von einem sehr komplizierten Brückenbauvorhaben während des laufenden Bahnbetriebs: „Unser Plan ist: sechs Gleise, drei neue Brücken.“ Aktuell sei jede Brücke rund 300 Meter lang und 24 Meter breit. Geplant sei, dass im Bereich der Freihafenelbbrücke zunächst zwei neue Eisenbahnbrücken gebaut und dann die bisherigen Bahnbrücken demontiert werden. Sind diese Arbeiten beendet, würden die neuen Brücken an die Stelle der alten geschoben und eine dritte Bahnbrücke dazu gebaut. „Ich nenne das ein bisschen liebevoll Brückentetris, was wir da vor der Brust haben“, sagte Plambeck.

Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing sagte, die neuen Brücken fügten sich in das vorhandene Ensemble bestens ein. „Sie nehmen einerseits Anleihen an die Bogenstruktur der vorhandenen Brücken und sind doch bei genauerem Hinsehen als neue, eigenständige und feinproportionierte Bauwerke erkennbar“, erklärte er mit Blick auf die Entwürfe von Ney & Partners aus Brüssel sowie Panta Ingenieure aus Hamburg.

CDU moniert Zeitplan

Der CDU-Verkehrsexperte Philipp Heißner monierte vor allem den Zeitplan. „Dass mit dem Bau in den 30er Jahren überhaupt erst begonnen werden soll, ist für diese Lebensader des Hamburger Bahnverkehrs viel zu spät und zeigt, wie dringend die Bau- und Planungsprozesse beschleunigt werden müssen.“ Angesichts der Bedeutung dieser zentralen Schienenverbindung müsse der Senat jetzt Druck machen für eine schnellere Fertigstellung.

Die Linken montierten vor allem das Fehlen einer zweiten Elbquerung. „Vor zwei Jahren reichte ein Lkw-Brand unter einer Eisenbahnüberführung, um den gesamten Fern- und Regionalverkehr tagelang zum Erliegen zu bringen“, sagte die Linken-Verkehrsexpertin Heike Sudmann. Zudem ließen die vorgelegten Pläne die größte Schwachstelle des Bahnnetzes – den Hamburger Hauptbahnhof – unangetastet.

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