Jugendleiter aus Buxtehude diskutieren Nahost-Konflikt in Israel
Die Buxtehuder Delegation besuchte ein Gemeindezentrum der Partnerorganisation Matnasgan in Netanya. Foto: Stadtjugendring
Jugendleiter aus Buxtehude nehmen an einem bewegenden Austauschprogramm in Israel teil, das Einblicke in den Nahost-Konflikt und das Leben vor Ort bietet.
Buxtehude. Acht Jugendleiter aus Buxtehude reisten im November zu einem fünftägigen Austauschprogramm in die israelische Stadt Netanya. Die Delegation des Stadtjugendrings (SJR) traf dort auf hauptamtliche Mitarbeitende ihrer Partnerorganisation Matnasgan Community Centers East Netanya.
Bei der Planung der Reise war die Waffenruhe für den Gazastreifen noch ausgeschlossen und die Rückkehr der israelischen Geiseln noch nicht abgeschlossen. Es war das erste persönliche Wiedersehen der Buxtehuder mit ihren israelischen Freunden seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023.
Steigender Antisemitismus in Deutschland
„Unser Besuch ist ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit und des gemeinsamen Willens, den deutsch-israelischen Austausch fortzuführen“, sagte SJR-Vorsitzender Achim Biesenbach. Während der Gespräche diskutierten die Teilnehmenden den Nahost-Konflikt, das Leben in Israel und den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland.
Wir wurden gefragt, warum Juden in Deutschland persönlich für die Politik der Netanyahu-Regierung verantwortlich gemacht werden.
Achim Biesenbach, Stadtjugendring
Antisemitische Straftaten in Deutschland haben laut Bundeskriminalamt 2023 und 2024 einen Höchststand erreicht. Viele davon stehen im Zusammenhang mit dem Krieg in Nahost. „Wir wurden gefragt, warum Juden in Deutschland persönlich für die Politik der Netanyahu-Regierung verantwortlich gemacht werden“, sagte Achim Biesenbach. Israel steht aufgrund der humanitären Situation im Gazastreifen international in der Kritik.
Zwischen Jugendarbeit und Kampfeinsatz in Gaza
Die Gespräche gaben den Buxtehudern unmittelbare Einblicke in den Alltag junger Israelis. Viele Partner leisten zwei bis drei Jahre Wehrdienst, teils im umkämpften Gazastreifen. Das Programm umfasste Besuche in Gemeindezentren, die von Kinderbetreuung bis Erwachsenenbildung eine breite Palette an Angeboten abdecken.
Besonders beeindruckte die Besucher ein Gemeindezentrum in einem Stadtteil mit hohem Anteil an äthiopisch-jüdischer Bevölkerung. Die äthiopisch-jüdische Gemeinschaft ist eine alte Gruppe, die für Jahrhunderte isoliert lebte. Die meisten wanderten im späten 20. Jahrhundert nach Israel aus. Dafür gab es mehrere Rettungsaktionen.
Buxtehuder besuchen Gedenkstätte des Massakers
Ein Programmpunkt war der Besuch des Grenzgebiets zum Gazastreifen. Die Buxtehuder Gruppe besuchte das Gelände des Nova-Festivals in der Nähe des Kibbuz Re‘imund und erhielt Eindrücke des Massakers vom 7. Oktober. Mehr als 360 Partygäste wurden von Terroristen laut Medientexten ermordet.

Die Buxtehuder Delegation besuchte die Nova Festival Gedenkstätte. Mehr als 360 Menschen wurden beim Hamas-Massaker auf dem Nova-Festivalgelände getötet. Foto: Stadtjugendring
„Die Orte des 7. Oktobers 2023 mit eigenen Augen zu sehen und Gespräche mit Überlebenden und Hinterbliebenen zu führen, hat uns tief bewegt“, sagte Anna Bundt, Austauschbegleiterin und Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) in Buxtehude.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Weiterentwicklung des Jugendaustauschs. In Workshops reflektierten beide Seiten die bisherigen Programme, überprüften Ziele und planten die nächsten Schritte. Für Mai 2026 ist der Gegenbesuch der Israelis in Buxtehude geplant. Im Sommer 2026 soll ein Jugendaustausch mit Schülern des Gymnasiums Süd stattfinden.
Völkerverständigung in schwierigen Zeiten
„Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, wie ernst wir es mit der Völkerverständigung meinen – daher setzen wir uns gerade jetzt für den deutsch-israelischen Austausch ein“, betonte Achim Biesenbach.
Den Israel-Austausch nach Netanya, einer Stadt mit 200.000 Einwohnern an der Mittelmeerküste, organisiert der SJR in Kooperation mit der DIG und dem Gymnasium Süd. Das Projekt gibt es seit zehn Jahren.
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