Reformpläne der Regierung

Minister: „Absolute Fehlentscheidung“ bei Krankschreibungen

Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) sieht die geplanten Neuregelungen der Bundesregierung bei Krankschreibungen kritisch. (Archivbild)

Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) sieht die geplanten Neuregelungen der Bundesregierung bei Krankschreibungen kritisch. (Archivbild) Foto: Lars Penning/dpa

Krankschreibungen per Telefon sollen bald nicht mehr möglich sein. Und: Wer krank ist, braucht wohl bald ab Tag eins einen Nachweis dafür. Niedersachsens Gesundheitsminister warnt vor den Folgen.

Von dpa 02.07.2026, 19:45 Uhr

Hannover. Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi kritisiert die im Reformpaket der Bundesregierung vorgesehene Neuregelung der Krankschreibung mit deutlichen Worten. „Es ist eine absolute Fehlentscheidung, dass Patientinnen und Patienten ab dem ersten Krankheitstag eine Krankschreibung vorhalten sollen“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Ein weiteres Überlaufen der ohnehin schon vollen Wartezimmer in den Hausarztpraxen ist damit vorprogrammiert.“

Den Koalitions-Plänen zufolge soll es Pflicht werden, schon vom ersten Tag an eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen. Beschäftigte müssen dafür dann direkt in die Praxis gehen und können nicht erst einmal zu Hause bleiben und schauen, wie es ihnen geht. Bisher ist eine Bescheinigung vom vierten Tag an vorgeschrieben. Arbeitgeber können aber schon früher einen Nachweis verlangen können. 

Minister: Weitere Belastung für Praxen und Kranke

Auch das von schwarz-rot geplante Ende der telefonischen Krankschreibung sieht der Landesminister kritisch. „Dass außerdem die telefonische Krankschreibung nicht mehr möglich sein soll, wird sowohl zu einer Belastung der Praxen als auch der kranken Menschen führen“, sagte Philippi. „Die Telefon-AU bei bekannten Patienten hat sich bewährt und sie entlastet Praxisteams.“ 

Zurecht würden Ärzte- und Patientenverbände die geplante Neuregelungen nun kritisieren, sagte der Politiker, der aktuell auch Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz ist. 

Die Möglichkeit, sich auch ohne Praxisbesuch krankschreiben zu lassen, besteht seit Ende 2023 - unter der Bedingung, dass man in der Praxis bekannt ist und keine schweren Symptome hat. Vorbild war eine Sonderregelung aus Corona-Zeiten, um Ansteckungen zu vermeiden. 

Gesundheitsminister Philippi fürchtet zudem, die verschärfte Krankschreibungspflicht könne dazu führen, dass kranke Menschen sich „zur Arbeit schleppen“. „Damit ist niemandem geholfen“, sagte der Minister. „Krankheiten müssen auskuriert werden, damit Patientinnen und Patienten ordentlich gesunden und ihr näheres Umfeld nicht anstecken.“

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