Ostsee-Buckelwal: Rettungseinsatz startet frühestens am Samstag
Der Buckelwal vor der Insel Poel schlägt mit seiner Schwanzflosse. Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Vor der Insel Poel laufen die Vorbereitungen für die Befreiung des gestrandeten Buckelwals. Frühestens am Samstag soll der eigentliche Rettungsversuch starten. Die Helfer sind optimistisch.
Schwerin/Wismar. Der geplante Rettungsversuch des vor der Insel Poel gestrandete Wals startet frühestens am Samstag. Am Freitag sei mit den Probespülungen begonnen worden, sagte der Chef des von einer privaten Initiative beauftragten Tauchunternehmens, Fred Babbel. „Dann bringen wir alles auf Position, dass alles abendfest gemacht wird, und dann geht‘s morgen früh weiter.“
Technisch sei der Plan, die Fläche freizuspülen, vor die später die Pontons gesetzt werden sollen. Diese sollen dann so angeordnet werden, dass innen eine Freifläche von sechs mal zwölf Metern entsteht. „Da drin wird der Wal sich dann ja aufhalten“, sagte Babbel. Er habe den Eindruck, dass es dem Wal im Moment ganz gut gehe.
Tierärztin von Rettungsgruppe: Wal hat reelle Chance
Das seit mehr als zwei Wochen vor der Insel Poel liegende Tier habe eine reelle Chance, dort wegzukommen, sagte die Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert von der Insel Föhr im Hafen von Kirchdorf auf Poel. „Wir versuchen im Sinne des Tieres, ohne Stress dieses Tier aus dieser misslichen Lage zu befreien.“
Die heftigen Bewegungen des Tieres am Morgen mit kräftigen Schlägen der Schwanzflosse, der Fluke, wertete sie als gutes Zeichen. „Er hat sich heute beim Umdrehen fast so ein bisschen hin- und hergewälzt.“ Das sei ein Zeichen, dass er keine großen Verletzungen habe. Der Wal zeige, dass er sich bewegen wolle.

Schematische Darstellung des Bergungsversuchs. Grafik/Redaktion: A. Brühl Foto: dpa
Wal von Schlauchstück befreit
Der Wal habe sich zuvor in ein abgebrochenes Schlauchstück der Sprinkleranlage verfangen, die ihn seit Tagen mit Ostseewasser besprüht, berichtete Bahr-van Gemmert weiter. Davon sei er befreit worden. Möglicherweise habe er davon eine Hautläsion, doch diese heile erfahrungsgemäß im richtigen Salzwasser wieder.
„Wir haben gemerkt, man kann Kontakt mit dem Tier aufnehmen“, sagte Bahr-van Gemmert weiter. Die nassen Tücher, die am Vortag erstmals auf den Rücken des Wals gelegt wurden, seien ganz wichtig für die Haut, sagte die Tierärztin. Die Helfer hätten dabei mit einer bestimmten Salzlösung gearbeitet, da der Atlantik viel salzhaltiger als die Ostsee sei.
Die Tierärztin sagte weiter, an dem gegenwärtigen Ort könne der Wal nicht in Ruhe sterben. Die Umgebung sei völlig untypisch für ihn. Vorbeifahrende Schiffe machten Lärm.
Wal liegt seit mehr als zwei Wochen fest
Der geschwächte Wal liegt bereits den 18. Tag an derselben Position in der Kirchsee in der Wismarer Bucht.
Blaulicht
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Am Vormittag fuhren auch Mitarbeiter des Umweltministeriums und des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) mit einem Polizeischlauchboot zum Wal hinaus. Bei der Bergung sollen laut Backhaus auch batteriebetriebene Sandsauggeräte eingesetzt werden, um den Untergrund unter dem rund zwölf Tonnen schweren Tier frei zu spülen.
Chronologie: Gestrandeter Buckelwal in der Ostsee
Seitdem beschäftigt die Geschichte des Buckelwals viele Menschen. Eine Chronologie der Ereignisse:
Sichtung im Hafen von Wismar
3. März: Der Buckelwal taucht im Hafen von Wismar auf und lockt Schaulustige an die Kaikante. Einsatzkräfte entfernen Netzreste vom Tier, allerdings nicht komplett. Auch die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd ist mit einem Schiff vor Ort. Gegen Abend schwimmt der Wal wieder Richtung Ostsee. Das Deutsche Meeresmuseum geht zunächst noch von einem Finnwal aus.
