Madsen drängt auf mehr Marineaufträge für Nord-Werften
Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) hofft auf Rüstungsaufträge für Nord-Werften. (Archivbild) Foto: Frank Molter/dpa
Die großen Player profitieren auch im Norden von Rüstung. Insbesondere für die kleineren Werften im Norden hofft Wirtschaftsminister Madsen auf mehr Aufträge. Eine Entscheidung könnte in Kürze fallen.
Kiel/Flensburg. Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen hofft auf Rüstungsaufträge durch das schuldenbasierte Sondervermögen auch für kleinere Werften in Schleswig-Holstein. Zwar sei unstreitig, dass die beiden Wehrtechnik-Riesen TKMS und Rheinmetall sowie das Flensburger Rüstungsunternehmen FFG massiv vom Sondervermögen profitieren, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.
Bei den übrigen Betrieben der maritimen Branche - insbesondere bei den Werften im Norden - sieht Madsen dagegen „noch Luft nach oben“. Weder bei der zu Lürssen gehörenden Kröger-Werft in Schacht-Audorf noch German Naval Yards in Kiel seien größere neue graue Projekte in der Pipeline.
Profitiert die FSG?
Der größte deutsche Marineschiffbauer TKMS mit Hauptsitz Kiel hofft, bei dem in Schwierigkeiten geratenen Fregatten-Projekt 126 für die Deutsche Marine einspringen zu dürfen. Als Übergangslösung könnte ein der von der Werft entwickelte Typ Meko A200 dienen. TKMS habe dem Beschaffungsamt bereits einen Vorvertrag geschickt, um bei einer Zusage schnell bauen zu können, hatte der TKMS-Vorstandsvorsitzende Oliver Burkhard im Dezember erklärt. Durch einen Vorvertrag könne sichergestellt werden, dass 2029 das erste Schiff übergeben werden könnte.
Gebaut würde demnach aber nicht am Hauptsitz Kiel, sondern an einem externen Standort. Laut früherer Aussage Burkhards sollte der Bau der Schiffe in Bremerhaven und auch in Flensburg erfolgen und dem Steuerzahler Geld sparen: „Eine F126 kostet so viel wie zwei A200.“ Das Vorhaben im Umfang von bis zu zehn Milliarden Euro ist ein zentrales Rüstungsprojekt für die Deutsche Marine.
Madsen betont, „damit besteht die große Hoffnung, dass auch die zur Rönner-Gruppe gehörende Flensburger Schiffbaugesellschaft (FSG) zumindest einen kleinen Teil vom Kuchen abbekommt“.
Haushälter Schwarz: Entscheidung fällt „in Kürze“
Am Mittag hatte der Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz (SPD), der Mitglied im Haushaltsausschuss des Bundestags ist, Rheinmetall Landsysteme sowie FFG und FSG in Flensburg besucht. Es sei in den letzten Wochen und Monaten auch in Berlin einiges entschieden worden, was für Flensburg sicherlich nicht unwichtig sei, sagte Schwarz bei einem Pressetermin bei Rheinmetall im Anschluss an die Besuche. Manches sei zudem noch in der Pipeline.
„Wenn wir den Schiffbau nehmen, gibt es ein paar Entscheidungen, die in Kürze getroffen werden, die auch für Flensburg Auswirkungen haben können bezüglich der F126-Fregatte und der Meko-Fregatte“, sagte Schwarz. Dies sei keine Entweder-oder-Entscheidung, sondern ein Sowohl-als-auch. „Wenn 2029 ein Schiff im Wasser sein soll, dann muss jetzt zeitnah eine Entscheidung getroffen werden“, sagte Schwarz. Das sei bei der aktuellen Sicherheitslage eine Notwendigkeit.
Seinem Kenntnisstand zufolge sei die Vorvertragsvorlage im Finanzministerium und werde geprüft. Er gehe davon aus, dass der Haushaltsausschuss diesen bis Anfang Februar bekäme und dann im ersten Quartal Entscheidungen getroffen werden können. Die Marine, die Bundeswehr habe der Nato Fähigkeiten zugesagt, die geliefert werden müssen. „Und deswegen ist jetzt hier ein bisschen Druck im Kessel, das entsprechend entschieden wird.“
Auch FFG und Rheinmetall in Flensburg profitieren
Die Fahrzeugbauer FFG profitieren derweil unter anderem von einem im Dezember beschlossenen Rüstungsauftrag: Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte grünes Licht für den Lauf von rund 300 Transportpanzern des finnischen Unternehmens Patria gegeben. Die FFG baut als Subunternehmen einen Teil der Fahrzeuge, wie Schwarz sagte. Die Entscheidung sei getroffen.
Und auch Deutschlands größter Rüstungskonzern Rheinmetall habe schon an großen Beschaffungsmaßnahmen im Bereich Lastwagen und anderer Fahrzeuge profitiert, sagte Schwarz. Noch seien die zwar neu, aber irgendwann müssten diese auch Instandgesetzt werden und da spiele der Flensburger Standort eine große Rolle. Der kleinste Rheinmetall-Standort mit rund 50 Beschäftigten ist auf die Instandsetzung, Modernisierung und Montage von militärischen Fahrzeugen und Baugruppen spezialisiert. Der Standort entwickelt sich nach Unternehmensangaben zunehmend zu einem Kompetenzzentrum, das schnell auf neue Anforderungen der Bundeswehr reagieren könne.