Hinweisschild „für Dumme“: Fake News taucht erneut auf
Dieser unmissverständliche Hinweis hing einst vor einem Bauhof in Winsen. Foto: Facebook
Ein Foto im Internet hält sich hartnäckig. Vor Jahren schon aufgelöst, ist es wieder im Umlauf und sorgt für Empörung. Dabei führt die Wahrheit in die Region.
Manche Bilder mit Falschinformationen tauchen wieder in Social Media auf, obwohl sie schon längst falsifiziert wurden. Aktuell geht erneut das Bild eines Schildes um, das an der Schranke zur Tiefgarage des Bundestags in Berlin zu sehen sein soll. „Gefahrlose Durchfahrt nur bei senkrecht stehendem Schlagbaum möglich (Senkrecht bedeutet, wenn die Spitze oben ist)“, lesen angeblich die Mitglieder des Bundestages dort.
Das Bild mit dem Schild an der Schranke stammt dabei aus Niedersachsen, genauer aus dem Kreis Harburg. Und eindeutig: Dieses Schild hängt nicht an der Tiefgarage des Bundestags.
Der Eingang zur Tiefgarage des Bundestagsgebäudes vor dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Das Foto ist von 2020. Foto: Christophe Gateau/dpa
Der Bundestag verfügt laut eigener Webseite nur über eine einzige Zufahrt zu seiner Tiefgarage, die offiziell Unterirdisches Erschließungssystem heißt. Dieses verbindet das Reichstagsgebäude, das Paul-Löbe-Haus, das Jakob-Kaiser-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus im Berliner Regierungsviertel.
An der Einfahrt gibt es zwar auch Schranken. In deren Hintergrund wächst aber nicht dieselbe Vegetation wie sie auf dem Bild zu sehen ist. Das zeigt etwa ein Vergleich des Bildes im größeren Bildausschnitt mit Google Street View oder Mapillary. Ein Schild ist aber an der Einfahrt zur Tiefgarage des Bundestages tatsächlich zu sehen: Dort steht „bei Rot hier halten“.
Wo entstand das Foto stattdessen?
Im Netz gibt es mehrere Fotos von einem Schild an einer Schranke mit dem beschriebenen Text. Die Perspektiven und Bildausschnitte variieren, aber auf vielen Bildern lassen sich die gleichen Merkmale am Schild finden. Die Schraube rechts oben ist etwas heller und zwischen dieser und der Darunterliegenden hat die schwarze Umrandung eine kleine Unregelmäßigkeit. Auch die rote Markierung auf der Schranke ist auf den Bildern immer an der gleichen Stelle.
Die Fotos zeigen also mit hoher Wahrscheinlichkeit dasselbe Schild und sind am selben Ort entstanden. Doch welcher ist das?
Der „Spiegel“ verortete das Bild in seiner Rubrik Hohlspiegel vor einigen Jahren im österreichischen Graz. Noch deutlichere Hinweise führen aber nach Niedersachsen. In einem Online-Forum findet sich ein Foto des Schildes zusammen mit der Ortsangabe Winsen an der Luhe. Und tatsächlich teilte ein Sprecher der Stadt Winsen der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit, dass das Schild bis vor einigen Jahren am Schlagbaum der Einfahrt zum Bauhof der Stadt gehangen habe.
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Auf einem Foto des Bauhofs auf Google Maps ist tatsächlich eine solche Schranke zu finden, allerdings ohne das Schild. Das Foto wurde 2020 auf Google hochgeladen. Einige Details wie Straßenschilder, der Verlauf der Straßenoberfläche und die Glascontainer am Rand finden sich auch auf den verschiedenen Aufnahmen des Schildes. Es hing also an einer Schranke in Winsen an der Luhe - und nicht vor dem Bundestag. Obwohl die Deutsche Presse-Agentur das bereits im August 2024 klargestellt hat, tauchte die Falschinfo nun wieder auf. (dpa-Faktencheck)
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