4. März: Der Wal wird wieder in der Lübecker Bucht vor Brook westlich von Wismar gesichtet. Sea Shepherd versucht, noch verbleibende Leinenreste zu entfernen. Das gelingt vom größeren Schiff „Triton“ aus aber nicht.

7. März: Nach einer Sichtung vor Scharbeutz sucht Sea Shepherd in der Lübecker Bucht erneut nach dem Wal und findet ihn gegen Abend vor Boltenhagen. Von einem Schlauchboot aus gelingt es, Netzreste zu entfernen.
8. März: Auch weiter östlich gibt es Walsichtungen. So erreichen das Deutsche Meeresmuseum Meldungen aus Westmecklenburg und Graal-Müritz östlich von Rostock und am Nachmittag aus Wustrow und Ahrenshoop.
10. März: Vor der Küste bei Steinbeck in Nordwestmecklenburg verfängt sich der Wal laut Wasserschutzpolizei in einem Fischernetz. Ein örtlicher Fischer holt das Netz ein, wobei es durchtrennt wird. Anschließend schwimmt das Tier wieder seewärts.
Nachbarkreise
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14. und 15. März: Am Wochenende werden Walsichtungen vor der Küste Nordwestmecklenburgs vor Warnkenhagen, Steinbeck und Boltenhagen gemeldet.
19. März: Am Abend beobachtet Sea Shepherd von der „Triton“ aus, wie der Wal vor Travemünde in die Trave schwimmt.
20. März: Nach einer Sichtung in der Lübecker Bucht bei Haffkrug und Scharbeutz wird Sea Shepherd von der Wasserschutzpolizei verständigt. Der Organisation gelingt es von einem Schlauchboot aus, einen Teil der am Tier verbleibenden Leine mit einem Spezialwerkzeug zu entfernen. Später schwimmt der Wal weiter mit Netzresten am Körper Richtung offenes Meer.
Strandung vor Timmendorfer Strand
23. März: Der Wal wird auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt. Er sitzt im flachen Wasser fest. Danach besteht Konsens, dass es sich um einen Buckelwal handelt. Tagelange Rettungsversuche laufen an, unter anderem graben Bagger eine Rinne.
27. März: Der Wal ist befreit. Nachdem er sich am Abend des 26. März bereits ein Stück bewegt hat, liegt er am frühen Morgen des 27. März nicht mehr im Uferbereich vor Timmendorfer Strand. Stattdessen schwimmt er in der Lübecker Bucht.
Strandung in der Wismarbucht
28. März: Der Wal strandet auf einer Sandbank in der Wismarbucht südlich der Insel Walfisch.
29. März: Bei steigendem Wasserstand befreit sich der Wal in der Nacht kurzzeitig, liegt aber wenige Meter weiter in der Wismarbucht wieder auf.
30. März: Am späten Abend schwimmt der Wal wieder. Zuvor hatten Experten versucht, das Tier mit Lärm zu animieren. Der Wal schwamm anschließend laut Schweriner Umweltministerium aber in die falsche Richtung. Er wird am Hafen von Wismar gesehen, ist später aber seewärts Richtung Seebrücke unterwegs.
Strandung vor der Insel Poel
31. März: Der Buckelwal wird erneut vor Wismar gesichtet und schwimmt frei. Später sitzt er erneut fest, diesmal im Kirchsee, einem Teil der Wismarbucht, vor der Insel Poel.
1. April: Die Verantwortlichen geben die Einstellung weiterer Rettungsversuche bekannt, um den laut Experten geschwächten Wal in Frieden zu lassen.
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2. April: Ein Vermessungsboot beginnt damit, die Umgebung des Wals zu erkunden, um eine spätere Bergung des Tierkörpers vorzubereiten.
Ergebnisse eines Gutachtens werden vorgestellt
7. April: Die Experten stellen gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) erste Erkenntnisse des Gutachtens zum Zustand des Wals vor. Das Tier sei „schwerstkrank“, sagt er. Die Experten verweisen auf den sich verschlechternden Hautzustand und gehen wegen des Aufliegens auch von Organschäden aus. Das Tier könne bei einer möglichen Rettungsaktion am Stress sterben.
11. April: Es wird doch noch ein weiterer Versuch unternommen, den Wal zu mobilisieren. Unter Wasser werden Walgesänge abgespielt. Dies bleibt aber ohne Erfolg.
Behörden geben grünes Licht für privaten Rettungsversuch
15. April: Überraschend informiert Backhaus auf einer Pressekonferenz, dass die Behörden das Rettungskonzept einer privaten Initiative geprüft und erlaubt haben. Demnach soll das Tier lebend in die Nordsee und gegebenenfalls den Atlantik transportiert werden. Das Konzept sieht eine Anhebung des Tiers mit Luftkissen und einen Transport auf einer Plane zwischen zwei Pontons vor.
Walter Gunz und Karin Walter-Mommert: Wer sind die Wal-Retter?
Vor seiner privat finanzierten Wal-Rettungsaktion ist Walter Gunz nicht durch sein Engagement für den Tierschutz aufgefallen: Bekannt wurde der bayerische Unternehmer dadurch, dass er 1979 die Elektronikmarkt-Kette Mediamarkt mitgründete. Darüber hinaus hatte er dem Berater-Portal „Expert Marketplace“ zufolge über die Jahre hinweg verschiedene Management-Posten, unter anderem bei Axel Springer.
Im „Manager Magazin“ tauchte Gunz teils auf den Listen der reichsten Deutschen auf. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur betont er jedoch – oder gerade deswegen –, Geld spiele eine untergeordnete Rolle für ihn. „Die Leute denken immer zu viel an Geld. Man darf sich da nicht verkrampfen. Geld ist eine Energie und man muss sorgfältig damit umgehen.“ Geld, Kraft und Energie müsse man für das Richtige und Gute einsetzen.
Zwischen Wirtschaft und Philosophie
Neben seinem wirtschaftlichen Hintergrund hat Gunz auch Philosophie studiert und sich als Autor versucht. 2013 schilderte er in dem Buch „Ich bin doch nicht blöd“ – in Anspielung auf seinen bekannten Mediamarkt-Werbeslogan – auf ungewöhnliche Weise die Geschichte seiner Firmengründung und betitelte diese als „spirituelle Reise durch Politik, Ökologie, Philosophie Glauben und Religion“. 2017 erschien dann sein Buch „Das Geschenk“ – ein Plädoyer für ein erfülltes Leben jenseits von Status und Geld.
Zum selbsternannten Wal-Retter wurde Gunz nach eigener Erzählung eher zufällig. Er selbst sei von Bekannten gefragt worden, ob man für den Wal nicht etwas tun könne. „Dann bin ich plötzlich als der Retter der Nation erschienen, obwohl ich vom Typ her eigentlich überhaupt kein Held bin.“ Kritik von renommierten Wal-Experten ließ der Unternehmer nicht gelten, sondern stellte stattdessen sein Team nach eigenen Präferenzen zusammen.
In einem Interview mit dem Sender News5 betonte Gunz zudem, er sei ein Teamplayer und bringe Menschen zusammen. Auch Mediamarkt sei nur dadurch entstanden, dass viele Menschen zusammengearbeitet hätten. Eine eigene Familie hat der Unternehmer Medienberichten zufolge nicht. „Ich war viele Jahre mit Mediamarkt verheiratet, das war mein Baby“, sagte er in einem Interview mit dem Portal „GoMagazin“.
Pferderennsport von Tierschützern kritisiert
Neben Gunz ist auch die aus dem Pferdesport bekannte Unternehmerin Karin Walter-Mommert an der Finanzierung der Aktion beteiligt. Medienberichten zufolge ist Walter-Mommert Besitzerin von Trabrennpferden und gewann 1999 die Europameisterschaft der Amateurfahrerinnen. 1998 und 1999 wurde sie zudem deutsche Amateurmeisterin.
Walter-Mommert ist mit Ulrich Mommert, einem österreichischen Unternehmer, verheiratet. Einem Bericht des Magazins „Forbes“ zufolge wird sein Vermögen auf 1,7 Milliarden US-Dollar geschätzt. Auch Walter-Mommert ist bislang nicht in Sachen Tierschutz bekanntgeworden – im Gegenteil: Seit Jahren üben Tierschützer heftige Kritik am Pferderennsport.
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde um 12 Uhr aktualisiert.
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Im Hafen von Kirchdorf auf der Ostseeinsel Poel werden die vier Teile für die Pontons zur Rettung des gestrandeten Buckelwals mit Kränen ins Wasser gehoben. Foto: Bernd Wüstneck/dpa